Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040889
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gen 
Allegri , Antonio , 
Correggio. 
für sich gebrochen und gemildert ist. Er malte wie Giorgioire mit pastosem 
Pinsel in grossen Zügen, verstand aber damit alle Zauber der feinsten Verschmelzung 
zu verbinden. Durch ein sehr lichtes Untermalen und öfteres Darübergehen, wusste 
er seine Färbung zu jener leuchtenden Kraft hinanzustimmen und ihr doch die hellste 
Klarheit zu bewahren. Daher ist er auch an Zartheit des Schmelzes, Heiterkeit, 
Schönheit und namentlich an magischer Harmonie des Colorits unübertroffen. In 
seinen Gemälden, bei deren Herstellung er weder Fleiss noch Material sparte, zeigt 
er überall die äusserste Vollendung, die Wahl der ausgezeichnetsten Stoffe, Kupfer, 
kostbare Tafeln, Leinwand, der feinsten Farben u. s. w., und eine ausgezeichnet sorg-ß 
faltige Behandlung, worin er eigene technische Geheimnisse, die unter Anderem in 
einer Verschmelzung der Farben vermittelst der Sonnenwärme oder des Feuers be- 
standen, besessen haben soll. In seiner Zeichnung vermisst man den Adel und die 
Schönheit eines gjrossen Styls; er vermied darin die geraden Linien , WVinkel und 
Ecken, wesshalb sich überall ein Durcheinanderwogen von Qnvexen und concaven 
Iallllßll bemerkbar macht. Sein Bestreben, seinen Formen eine reizende, überraschende 
Ansicht abzugewinnen, trieb ihn zu den Verlaiirzungen , die in der Regel entstellen, 
bei ihm aber den beabsichtigten Ausdruck verstärken; denn es ist nicht zu verkennen, 
dass er dadurch die wunderbarsten Wirkungen erzielte, die sich namentlich in seinen 
Deckengemälden aussprechen. In der Gewandung War er der erste, der sie in die 
Idee der Composition aufnahm; er sah dabei nicht sowohl auf die Wahrheit und 
Schönheit der Formen, denn er vermied auch hier eckige Brüche und spitzige Winkel, 
als auf ihre YVirkung durch die Gegensätze und die Reize harmonischer Zusammen- 
Stimmung. 
So sind festliche Heiterkeit und exstatische Freude, daraus entspringendc fröh- 
liche Grazie und die Verklärung des irdischen Glücks, wie Schmerzes, die Poesie des 
Lichts und die Magie des Helldunkels, die Hauptprincipien, auf denen die von Cor- 
reggio eingeschlagene Kunstrichtung beruht, und er erreichte darin auch eine Voll- 
endung, die eincn der bedeutendsten Höhepunkte der neuern Malerei bezeichnet. 
In dieser grossen Eigenthiimlichkcit ist er jedoch nicht frei geblieben von einseitiger 
Uebcrtreibung, zu der sie ihn verführt hat; nicht nur hat er sich gar manchen Fehler 
gegen die Form zu Schulden kommen lassen, sondern sein Affekt ist nicht immer frei 
von Affcktation, sein Ausdruck von süsslicher Manier, und seine Grazie, statt ihrer 
unbewusst zu bleiben, sucht sich zum Oeftercn als solche anzukündigen, und, statt 
das Gemüth zu bezaubern, die Begierde des Besitzes zu erregen und schalkhaft damit 
zu kokettiren. i 
Antonio Allcgri wurde im J. 1494 zu Correggio, einem Städtchen im Mode- 
ncsischen geboren. Sein Vatergein Kaufmann, hiess Pellegrino Allegri, mit dem 
Beinamen Domano, seine Mutter Bernardina Piazzoli, genannt degli Aromani; 
doch unterschrieb er sich meistens, wohl aus Scherz und Humor, Liet o, ein Wort, 
das mit dem Namen Allegri in soferne verwandt ist, als es, wie dießef, in's Deutsche 
übersetzt, heiter oder vergnügt bedeutet. Seinen ersten Unterricht in der Kunst 
erhielt er durch seinen Oheim Lorenzo Allegri und einen Inittchnässigen Maler 
seiner Vaterstadt, Antonio Bartolot-ti (gest.152'7); SPäfeY S011 er ein Schüler 
des Francesco Bianchi Ferrari zu Modena gewesen Sein, sich auch nnter der 
Leitung- seines Freundes, des modenesischen Bildhauers  egarelli der Bildhnner- 
kunst gewidmet haben. Die Sage schreibt ihm dalleT dle elgenhänfligc Ausführung 
der drei schönsten (allerdings in seinem St l behandelten) Figuren einer Kreuzab- 
nahme dieses Künstlers in terra cotta, füüe Kirche S. Ceßiliib in Modena bestellt, 
(nun in S, Agostino) zu. In den Wissenschaftlichen Fächern genoss er, nachdem Sein 
Geist dafür herangcTeifß War, die Unterweisung des berühmten Arztes und Professors 
Lombardi. Aus dieser ersten Zeit seiner frühcntwißkelten Künstlel-Schaft Sollen 
einige Gemälde, eine Gefangennehlnung Christi mit dem Jüngling, der ßiehend den 
Mantel fallen lässt (derzeit in Englandlbcündlißll), eine Madonna mit dem Kinde und 
Johannes, ferner ein Packpferd und ein Packesel mit ihren zwei Treibern, ein Bild, 
das Correggio als Wirt-hshausschild gemalt (in der Gemäldesammlung des Marquis
        

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