Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1043082
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Caliari , Paolo. 
Bacchanal u. s.w. Er malte halbe Figuren, Bacchanale, kleine Historien, auch einige 
Kirchenbilder, und zwar mit äusserst leichter Produktionsgabe. Im Kirchenstaate, 
zumal in Ferrara, sieht man viele seiner Gemälde.  Zu den besten seiner, in einer 
eigenthümlichen ltIanier mit lauter parallelen Strichen ohne Kreuzlagen radirten, hie 
und da J. C. F. bezeichneten Blätter gehören: David, das Haupt des Goliath be- 
trachtend; Simson und Delila, ein sehr schönes Blatt; die Enthauptung des Johannes; 
der heil. Rochus. 
Caliari, P3010, genannt Paolo Veronese, einer der ausgezeichnetsten Maler der 
venetianischen Schule der zweiten Hälfte d_es 16. Jahrhunderts, geb. 1528, nach 
Andern 1530 oder 1532 zu Verona, gest. 1588, "war der Sohn eines Bildhauers 
Gabrielle Caliari, der den begabten Sohn anfänglich für die Sculptur bestimmte 
und ihn in den Anfangsgründen seiner Kunst selbst unterrichtete, später aber, als 
er dessen unwiderstehliche Neigung zur Malerei bemerkte, zu Antonio Badile, 
seinem Onkel, in die Lehre that. Hier studirte er die Arbeiten dieses Meisters, be- 
sonders aber die Kupfer-Stiche Albrecht Dürer's und die Zeichnungen des Parme- 
gianino mehrere Jahre lang, und machte dann so rasche Fortschritte, dass ihm 
schon in früher Jugend die Ausführung mehrerer Altarbilder und anderer Gemälde 
für Verona und dessen Umgegend anvertraut werden konnten. Trotzdem scheint seine 
Vaterstadt seltsamer Weise das bedeutende Talent des jungen Künstlers anfänglich 
kaum beachtet zu haben. Um so besser scheint dasselbe aber von dem Kardinal 
Ercole Gonzaga gewürdigt worden zu sein, der Paolo mit mehreren anderen seiner 
Mitbürger: Dominico Riccio, Battista dal Moro und Paolo Farinato nach 
Mantua einladen liess, um dort verschiedene Gemälde für den Dom auszuführen, in 
welchen er die Arbeiten der genannten, mit ihm daselbst thätigen Maler alle über- 
traf. Nach seiner Zurückkunft nach Verona malte er im Auftrag einige Copien nach 
Raphael, begab sich aber darauf nach Vicenzzt und von da nach Venedig, woselbst 
er sich niederliess. Seine ersten hier im Jahr 1555 in der Sakristei und Kirche S. 
Sebastiano ausgeführten Bilder erhoben ihn auf einmal zu dem Rang eines Künstlers 
unter den ersten seiner Zeit, und sein Ruf war fest begründet, als, in Folge eines 
durch die Prokuratoren von S. Marco ausgeschriebenen Concourses für die Malereien 
der Decke der Bibliothek daselbst, seine Nebenbuhler ihm selbst die für den Sieger 
bestimmte goldene Kette zuerkannton. Nach diesem denkwürdigen WVettkztmpfe reiste 
er, um seine Verwandten Wieder zu sehen, nach Verona, wo er im Refectorium von 
S. Nazzaro, dem Kloster der schwarzen Brüder, das Gastmahl des Simon malte. Nach 
Venedig zurückgekehrt, arbeitete er um 1560 in der Kirche S. Sebastiano  die eine 
wahre Gallerie der Paoldschen Werke genannt werden kann, so viele und so schöne 
Arbeiten von ihm trifft man daselbst  und im Palazzo Ducale. Hierauf nahm ihn 
der zum Gesandten der Republik beim heil. Vater ernannte Proeurator Grimano mit 
sich nach Rom, wo das Studium der Werke Raphaels, Michelang-elds und des 
klassischen Alt-erthums den glücklichsten Einüuss auf seine Kunstweise ausübtezi, indem 
sie von da an grösseren Schwung annahm, ohne darum an Grazie und Adel zu ver- 
lieren. Bei seiner Rückkuirft nach Venedig wurde er so sehr mit Aufträgen über- 
häuft, dass er trotz seines ungemeinen Fleisses und der ßllsllelllnvndeu Leichtigkeit 
seines Schaffens nicht im Stande war, alle öffentlichen und Privatarbeiten, die ihm 
übertragen wurden, auszuführen. Ganze Kirchen wurden von ihm gemalt, der Pa- 
lazzo Ducale verwahrt eine sehr grosse Anzahl riesenhaftei" Arbeiten von ihm; die 
Landhäuser der Umgegend von Vicenza, Treviso und Verona. sind voll von seinen 
Fresken, überdiess sind noch eine Menge Bilder, ZIIIII Theil in den grüssten Dimen- 
sionen, von ihm vorhanden, die man zerstreut in allen Gallerien Europas findet. Den 
grössten Ruf aber verschatften ihm die von ihm gemalten gfossen Gastmähler, zu 
denen er den Anlass aus Momenten der heil. Geschichte nahm, um deren Besitz sich 
Fürsten und Grosse stritten. 
Paolo Veronese hatte einen Bruder: Benedetto, geb. 1538, gest. 1598, der ihm 
bei seinen Werken half -und mit seinen Neffen die nach des ErsterenTod unfertig- 
hint-erlassen Bilder vollendete.  Von Paolois Söhnen ist: Carlo oder Carletto, geb.
        

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