Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1042896
Buonarotti , 
Michelangelo. 
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dritten Tage nach seinem Tode war die Todtenfeier in der Kirche der heil. Apostel, 
wo ihm der Papst ein Denk- und Grabmal erbauen lassen wollte. Ganz Rom war 
zusammengeströmt und bezeugte seinen Kummer über den unersetzlichen Verlust. 
Nach vierzehn Tagen aber brachte Michelangelds Neffe, Leonardo Buonarotti die 
Leiche seines Oheims heimlich nach Florenz, wo sie, nach einer ihm von der Akademie 
der Künstler zu Florenz in S. Lorenzo daselbst veranstalteten, ebenso sinnreichen, 
als prachtvollen Todtenfeier, in seiner Familiengruft in S. Croce neben den Gebeinen 
seines Vaters beigesetzt wurde. Spät-er liess ihm sein Nelfe ebendaselbst ein gross- 
artiges Denkmal mit der Büste des Meisters von Battista Lorenzi und den drei 
Statuen: der Malerei, von demselben, der Scnlptur, von Valerio Cioli und der 
Architektur, von Giovanni dell' Opera, errichten.  
Michelangelds Porträt wurde sowohl von Bugiardini, als von Jacopo del 
Conte in Farben ausgeführt. Ein erhabenes Bronzerelief von ihm arbeitete Daniele 
Ricciarelli und der Cavaliere Lione fertigte eine Medaille, die in vielen Copien 
weit verbreitet wurde. 
Michelangelo Buonarotti, der zugleich Architekt, Bildhauer und Maler und 
in allen diesen drei Künsten ein hochbedeutender Meister war, der, gleich Leo- 
nardo da Vinoi, den Beginn der Blüthe der neuern Kunst einleitete, jedoch 
noch ihren Verfall mit erleben musste, bildet eine in ihrer Art ganz einzige 
hervorragende Erscheinung in der Kunstgeschichte. Seine YVerke bezeichnen die 
lichtesten Höhepunkte der Kunst. Gleich den Antiken haben sie ihr inneres Ge- 
nügen und ihre Befriedigung, aber zugleich wieder ein so eigenthümliches, hoch- 
gewaltiges Gepräge, wie wir es bei keinem andern Meister vor und nach ihm be- 
merken. Er entfernt sich in ihnen von allem Typischüberlieferten, und schafft sich 
eine eigene Welt aus Gestalten von übermenschlichcr Grösse und llrlacht. Das Er- 
habene ist daher durchaus vorherrschend der Charakter seiner Kunst. Dagegen 
blieben ihm ganze grosse, der höchsten künstlerischen Verklärung fähige Sphären 
des Daseins, die Schilderung der schönsten Regungen der menschlichen Seele, die 
reiche Welt des Gemüths, verschlossen. Auch die Schönheit des menschlichen Körpers 
und Angesichts kommt bei ihm nur im Gewande der Gewaltigkeit und Mächtigkeit 
zum Vorschein; es liegt ihm mehr daran, seine Gestalten der höchsten Lebens- 
äusserungen fähig als reizend darzustellen, obgleich auch ihnen nicht selten eine 
hohe ernste Anmuth innewohnt. Grandios aber und seinem Streben nach Bildung 
des Ausserordentlichen, Erhabenen und Wunderbare-n gemäss, erscheint er in der 
Darstellung der Form, im Styl. Und zu solch eminenter Höhe, zu einer Meisterschaft, 
die ihm vielleicht in einem noch höheren Grade als Itaphael, obgleich minder viel- 
seitig, eigen war, gelangte er, ohne dass man weder Beziehungen zu seinen künst- 
lerischen Vorgängern und Zeitgenossen oder Lehrer entdecken kann, noch Vorstufen 
bemerkt. 
 Indessen hat er nicht in sämmtlichen drei Künsten , die er geübt, dieselbehohe 
Vollendung erreicht. In der Baukunst erscheint er unstreitig am schwächsten, die 
Scullfillr betrachtete er selbst als seinen eigenthümlichen Beruf, die reichsten und 
herrlichsten Erzeugnisse seines Geistes über legte er in seinen Malereien nieder. 
 Michelangelo hat sich nicht zur Architektur gedrängt, auch begann seine bau- 
llßhe Wlfkßamkeit verhältnissmässig Spät; Seine gewaltige Formenbehandlung in der 
SCulPtur und Malerei brachte die Bauherren von selbst darauf, sich von ihm Entwürfe 
für Gebäude machen zu lassen, Auch in der Baukunst war er, obgleich er bedeutende 
Vorgängel: hatte, sein eigener Lehrer und Schüler. Seine gewaltige Schöpfungs- 
kraft, Festigkeit des Willens, Leichtigkeit im Ausführen, vertraten bereits bei seinen 
erste" Arbelten die Stelle der Erfahrung. Schon in den früheren Jahren seines 
Aufäntllaßliß iIl Rom beurtheilte er richtig die Fehler Bramante7s und in der Be- 
festlgungskunst zeigte er sich, als es Noth that, sehr geübt, ohne dass man wusste, 
WOfr die Uebunfä ellßngt hatte. Aber es scheint, als ob er nur mit Ungeduld und 
Sffallben Öle Gesetze und Regeln ertragen hätte, welche bei der Architektur genauer 
a S de" andern Künsten bestimmt sind. Im Gegensatze gegen die früheren Meister
        

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