Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1042964
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Burgkmair , Hans. 
fertigt sehr gelungene Kupferstiche, wie u. A. seine 6 Blätter: Katzen, Bären und Z3. 
spielende Kinder, nach Gottfried Mind (1823) beweisen. JE; 
Burgkmair, Hans, der Sohn des Thoman Burgkmair, geb. 1472 zu Augsburg, 
gest. 1559 daselbst, nächst H. Holb ein, dem älteren, der wichtigste Meister der 
altaugsburgischcn Schule, der vom Ende des 15. Jahrhunderts bis um die Mitte des 
16. durch seine erstaunliche Fruchtbarkeit in Bildern und Zeichnungen für Holz- 
schnitte unter allen Malern seiner Vaterstadt die grösste Thätigkeit entfaltete, die 
bedeutendste Rolle spielte. Er erlernte die Kunst bei seinem Vater und stand später 
mit Dürer in vertrauter Freundschaft, bildete sich jedoch ganz selbstständig aus, ob- 
schon sich nicht verkennen lässt, dass letzterer auf die Behandlungsweise seiner 
späteren Gemälde, insbesondere aber seiner Zeichnungen für die Formschneider nicht 
ohne Einfluss geblieben, was wohl die Folge des längeren Aufenthalts Burgkmaifs 
in Nürnberg und mehrerer gemeinschaftlich mit Dürer ausgeführten Arbeiten für den 
Kaiser gewesen sein mag. Seine Bilder haben einen höchst eigenthiimlichen Charak- 
ter von Würde und Grossheit, wenn gleich in seinen Gestalten der Ausdruck des 
Heiligen, ja der tiefere Ernst nicht immer vorherrscht; sie überraschen oftmals durch 
die Schönheit und das Ergreifende der Motive, die Anmuth in den Bewegungen und 
einen gewissen Adel in den Gesichtsbildungen. Ausgerüstet mit einem grossen Talent, 
einer festen Hand und bewundernswürdiger Geschicklichkeit im Vollenden, schaffte 
er sich einen Styl, der mehr auf derbe Charakteristik als Schönheit ausging. Für 
diesen Mangel des Idealen entschädigt er aber durch die Gabe einer wunderbar 
frischen Auffassung des Lebens. Später erlag auch er mehr dem italienischen Ein- 
fluss, Wodurch er in eine gewisse Manier verfiel und öfters, statt in geistiger Tiefe, 
sich in Ileberschwänglichkeit gefiel. Seine Figuren haben schlanke Verhältnisse, 
die Glieder sind etwas mager, die Hände spitzig, aber gut bewegt, die Gewänder 
massig gehalten und gut modellirt. Mit den Vorzügen dieser Auffassungs- und Dar- 
stellungsweise verbindet er eine äusserst harmonische Färbung und Abstufung, bis- 
weilen auch das liebevolle Eingehen auf das Einzelne, ein treifliches Ilclldunkel und 
eine sehr ausgebildete Modellirung. Auf den meisten seiner Bilder ist die Composition 
schrati-irt auf die Tafel gezeichnet  was sich noch öfters durch die dünn aufge- 
tragenen Farben erkennen lässt  eine Bchandlungsweise, die auch H. Holbein, 
der ältere, und Dürer befolgten. 
Von seinen Werken haben sich noch viele in seiner Vaterstadt erhalten. Drei 
Bilder mit den Hauptkirchen Ronfs, die er für den Kreuzgan g des Katharinenklosters 
in Augsburg malte , befinden sich jetzt in der dortigen Gallerie. Auf dem ersten mit 
St. Johann im Lateran ist die Geschichte Johannes des Evangelisten dargestellt; das 
zweite mit der S. Peterskirche zeigt den Apostel Petrus in päpstlicher Priesterklci- 
dung, rechts von ihm Maria mit dem Kindc , umgeben von den vierzehn Nothhelfern, 
in der obern Abtheilung Cfhristus auf dem Oelberg; das dritte mit der Basilica Santa 
Croce in Gerusalennue enthält in der obern Abtheilung: eine Kreuzigung Christi mit 
vielen Figuren, in der untern: die Legende der h. Ursula mit der Inschrift: Hans 
Burgkmibif- M- (MaleT) vo Augspurg. Anno 1504. Noch ein anderes interessantes 
Bild des Meisters, bezeichnet: J. Burgklnair pingebat 1501, ein sogenanntes Bild des 
Rosenkraxizes oder der Königin der Heiligen , sieht man in derselben Gallerie, Eine 
ebenfalls für das Katharincnkloster ausgeführte Kreuzigung von kleinerem Format 
mit Flügeln (mit der Ja-hrszahl 1519) zeigt dagegen Burgkmair bereits unter italieni- 
schem Einfluss. Seine ebendaselbst befindliche Niederlage der Römer bei Cannä, im 
Ritterkostüm des 16. Jahrhunderts, aber ist, obgleich es auch hier nicht an einzelnen 
geistreichcn Motiven fehlt, .ein unerquickliches Bild. Auch ein Epitaphium in der 
S. Annenkirche seiner Vaterstadt mit der Befreiung der Seelen aus der Vorhölle durch 
Christus, ist für die spätere Kunstweise des Meisters (wahrscheinlich vom Jahr 1533) 
charakteristisch, und gleich den zwei kolossalen Flügelthüren der Orgel in der 
S. Annenkirche zu Augsburg (vom Jahr 1512), die Himmelfahrt Christi und der Maria 
darstellend, übertrieben und manierirt. Die beiden kleineren Flügelbilder an dal'- 
sclben Orgel sind von einem Schüler des Thoman Burgkmair, Namens Lucas
        

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