Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1043328
1264 
Canova. 
;auf dem Platze Prato della Valle zu Padua; die Marmorbüste Kaiser Franz I. in 
iWien; die Statue der Polyhymnia; die Bildsäule Pius VI. in der Peterskirche zu 
 Rom; die Porträtstatue der Gemahlin Lucian Bonapartds mit der Lyra im Arm , eine 
grosse schön bekleidete Marmorstatue; ein kolossaler Hektor; ein Ajax; die Terpsi- 
chore, eine sehr edle Gewandstatue, eine sitzende Polyhymnia, Johannes, der Täufer, 
und ein Cupido (ehemals im Besitz des Grafen Sommariva); drei Tänzerinnen; die 
 Statuen der Frömmigkeit und Sanftmuth, früher für das Grabmal Clemens XIV. be- 
stimmt, aber später durch andere ersetzt; eine schlafende weibliche Figur in der 
Stellung des Hermaphrodit, mit bewundernswürdiger Weichheit und Nat-urwahrheit 
 ausgeführt (im Besitz des Marquis von Landsdowne); eine büssende lMIagdalena, auf 
 dem Felsbette liegend, und Endymion in schlafender Stellung (im Besitz des Herzogs 
von Devonshire in Chatsworth) , ein Werk von der grössten WVeiche und von äusserster 
 Vollendung des Marmors , beide 1822 , kurz vor dem Ende des Künstlers ausgeführt. 
-Endlich ein Pferd, welches bestimmt war, Napoleon's Statue zu tragen. Ueberdies 
 eine Anzahl von Büsten, worunter wir namentlich das Porträt Napoleon's, sehr le- 
bendig und von grösster Vollendung, das als Original zu der Statue dieses Kaisers 
diente (das Gypsmodell davon im Museum der bildenden Künste zu Stuttgart) und 
Canovafs eigene überlebensgrosse Büste zählen (beide im Besitz des Herzogs von 
Devonshire in Chatsworth); Basreliefs mit Darstellungen nach griechischen Dichtern 
und verschiedene Grabdenkmale , unter denen besonders genannt werden dürften; 
die Grabmäler des Kupferstechers Volpato (in der Apostelkirche zu Rom); des Dich- 
ters Alfieri (in der Kirche Sta. Croce zu Florenz) mit der vielfach bewunderten ko- 
lossalen Marmorstatue der trauernden Italiar; der Gräfin von Santa Cruz; des Grafen 
 Souza; des Dom. Manzoni, zu Forli; des Senators Faliero, Canovzfs erstem Mäcen; 
des Prinzen" Friedrich von Oranien; des Grafen Ottavio Trento zu Vicenza; des Franc. 
Pesaro; des Admirals Nelson; der letzten Stuarts in der Peterskirche zu Rom u. s.w. 
"Im Ganzen hat Canova dreiundfünfzig Marmorstatuen , zwölf Gruppen, vierzehn 
Sarkophage, acht grosse Grabmonument-e, neun kolossale Figuren, vierundfünfzig 
Büsten, sechsundzwanzig Basreliefs, zusammen hundertsechsundsiebenzig Werke ver- 
fertigt, zweiundzwanzig Gemälde und eine unzählige Menge Zeichnungen, Studien, 
Modelle u. s.w. nicht gerechnet. Seine Bilder, meist in oder ein wenig unter Lebens- 
grösse, sind leicht hin gemalt, sowohl in den F leischparthien als im F arbenton überhaupt, 
reizend und wahr und zeugen von einem tiefergehenden Studium der venetianischen 
Meister. Sie stellen meistens Venus und Amor, die Grazien, antike Helden u.s.w. dar. 
 Canova's eminentes Talent überwand die Schwierigkeiten der Technik, der Hand 
.und des Meisels, mit einer erstaunlichen Leichtigkeit und wusste seine Gedanken in 
einer neuen und originellen Auifassungsweise mit grösster Lebendigkeit in der Com- 
position und meisterhafter Sicherheit in der Form und in der Behandlung aus dem 
Marmor zu schlagen. Mag seine etwas sentimentale Natur auch seinen Gestalten 
hin und wieder eine gewisse weichliche Empündsamkeit eingehaucht haben, und ein 
Theil der ihm S0 allgemein zu Theil gewordenen grossen Bewunderung dem Um- 
stande zugeschrieben werden, dass er gerade darin den herrschenden sentimentalen 
Zug der Zeit traf; mag er auch in seinem Streben nach Anmuth, Grazie und Zier- 
lichkeit der Formen , die insbesondere den meisten seiner weiblichen und jugendlichen 
Gestalten nicht abzusprechen ist, sich, um _zu gefallen, zuweilen zu direkt an die 
Sinne gewandt haben und dadurch in eine Weichlichkeit und Alfektation gerathen 
sein, die oft geradezu widerlich wird und dem Gedanken eine ganz falsche Richtung 
gibt: Illßg 81' Selbst hie lllld da, Wo er aus eigenem Antrieb oder durch Bestellungen 
veranlasst, die ihm eigenthiimliche Sphäre heiterer sinnlicher Schönheit überschritt 
und Kraft und Grossartigkeit zu erreichen strebte , nicht selten in Uebertreibung der 
Motive und Formen gefallen, auch von dem Vorwurf einer mehr malerischen als plasti- 
schen Anordnung in der Composition nicht frei zu sprechen sein; ja mag die hohe 
Vollendung seiner Behandlung Sogar manchmal dadurch, dass er dem Marmor eine 
mit dem darzustellenden Stoffe im Widerspruch stehende Politur gab, störend wirken, 
 ' Abgebildet in den Denkmälern der Kunst. Atlas zu Kuglers Handb. de: Kunstgesch. Taf. 103, FiE- 2-
        

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