Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1043312
Canova. 
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alle Ehren, alle Dekorationen, alle Titel, alle Einkünfte, die sich der Ehrgeiz eines 
Künstlers von der Freigebigkeit der Fürsten nur wünschen kann , zu Theil. Er war 
zum Marchese , zum Ritter vom goldenen Sporn , zum Fürsten der Akademie von S. 
Luca, zum Präsidenten oder Mitglied von zwanzig Akademien ernannt worden. Man 
hat Medaillen zu seiner Ehre geschlagen und eine Menge Städte haben ihm-ihr 
Bürgerrecht geschenkt. Er hat vom Prinz-Regenten von England eine mit Brillanten 
reich besetzte goldene Dose, andere Gnadengeschenke von allen Mächten des 
Nordens erhalten. Wenn er aber auch diese Erfolge zum Theil dem Umstande zu 
verdanken haben mochte, dass er keinem Menschen die Ehren seines Meisels ver- 
weigerte: Usurpatoren , wie legitimen Majestäten , und Murat , König Ferdinand IV. 
(in den Studj zu Neapel), die Erzherzoge von Florenz, den Vicekönig von Italien, 
den Prinz-Regenten von England, die letzten Stuarte , Madame Lätitia, eine Tochter 
Marien Theresiens, den Papst und Napoleon u.  alle die Gestalten, die am poli- 
tischen Horizont vorüberzogen , gemüthsruhig darstellte , so darf ebenfalls nicht ver- 
schwiegen werden, dass er einen grossen Theil seines Reichthums auf die Unter- 
stützung des Unglücks und auf die Aufmunterung der Künste verwandte. Er ver- 
schaffte in Rom einer beträchtlichen Anzahl von Familien Unterhalt, schenkte be- 
stimmte Summen alljährlich den Hospitälern, liess einen Theil seiner glänzenden 
Einkünfte den Zöglingen der Akademie zuiiiessen, stiftete Preise, setzte Summen 
für gewisse archäologische Stiftungen aus, und dürftige Künstler erfreuten sich in 
seiner Person eines freigebigen Beschützers und Trösters.  
Ausser den bereits erwähnten Werken Canova's verdienen noch folgende seiner 
Hauptarbeiten angeführt zu werden: die siegende Venus, auf dem Ruhebette liegend 
und einen Apfel in der Hand haltend, in der Villa Borghese zu Rom (der Kopf soll 
Porträt der Prinzessin Pauline Borghese sein); eine Nachbildung der Mediceischen 
Venus (im Pal. Pitti zu Florenz); eine andere dem Bade entsteigende Venus, im 
Charakter und Haltung der mediceischen, im Adel der Formen und in der Lauterkeit 
der Arbeit eines der vorzüglichsten Meisterwerke der neueren Sculptur (in der Gal- 
lerie des Marquis von Landsdowne in London); eine dritte Venus des "Meisters be- 
findet sich in der Glyptothek zu München; eine vierte hat Canova in den Händen 
des Banquier Thomas Hope gelassen; eine Nymphe, auf dem Löwenfell ruhend und 
dem Leyerspiel eines Amorin zuhorchend, eine höchst anmuthige Figur von zarter 
Vollendung (für den verstorbenen König von England ausgeführt und nach dessen 
Hinscheiden vom Marquis von Landsdowne erstanden); die drei Grazien, eines der 
gerühmtesten YVerke des Meisters, von dem sich ein Exemplar in der Sculpturen- 
gallerie des Herzogs von Bedford in Woburn-Abbey, ein anderes in der Leuchten- 
berg'schen Gallerie befindet. Die Idee zu diesem Werk war dem Künstler von der 
Kaiserin Josephine angegeben worden, auch war das erstgenannte Exemplar für sie 
bestimmt. Die Arbeit war aber als sie starb (im Jahr 1814) noch nicht vollendet 
und so verkaufte sie der Künstler an den genannten englischen Herzog.  So grossen 
Reiz aber auch die glückliche Zusammenstellung, die zarte meisterhafte Vollendung 
der Arbeit in dieser Gruppe hervorbringt, S0 ist doch die Bildung der Köpfe etwas 
zu einformig und süsslich und das Knochengerüste der Glieder, um welche das weiche 
Fleisch gewoben ist, zu wenig angedeutet. Ferner: die geflügelte Bildsäule des 
Friedens (für den Kanzler Romanzoff in Petersburg ausgeführt), eine hübsche Ge- 
wandstatue; die Concordia, unter dem Bildniss der Kaiserin Marie Louise, eine 
sitzende Statue mit Scepter und Opfersßhale; Paris, lebensgrosse Statue (in der 
Glyptothek Zu München, eine der ausgezeichnetsten Arbeiten des Meisters; Theseus 
mit dem erlegten Minotaurus (im BeSitZ des Marquis von Londonderry zu London); 
die sitzende Statue Washingtons" im römischen Gewande und wie es scheint in dem 
Augenblicke dargestellt, in Welchem er seine letzte Botschaft an die Versammlung der 
Vereinigten Staaten aufzeichnet. Diese Statue im Jahr 1820 vollendet, wurde im 
Staatspalaste zu Raleigh, der Hauptstadt von Nord-Carolina aufgestellt, ging aber 
Während eines Brandes des Gebäudes zu Grunde. Dann: die Statue des Marchese Poleni 
' Abgebildet in den Denkmälern der Kunst. Atlas zu Kuglers Handb. der Kunstgesch. Taf. 103, FigJ.
        

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