Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1043566
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Carpaccio. 
Stadt, welche Torella Saraina beschrieben und im Druck herausgegeben.  Ein 
anderer seiner Schüler, der später gleichfalls ein tüchtiger Maler wurde, war An- 
selmo Canneri. 
Carpaecio, Vittore, ein Meister der venetianischen Schule, von dem man aber 
weder Geburt, noch Sterbejahr kennt. Nach Einigen soll er zu Venedig, nach Andern 
zu Capo d'Istria um 1450 geboren und sehr alt geworden sein. Im Jahr 1522 lebte 
er noch. Auch sein Name wird verschiedenartig angegeben. Bald wird er Scarpaccia, 
Scarpazza, bald Carpaccia oder Carpazzia genannt; er selbst schreibt sich Carpatius, 
Carpathius, Carpaccius und Charpatius. Die früheste Nachricht über ihn ist von 
1474, in welchem Jahre er für den Senat bei den Arbeiten im grossen Rathssaal zu 
Venedig beschäftigt war. Seine dortigen Arbeiten aber gingen mit denen der andern 
Meister, die daselbst um dieselbe Zeit thätig gewesen, bei der Feuersbrunst im Jahr 
1577 zu Grunde. Das älteste bekannte Bild von ihm, eine Maria mit Heiligen und 
dem Porträt des Dogen Mocenigo, der Familie des letzteren angehörig, trägt die 
Jahrszahl 1479, das jüngste, sein eigenes Porträt im Besitz des Cav. Giustiniani alle 
Zattere, die von 1522.  
 Carpaccio ist gewissermassen als der letzte Sprössling jener alterthümlichen 
venetianischen Kunstrichtung in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu betrach- 
ten. Er fasste seine historischen Darstellungen, seine Scenen aus dem Leben der 
Heiligen oder biblische Vorgänge, meistens in einer mehr genreartigen, erzählenden 
Weise auf, indem er sie in dem venetiaxiischen Volksleben seiner Zeit mit seiner 
bunten Mannigfaltigkeit verführte; allein er wusste zugleich da1'in auch die Lieht- 
und Farbeneffekte im Grossen, wie sie bei Volksversammlungen im Freien vor- 
kommen, mit Glück wiederzugeben, sie frei in eine reiche landschaftliche und gross- 
artige architektonische Umgebung zu componiren und das Ganze durch eine tiefe 
kraftvolle Färbung zu verbinden. Namentlich in seinen Gemälden mit kleineren Fi- 
guren erscheint er höchst lebendig und anmuthig , bei denen in grösserem Maassstabe 
tritt jedoch eine gewisse Befangenheit in den Formen hervor. So stellte er in der 
Schule der h. Ursula zu Venedig die Geschichte dieser Heiligen und ihrer eilft-ausend 
Jungfrauen dar, mit Inbegriff des Altarbilds neun grosse ügurenreiche Gemälde (gest. 
von Gio. de Piau e Franc. Calinberti), jetzt in der Akademie daselbst, lileister- 
werke, reich an Gestalten, Motiven und Charakteren, in denen das lästige Ceremoniell 
des Vorgangs durch freie Gruppirung aufgehoben und die Farbe in der klarsten 
Leuchtkraft erscheint. (Auf einigen derselben sieht man die Jahrszahlen 1493 und 
1495.) Auch zu der von Giacomo Bellini für die Scuola di S. Giovanni zu Venedig 
begonnene Reihe von Bildern, welche die Wunder der h. Kreuzreliquie darstellen, 
lieferte er einen und vielleicht den trefflichsten Beitrag: die Heilung eines Besessenen 
durch den Patriarehen von Grado (in der Akademie daselbst). Eines seiner herr- 
lichsten Bilder aber ist der Tod der Maria (vom Jahr 1508) im Ateneo zu Ferrara, 
TVandgemälde von ihm aus der Geschichte Christi, S. Georgs und S. Hieronymus 
(1502-1511) finden sich in der Scuola di S. Giorgio de' Schiavoni in Venedig. Andere 
Bilder, eine grosse Darstellung im Tempel, früher in S. Giobbe (1510) und eine 
Apotheose der heil. Ursula, beide in der Akademie zu Venedig, sind breiter und mehr 
im entwickelteren venetianischen Styl behandelt, lassen jedoch den Mangel an Mittel 
zur Belebung grösserer Formen bedauern. In S. Vitale zu Venedig ist dagegen wieder 
ein Meisterwerk von ihm, eine lebhafte Cenversation von Heiligen. Von der F olge 
von fünf, zwischen den Jahren 1511 und 1520 für das Brüderschaftshaus des heil. 
Stephan zu Venedig ausgeführten Bildern aus der Legende dieses Heiligen befindet 
sich eines , die Einscgnung des heil. Stephans und anderer Diakonen im Museum zu 
Berlin (1511), ein anderes, denselben Heiligen darstellend, wie er siegreich die An- 
hänger verschiedener Religionssekten widerlegt im Louvre zu Paris, ein drittes , die 
Predigt desselben, in der Gallerie der Brera zu Mailand, in welclf letzterer Samm- 
lung man auch noch Christus unter den Schriftgelehrten (1514), den Aufgang der 
Maria zum Tempel und die Vermählung Joseph's und Mama's von ihm bewahrt. Nüßh 
sieht man von ihm ausser den bereits angeführten Bildern in S. Giovanui e Piwlß
        

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