Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1042880
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Michelzmgeib. 
Buonarott-i , 
Die Peterskirche ist indessen nicht das einzige architektonische Werk Michel- 
angelds in Rom, nach seinen Plänen wurden im Gegentheil so viele Gebäude errichtet, 
dass auch im Fache der Architektur sein Geschmack lange Zeit massgebend blieb. 
Die capitolinischen Bauten erhielten unter schwankender Benutzung seiner Entwürfe 
ihre jetzige Gestalt und unter seiner Leitung wurde die Reiterstat-ue des Marc Aurel 
in der Mitte des Platzes des Campidogdio aufg-estellt. Wahrscheinlich ist von ihm 
auch der Entwurf zum Senatorenpalast, gewiss ist es der zu dessen herrlicher Doppel- 
treppe. Von ihm sind ferner am Palast Farnese zu Rom das bewundernswürdige 
grosse Hauptgesims und die beiden untern Stockwerke des Hofs, auch stellt-e er für 
den zweiten Hof desselben Palastes die um jene Zeit in den Bädern des Caracalla 
gefundene antike Gruppe des sogenannten farncsischen Stiers (gegenwärtig in den 
Studj zu Neapel) Wieder her. Die sehr schöne Treppe im Belvedere wurde ebenfalls 
nach seiner Zeichnung ausgeführt.  
Unterdessen war Papst Paul III. im Jahr 1549 gestorben und sein Nachfolger, 
Julius IIL, hatte Michelangelo sogleich das Motu proprio, bezüglich der Peterskirche, 
bestätigt. Als aber auch dieser 1555 mit Tod abging, suchten Michelangelds TVider- 
sacher ihn bei dem neuen Papste Marcellus wegen jenes Bau's zu verdächtigen. Diess 
erfuhr Herzog Cosimo zu Florenz durch Vasari, der an seinem Hofe arbeitete. Er 
erneute daher seine schon zu Lebenszeiten Paul des III. an den Meister ergangene 
dringende Einladung; nach Florenz zurückzukehren, seine letzten Tage hier zuzu- 
bringen und ihm bei seinen Bauten und anderen künstlerischen Unternehmungen sei- 
nen Rath zu ertheilen. ])a indessen Marcellus schon im selben Jahre wieder ge- 
storben und Paul IV., dessen Nachfolger, Michelangelo gleich bei seinem Regierungs- 
antritt um seine fernere Oberleitung des Bau's der S. Peterskirche ersucht hatte, so 
schlug der Künstler das äusserst verbindliche Anerbieten höflich dankend aus. Um 
dieselbe Zeit war er mit den Festungswerken von Rom beschäftigt und führte daneben 
die Aufsicht über die Sculpturen für das grosse Thor des Kastells S. Angele. Eine 
Pieta, die er ebenfalls in seinen alten Tagen noch in Marmor auszuführen unter- 
nommen, die er aber, weil sie nicht nach seinem Wunsche ausgefallen, wieder zu- 
sammenschlug, schenkte er seinem Diener, der sie an Fr. Bandini verkaufte, welch 
letzterer sie durch Tiberio Calcagni wiederherstellen lassen wollte. (Die Restau- 
ration unterblieb jedoch, da Michelangelo, Calcagni und Bandini darüber starben. 
Ihr ferneres Schicksal ist nicht bekannt.) Nun fertigte er 1557 auf das Drängen. 
seiner Freunde ein kleines Thonniodell zur Kuppel der Peterskirche, nach welchem 
Meister Giovanni Francese ein grösseres aus Holz mit derjenigen Genauigkeit, 
dass man darnach im Grossen arbeiten konnte, ausfiihrte. Dasselbe fand bewundernde 
Anerkennung und Pius IV., der 1560 den päpstlichen Stuhl bestieg, bestätigte 
Michelangelo nicht nur abermals das Motu proprio, sondern setzte ihn auch in den 
Stand , rüstig am Bau der Peterskirche weiter arbeiten zu können, beschäftigte ihn 
überdiess vielfach noch anderweitig. Auf seinen Wlunsch machte er die Zeichnungen 
zu dem Grabmale seines Bruders, des Marchese Marignano, welches von Lione Lioni 
ausgeführt wurde, zu der im Jahr 1561 begonnenen Porta Pia und zu andern Thoren 
Roms; ferner zu der in die Diocletiansthermen erbauten Kirche S. Maria degli Angeli, 
deren Klosterhof, aus dorischen Säulen und Bögen bestehend, einen einfach ernsten 
Eindruck gewährt," und zu einem Sakramentshäuschen in Bronze für dieselbe Kirche, 
das grösstentheils von Jacopo Sieiliano gegossen wurde. Für die Florentiner- 
Gemeinde entwarf er die Pläne zur Kirche S. (äiovanni de' Fiorentini zu Rom, nach 
denen Tiberio Calcagni ein Modell in Thon ausführte. Dem letzteren Künstler 
übergab er auch die grandios behandelte Büste eines Brutus (gegenwärtig in den 
Uii-izien zu Florenz) zur Vollendung und verschaffte ihm die Ausführung einer Kapelle 
in S. Maria Maggiore, nach seinen Entwürfen. Diess waren indessen seine letzten 
Arbeiten. Er beschäftigte sich zwar immer noch mit der Leitung des Bau's der 
S. Peterskirche, aber er fühlte sein Ende nahen, machte desshalb sein Testament, 
das aus drei Punkten bestand: er übergebe Gott sein-e Seele, der Erde den Leib, 
seine Besitzthümer den nächsten Anverwandten, und starb am 18. Febr. 1563. Am
        

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