Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1043169
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Callon 
Callot. 
Preis, nebst einem Reisestipendium nach Italien erlangte. In Rom gelang es ihm 
durch mehrere treifliche Bildhauerarbeiten, namentlich eine aus dem Meer auf- 
steigende Venus und einen Sokrates seinen Ruhm dauernd zu befestigen. Nach der 
Rückkehr in sein Vaterland zum Direktor der Zeichen-, Bildhauer, und Bauakadeniie 
und aller öffentlichen Arbeiten ernannt, verfertigte er eine grosse Menge Statuen, 
Büsten, Basreliefs u. s. w, Welche ein tüchtiges Studium der Antiken, Reinheit der 
Formen, eine geschickte Behandlung des Nackten beurkunden und von denen beson- 
ders die Statuen des Johann van Eyck, des Grafen Egmont, des Talma genannt zu 
Werden Verdienen. 
 Literatur. Imm e rz e el, De Levens en Werken der Holl. en Vlanm. Kunstschilders u. s.w. Amsterdam 1842. 
Gallon, siehe Kallon. 
Callot, Jacques, ein sehr geistreicher Zeichner, Kupferstecher, Aetzer und Maler, 
geb. zu Nancy 1594, gest. daselbst 1635, war von Natur aus mit einem ungewöhn- 
lichen Talent für die Kunst begabt, fühlte auch schon von früher Jugend einen so 
"starken Drang in sich, sich ihr widmen zu dürfen, dass er seinen Eltern, Welche einem 
alten adeligen Geschlecht angehörten und ihren Sohn für eine höhere Laufbahn, als 
die des Künstlers, bestimmt hatten, in seinem 12. Jahre enttloh, um nach Rom zu 
pilgern und dort die grcssen Kunstwerke zu studiren, deren Ruhm mächtig nach 
Frankreich gedrungen war. Entblösst von allen Mitteln zur Reise und des YVeges 
unkundig„schloss er sich einer Zigeuner- und Seiltänzerbande an, mit der er Wiesen 
und Wälder durehstrich und bis nach Florenz gelangte, wo ein toskanischer Ofiizier, 
dem er seine Abkunft entdeckte, sich des hülflosen Fremden annahm, und ihn zu dem 
Maler Remigio Canta-Gallina in die Lehre that, bei welchem, da er zugleich ein 
treiflicher Kupferstecher und besonders geschickter Federzeichner war, der Grund 
zu seiner ganzen Kunstrichtung gelegt wurde. Das Ziel von Callofs Sehnsucht war 
aber Rom und sein Lehrer widersetzte sich nicht nur diesem Verlangen nicht, sondern 
unterstützte ihn noch mit Geld. Kaum war er aber daselbst angelangt, als er auch 
schon von Kaufleuten aus Naney erkannt und von diesen mit Gewalt zu seinen Eltern 
zurückgeführt wurde. Der Kunsttrieb war aber so unwiderstehlich in ihm, dass er dem 
Elternhause im 15. Jahre zum zweitenmale entlief und abermals den Weg nach Italien 
einschlug. Diessrnal kam er zwar nur bis Turin, wo ein älterer Bruder seiner an- 
sichtig wurde und ihn dem Vater wieder nach Hause brachte, allein dieser, besiegt 
durch die beharrliche TVillenskraft und das ausgesprochene Talent des Sohnes für 
die Kunst, legte seiner künstlerischen Ausbildung von nun an kein HindßrniSS mehr 
in den Weg. Er schickte ihn unter Aufsicht eines Freundes, der vom Herzog von 
Lothringen "mit Aufträgen an den Papst gesandt wurde, nach Rom, WO e? ein Schüler 
von Giulio Parigi wurde, später aber, da er mehr Geschmack am Radiren und 
Stechen als am Malen fand, unter Philipp Thomassin seine Studien eifrigst fort- 
setzte , bis ihn dieser aus Eifersucht über die Gunst, in die er sich bei seiner 
Schönen Frau Z1! Setzen gewusst, aus dem Hause entfernte. Er ging hierauf nach 
FIOTQIIZ, WOSEIbSt er vom Grossherzog in Dienste genommen wurde, Viel mit Canta- 
Gallinü- Verkehrte, einige Studien mit dem Grabstichel nach den grossen Meistern 
Andr. del Sarto, Perino del Vaga u. s. w. machte und eine grosse Menge klei- 
nerer, frei und geistreich ausgeführter Radirungen fertigte. Nach dem Tode des Gross- 
herzogs gewann er einen neuen Beschützer an dem Prinzen Karl, der ihn nach Nancy 
zurückführte und ihm beim Herzog Heinrich von Lothringen und Bar eine sehr vor- 
theilhafte Anstellung auswirkte. Nach seiner Rückkehr vermählte er sich 1625 mit 
Katharina Kuttinger, aus dem edlen Stamme der Marsal, und entfaltete nun in seiner 
Vaterstadt eine ausserordentliche Thätigkeit. Er stach ein Martyrologium mit 392 
Heiligenbildern und eine Menge anderer Blätter, die alle den Reichthum seiner Ge- 
danken und die Fruchtbarkeit seines Geistes bewundern lassen und ihm einen weit 
verbreiteten Ruhm verschafften. Clara Eugenia von Oestreich, die Infantin von  
Spanien und Statthalterin der Niederlande , berief ihn nach Brüssel, um die Belage- 
rung der Festung Breda durch den Marquis von Spinola zu zeichnen und zu stechen 
und 1628 erhielt er von Ludwig XIII. den Auftrag, die Belagerungen von Rochelle
        

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