Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1043295
Canova. 
261. 
Figur der Religion etwas Starres und Geschmackloses , der auf dem Löwen ruhende 
Genius mehr Reiz als tiefe Bedeutung hat, so vermehrte sich durch dieses YVerk der 
Ruhm des Künstlers doch ungemein. Seine nächsten Arbeiten waren: ein stehender 
geilügelter Amor, eine Wiederholung der Gruppe von Amor und Psyche; Venus und 
Adonis (gest. v. Bertini), eine reizende Gruppe (1795 für den ltlarchese Berio von 
Neapel ausgeführt, nach dem Tode desselben aber in den Besitz des Hrn. Favre in 
Genf übergegangen)"'; das Denkmal des venetianischen Admirals Angelo Emo (im 
Arsenal zu Venedig); ferner eine Statue der Psyche, halbbekleidet mit der Rechten 
einen Schmetterling an den Flügeln haltend und ihn mit ruhiger Miene betrachtend. 
Ausserdem bildete er um diese Zeit viele Basreliefs, insbesondere Scenen aus dem 
Leben des Sokrates, die aber nicht zu seinen gelungensten Arbeiten gehören. Nur 
eines derselben, die Stadt Padua, als weibliche Figur in sitzender Stellung, führte 
er in Marmor aus. In der bald darauf entstandenen büssenden Magdalena, in natür- 
licher Grösse (von dem Grafen Sommariva erkauft; ein anderes Exemplar in der 
Leuchtenberg'schen Gallerie), ist der erschlaifende Affekt der Reue trefflich ausge- 
drückt, das Verschmolzene, Weiche und Mürbe in Formen und Ausführung aber am 
weitesten getrieben. Einen höchst erfreulichen Eindruck erweckt dagegen wieder 
die ungemein liebliche Statue einer Hebe, eines der ansgezeichnetsten Werke des, 
Meisters (im Museum zu Berlin). In leichter reizender Bewegung schwebt die 
Jugendgöttin hernieder, mit aufgebobener Rechten aus einem Gefass Nektar in eine 
Schale giessend, die sie in der Linken hält. Die Gefasse, Hebe's Stirnbinde und der 
Saum ihres Gürtels sind vergoldet. Die Gestalt ist von schlanker und feiner Pro- 
portion, das Motiv des Herabschwebens und Einschenkens hat etwas ungemein Leich- 
tes und Elegantes, das Köpfchen und die nackten Theile sind sehr zierlich, die Be- 
handlung des Marmors ist höchst vollendet. In andern Theilen, namentlich in dem 
flatternden Gewand, den marmornen Wolken, auf denen sie einherschwebt, zeigt 
sich jedoch ein sehr stylwidriger Naturalismus. Ein anderes Exemplar, wo, statt 
der TVolken. Stützen angebracht und jene nur angedeutet sind, beündet sich im 
Besitz des Herzogs von Devonshire zu Chatsworth. Ein drittes Exemplar besitzt" 
der Marquis von Landsdown zu London. Die Erfolge, welche Canova mit diesen 
Arbeiten auf dem Gebiete des Zarten, Anmuthigen, Graziösen davontrug, veranlassten 
ihn , sich nunmehr auch im Tragischen zu versuchen und er schuf den rasenden Her- 
kules, wie er den Lichas in's Meer schleudert, eine kolossale Gruppe (im Besitz der 
Familie des Marquis Torlonia zu Rom), die zwar recht lebendig, aber keinen ange- 
nehmen Eindruck hervorzubringen im Stande ist. Weit gelungener ist seine Dar- 
stellung der beiden Faustkämpfer Damoxenes und Creugas (im vatikanischen Museum 
zu Rom). Eine abermalige Darstellung von Amor und Psyche, in welcher die beiden 
Liebenden zur reizendsten Gruppe verbunden sind, bereitete dem Meister neue 
Triumphe. In diesem Werk (im Louvre zu Paris) findet man hohe Vollendung der 
Arbeit und schöne Linien, mit liebenswürdiger Individualisirung, mit Naivität und 
Wärme des Gefühls gepaart. Hernach führte er die gelungene Statue eines Pala- 
medes in Marmor aus, die jedoch Später, im Jahr 1805, in der Werkstätte des Künst- 
lers umgestürzt und zertrümmert wurde. Die zerbrochenen Theile wurden jedoch 
auf den Wunsch des Grafen Sommariva, der die Statue bestellt, vom Meister Selbst 
auf eine überraschend gelungene Weise wieder zusammengesetzt. In den Jahren 
1796 und 1797 fertigte Canova das Modell zu dem Grabmale der verstorbenen Erz- 
herzogin Christine von Oesterreich, der Gemahlin des Herzogs Albert von Sachsen- 
Teschen, welches 1805 vom Künstler selbst in der Augustinerkirche zu Wien auf- 
gestellt Würde. Das Denkmal besteht in einer Grabpyramide mit einem Zug alle- 
gorischer Figuren und trug dem Künstler die Summe von 20,000 Dukaten ein. Im 
folgenden Jahre arbeitete Canova das Modell -zu einer Statue des Königs von Neapel 
im römischen Kostüm, eine seiner schönsten Arbeiten, welche aber erst lange Zeit 
nachher in Marmor ausgeführt wurde. 
Während der Revolution 1798 und 1799 begleitete Ganova den Senator Prinzen 
 ' Abgebildet in den Denkmälern der Kunst. Atlas zu Kuglers Handb. der Kunstgesch. Taf. 103, Fig.3.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.