Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1042914
Buonarotti , 
Michelangelo. 
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die man wieder vielleicht bei keinem andern Künstler findet. Auch im Colorit, ob- 
gleich er bei seinem vorherrschend plastischen Sinne die Malerei gewissermassen auf das 
Princip der Sculptur beschränkte, erscheint er nichts weniger als unbedeutend. Seine 
Fleischfarbe ist wahr und ungemein kräftig, einfach, ohne eintönig zu werden, und 
in den Farben seiner Gewänder herrscht ein schöner Sinn und eine sehr harmonische 
Zusammenstellung. Namentlich a.ber ist er in der Rundung und Modellirung der 
Gegenstände unübertreiflich. Sie sind in den Massen von Licht und Schatten nicht 
minder grossartig, als in den Formen und daher auch für den Sinn durch mächtige 
Wirkung ergreifend. 
Aber nicht nur als Künstler, auch als Mann war Michelangelo eine bedeutende 
Grösse. In einer durch vielseitige Thatkraft hervorragenden Zeit geboren, sah er 
Italiens letzte glückliche Tage; wetteifernd mit den grossen Geistern, welche das 
zu Ende eilende fünfzehnte Jahrhundert entweder schon gereift oder erst heran- 
blühend hinterliess  in seiner Jugend Nebenbuhler des älteren Leonardo da 
Vinci, in späteren Jahren des begünstigten Raphael  überlebte er die meisten 
derselben. Eine ganze Reihe von Päpsten, die alle seiner bedurften und ihn be- 
schäftigten, gingen an ihm vorüber und er stand jedem von ihnen mit all der Selbst- 
standigkeit eines innerlich abgeschlossenen Charakters und mit dem edlen Stolze 
des wahren Künstlers gegenüber. Seinem Vaterlande treu und mit inniger Liebe 
anhängend, suchte er es mit eigener Aufopferung zu retten in seiner grössten Gefahr 
und verbannte sich freiwillig auf immer, als es seine Freiheit unwiderbringlich ver- 
loren hatte. Keine auch noch so dringende und ehrende Einladung von Cosimol. 
vermochten ihn, trotz aller Dankbarkeit, die er dem Hause Medici schuldete, zur 
Rückkehr in das unterdrückte Florenz zu bewegen. Er wollte sich den Schmerz er- 
sparen, Zeuge der ldort vorgegangenen Umwandlungen zu sein  erst als Leiche 
kehrte er in seine Vaterstadt zurück. In seinem Charakter vereinigte sich mit einer 
herben und strengen Grösse eine gewisse WVeichheit der Empündung auf das Wunder- 
barste. Jene zeigte sich in der Kunst als Gewaltigkeit in der Conception, als Kühn- 
heit und überraschende Sicherheit in der Ausführung; diese spricht auf's Ueber- 
zeu endste aus seinen herrlichen, nicht selten Dantzäschen Geist athmenden Gedichten, 
die gman mit richtigem Gefühl, als das Weibliche in seinem Charakter bezeichnet 
hat. Kummer und Schmerz verfolgten ihn während seines langen Lebens bis in sein 
hohes Alter hinein. Das Monument des Papstes Julius II. war das Kreuz und Leiden 
seiner Mannesjahre gewesen, der Dom von S. Peter wurde die Sorge und Plage seines 
Greisenalters. Rührend war seine Liebe zu einer der reinsten und edelsten Frauen 
ihrer Zeit, zu Vittoria Colonna, der Wittwe des Marchese von Pescara. Diese edle 
Leidenschaft bekundete sich bei Michelangelo, der bereits 62 Jahre zählte, als er die 
Marchese kennen lernte, in zahlreichen Dichtungen, die er ihr widmete und die 
jene vollständige WViedergeburt schildern, welche die Liebe immer im Menschen 
bekvirkt, von Vittoria's Seite durch die vielen Besuche, welche sie dem einsamen 
FTßüllde in seiner Abgeschlossenheit abstattete. Welcher Art dieses schöne Ver- 
hälüliSS gewesen sein mag, geht wohl am besten aus der Bitte der Marchese in einem 
der Zahlreichen Briefe an ihren Freund hervor: er möchte doch nicht so häufig 
Sonnette an sie richten, indem es sie sonst hindern würde, ihre Morgenandacht zu 
Wrrltfhtell. und aus der Aeusserung Michelangelds gegen einen seiner Schiller nach 
dem 11m fast der Verzweiflung nahe bringenden Tode der Freundin: es thäte ihm 
11561155 S0 185d, als dass er Vittoria, als er sie auf dem Sterbebette gesehen, nur die 
Hand Lfnd nlfiht auch die Stirne oder das Antlitz geküsst habe. 
 E1119 eigentliche Schule hat Michelangelo nicht gebildet. Unter denjenigen 
Künstlernawelche sich ihm theils anschlossen, denen er Lehre und Winke gab, oder 
5219115 ullmlttelbar seine Entwürfe ausführten, nennt man als Maler: Marcello 
xcnusfl,  Sebastiano del Piombo, Giorgio Vasari, Antonio Mini, 
läscanm c.ondlvl_ da Ripa Transone und Giacomo del Duca; als Bildhauer: 
Gnom Aug Pogglbonzß, genannt Montorsoli und Raphael da Montelupo. 
Allsser den bereits angeführten Sculpturen existiren nur wenige, die als mit
        

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