Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1043559
Carotto , 
Giovanui. 
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nach Verona zurück und uralte hier für die Kapelle der Madonna im Franciskaner- 
kloster S. Fermo eine noch jetzt wohl erhaltene Altartafel: Madonna im Schooss der 
heil. Anna auf TVolken mit Heiligen (bezeichnet: Fr. Krotto 1528), ein durch die 
Schönheit des Colorits und Freiheit der Behandlung ausgezeichnetes Bild, ein Haupt- 
werk des Meisters, auf dem die Engel wirklich etwas Raphaelisches haben; ferner 
für die Kapelle vom Kreuz in S. Bernardino: einen Abschied Jesu von seiner Mutter 
(noch jetzt, nebst einem andern Bilde, die h. h. Franz und Bartholomäus darstellend. 
daselbst zu sehen); sodann für die Barfüsserkirche auf Isola, im Gardasee, und für 
die Kirche von Malsessino mehrere andere Kirchenbilder. Um dieSeU-lß Zeit führte 
er sodann für den Grafen Francesco Giusti eine Art Herkules am Scheidewcge aus, 
auch wird er als der erst-e angeführt, der in Verona selbstständige Landschaften 
malte. Später beschäftigte er sich viel mit Modelliren und man rühmt seine Porträt- 
medaillen ebenso, wie seine gemalten Bildnisse. _Als aber Gian Francesco alt zu 
werden anfieng, kam er in seiner Kunst merklich zurück, wie man an mehreren 
seiner Malereien in Santa Maria della Scala und in Santa Anastasia zu Verona sehen 
kann.  Er starb 1546 im Alter von '76 Jahren. 
Carotto gehörte zu den vorzüglich begabten Künstern seiner Zeit, wenn er auch 
keinen grossen Umfang des Talents, namentlich Phantasie und dramatisches Dar- 
stellungsvermögen zu zeigen Gelegenheit hatte. Man unterscheidet in seinen WVerken 
drei Perioden, ohne indessen die Ursachen und Einflüsse nachweisen zu können, 
welche diese Umwandlungen herbeigeführt. In seinen älteren Werken erscheint er 
noch etwas befangen und der älteren Richtung zugethan, namentlich dem Girolamo 
dai Libri verwandt; in den mittlern vornehmlich mild und weich und von süssem 
Farbenschmelz in der YVeise des Leonardo da Vinci, in den letzten endlich ge- 
winnt er eine Freiheit der Zeichnung und Darstellung, die man fast wieder mit der 
Gemiithsverfassung früherer Jahre gemässigt wünschen möchte. Seine schönste Ent- 
wicklung zeigt er in den erwähnten Werken der Kapelle degli Spolverini, in der Kirche 
S. Eufemia zu Verona. Die Köpfe der Engel sind hier- von überaus mildern und edlem 
Ausdruck (besonders der Engel Michael, voll von einer eigenen himmlischen Rein- 
heit), auch die Oberkörper sind sehr schön, die Beine aber minder gelungen. Die 
beiden weiblichen Heiligen sind mehr statuarisch streng und kälter im Ausdruck. 
Eine Seitenwand dieser Kapelle schmückte Carotto mit Scenen aus der Geschichte 
des h. Tobias al fresco, unter denen besonders die unterste, wo die Mutter des Tobias 
ihre Schwiegertochter umarmt, während Tobias selbst die Augen des blinden Vaters 
heilt, höchst anmuthig ist. Leider sind diese Fresken zum Theil übermalt und sehr 
beschädigt. Carotto hat ein warmes verschmolzenes Colorit, welches auf eigenthüm- 
liche Weise mit der strengen Zeichnung seiner Formen contrastirt.  Weitere Werke 
von ihm finden sich zu Verona in S. Tomaso: die h. h. Rochus, Hiob und Sebastian, 
eines der schönsten Bilder Carottds in Seinem ernstesten Styl; ferner in der Samm- 
llmg des Palazza del consiglio: eine Geburt Christi, ein ausgezeichnet schönes 
Gemälde. Auch die h. h. Johannes und Jakobus im Dom hält man für TVerke seiner 
Hand. Im Museum von Berlin sieht man von ihm: eine Madonna mit dem Kinde; 
im Städefschen Institut zu Frankfurt a. M.: Maria mit dem Kinde, in einer Land- 
Sßhäift, und in der Leuchtenberg'schen Gallerie: die h. h. Jakobus, Antonius, der Ein- 
siedler, und eine heil. Jungfrau  Ein ihm zugeschriebenes Bild zu Verona, das 
die Auferstehung des Lazarus darstellt, trägt nebenstehendes Monogramm mit der-F. 
Jahrszahl 1531. 
Carotto, Giovanni, der Bruder des Obigen, geb. 1488, gest. 1548, erlernte die 
Malerei bei diesem, folgte auch seiner Kunstweise, erreichte aber darin durchaus 
keine gleich hohe Stufe. Er malte für verschiedene Kirchen Veronafs Altargemälde, 
auf denen er gerne Porträts anzubringen piiegte. Als trefflich wird er aber nament- 
lich in der Architekturmalerei gerühint und soll er darin seinem ausgezeichneten 
Schüler Paolo Veronese, welcher dieselbe hernach zu so hoher Vollendung aus- 
bildete, das früheste llarchßlhmungswerthe Vorbild gewesen sein. Er zeichnete auch 
die Ueberreste antiker Baukunst in Verona für das Buch über die _Alterthümer dieser 
ä
        

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