Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1043614
Cartellier 
Carucci. 
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hoher Adel der Erscheinung ist durchaus in allen seinen Gestaltungen ausgesprochen, 
wenn sie auch zuweilen mehr oder minder den Anschein eines Entwurfs, als einer 
bis in alle Einzelheiten empfundenen Ausführung haben. Carstens besass eine frucht- 
bare und Wahrhaft dichterische Einbildungskraft, die sich vorzugsweise an Gegen- 
ständen des griechischen Alterthums entzündet-c und nährte; biblische und christliche 
Steife oder Scenen aus der Geschichte der Römer hat er nie zu Vorwürfen gewählt. 
Mehr als andere verrathen daher diese seine TVerke ein wahres und tiefes Eindringen 
in den Geist der alten YVelt. Er strebte vor Allem nach bedeutender Auffassung des 
Gegenstandes und schönem Sinn des Ganzen, nach richtigem und lebendigem Aus- 
druck der Idee, als der wesentlichsten Forderung an das Kunstwerk. In seinem Styl 
der Zeichnung liegt eine ideale Grossheit, die, wenn sich auch der Einiiuss seiner 
vorgenannten grossen Vorbilder nicht verkennen lässt, doch einen eigenthiimlichen 
originellen Charakter trägt. Mangel an genügender Kennt-niss der Anatomie, der 
Perspektive und an Fertigkeitäund Gewandtheit im Zeichnen nach dem Modell, das 
er prinzipiell ganz verwarf, weil er es nicht ohne Nachtheil für seine Idee benützen 
konnte , tragen zwar allerdings die Schuld, dass sich viele kleine Uniichtigkeiten in 
seine Zeichnung eingeschlichen haben, auch brachte er es in _der Oelmalerei, aus 
Mangel an gehörigem Studium und Uebung, nicht weit, obgleich er in seinen Aquarell- 
malereien zeigte, dass es ihm keineswegs an Farbensinn fehlte. Dieser einzelnen 
kleinen Mängeln aber unerachtet und trotz der heftigen Gegner, die er fand , wurde 
Carstens dennoch der Begründer der neuern deutschen Malerei, indem er die Bahn 
eröffnete, auf der fortan die grössten Künstler der deutschen Nation mit ungemeinen 
Erfolgen fortwandeltenß ja sein Einiiuss ist bis auf die neueste Zeit noch nicht er- 
loschen: Wächter, Koch, Schick, Genelli und Thorwaldsen, ja selbst Cor- 
neliu s, der jüngste und gewaltigste unter ihnen, erhieltendurch ihn ihre Richtung. 
Von Carstenis Compositionen befinden sich viele im Privatbesitz. Einige der 
besten sind in England, mehrere in der Thorwaldsenschen Sammlungin Kopenhagen; 
die grösste Anzahl trifft man jedoch in der grossherzoglichen Kunstsammlung zu 
Weimar. Zu den schönsten unter den letzteren gehören: Homer, den versammelten 
Griechen seine Gesänge vortragend (gest. v. E. Schäffer); die Zurückbringung des 
entilohenen hlegapenthes, nach Lucian (gest. v. Jul. Thäter); Sokrates , der dem 
Alcibiades in dcrSchlacht bei Potidäa das Leben rettet; Ganymed, vom Adler 
Jupitefs emporgetragen; die Schlacht der Centauren und Lapit-hen; Oedipus in 
Kolonos und Oedipus Tyrannus; die Ueberfahrt, nach Lucian; die Parzen; die Nacht 
mit ihren Kindern; das Orakel des Amphiaraos; die Geburt des Lichts; Eteokles, 
der in den Kampf eilt; Jason's Ankunft in Jolkos; Sokrates im Korbe; das Gast- 
mahl u.  w.  
Literatur. Fernow, Leben des Künstlers Asmus Jakob Carstens.  Leipzig 1806.  Kugler, Hand- 
bucli der Geschichte der Malerei.  Plntner, Bunsen, Gerhard und Röstel, Beschreibung der 
läilfinlidrwlvigrilile._Zeichnungen von Asmus Jakob Carstensl in der grossherzoglichen Kunstsammlung zu Weimar, 
in Umrissen gestochen und herausgegeben von WzMuller. Mit Erläuterungen von Chr. Schuchardt. 
Weimar und Leipzig.  Les argonnutes selon Pindar, Orphäe et Apollonius de Rhödes en 24 planches 
1nv. et dass. par A. J. Carstens et grav. par. J. Koch. Roms 1799, 
Üa-Ttenier, Pierre, geb. zu Paris 1'757, gest. daselbst 1831, war ein seiner Zeit 
sehr geschätzter Bildhauer, dessen Afbeitell Eleganz der Formen mit Charakter, 
Ausdruck und sorgfältiger Ausführung verbinden. Er fertigte mehrere Porträt- 
statuen, unter Anderem die des Kaisers Napoleon, des Generals Pichegru, LndwigXV" 
der Kaiserin J osephine u. s. w.; auch mehrere allegorische Figuren und Reliefs, letz- 
tere für die Colomlßde des Louvre, den Triumphbogen des Carrouselplatzes, die Fagade 
des Hotels der Invaliden zu Paris. u. s. W.  
Carucci, Jacopo, genannt Pontqrmo, nach seiner Vaterstadt, geb. 1493, war der 
501111 eines mittelmäßigen Malers Bartolomeo, nach dessen Tod er zu Leonardo 
da Villci in die Lehre kam. Er verlicss dessen Schule jedoch bald wieder und suchte 
sich bei Marioüßü Albertinelli und Pier di Cosinio in der Malerei weiter aus- 
zubilden, blieb bei diesen indessen abermals nicht lange, Sondern wählte sich 1512 
den Andrea: del 531'110 Zum Lehrer, der ihn jedoch, aus Eifersucht über die höchst
        

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