Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1042819
Buonarotti , Michelangelo. 
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der Welt und des Menschen, den Sündenfall mit seinen Folgen, die wunderbare Er- 
rettung des auserwählten Volkes, die Annäherung der Zeit der Erlösung, versinnlicht 
durch die Vorfahren der h. Jungfrau, und die Propheten und Sybillen, welche seine 
zukünftige Erscheinung verkündeten, dar. Die Decke wird durch ein Spiegelge- 
wölbe gebildet. Der mittlere llache Theil derselben enthält in vier grösseren und 
fünf kleineren Bildern die bedeutendsten Geschichten der Genesis, nämlich in den 
vier Hauptbildern: die Schöpfung der Sonne und des Mondes; die Erschaffung Adams, 
ein Bild von wunderbar tiefsinniger Composition und voll der edelsten Hoheit und 
IMajestät in der Ausführung; den Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradiese, 
namentlich durch die Verbindung zweier durch die Zeit getrennten Momente, Schuld 
und Strafe, höchst poetisch, die Eva im Sündenfall von unendlicher Schönheit; end- 
lich die ügurenreiche Darstellung der Sündfluth, vielleicht die gelungenste Compo- 
sition des Michelangelo im dramatischen Ausdruck. Diese auf die Schöpfung und die 
Geschichte des ersten Menschengeschlechts bezüglichen Bilder sind die grossartigsten 
Darstellungen dieses Gegenstandes, die man kennt. In ihnen ist es dem Künstler 
gelungen, das Uebersinnliche in einen völlig klaren und sprechend sinnlichen Moment 
zu übertragen; in ihnen tritt das Wesen des schaiienden NVcltgeistes lebendig vor 
die Seele. Gott Vater rauscht darin, von einer Heerschaar göttlicher Einzelkräfte 
seines schöpferischen Worts in der Gestalt von Genien, welche ihn halb, tragen, 
halb von ihm getragen werden und von seinen flatternden Gewanden bedeckt sind, 
in gewaltigem Fluge dahin. Michelangelo hat in diesen Bildern für die Ehrfurcht 
gebäeteädetltllltajgstäiddes Iäwigen deinen gaälädeägeriin Tglpqus gieschaffbgtunil) ebleäiso 
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neren Bilder, die ebenfalls ihre besonderen und grossartigen Schönheiten haben, 
stellen dar: die Scheidung des Lichts von der Finsterniss; die Scheidung von Land 
und Wasser; die Erschaffung der Eva; das Dankopfer des Noah und Noahs Trunken- 
heit.  In den Gewölbekappen der vier Ecken sieht man Darstellungen, welche sich 
auf die Rettung des Volkes Israel beziehen. _Es sind: das Gastmahl der Königin 
Esther mit der Bestrafungjdes Haman, ein Bild, auf welchem die Figur des an's 
Krfeiäz giächlggfnen Haman seit alterkZlei-it als eng] vtorzüghphes ltäeistärweäxlra indBezdug 
an ie ars e ung sciwieriger er u zungen e-rac ite wur e; as  un er er 
ehernen Schlange; David's Sieg über Goliath und Judith nach der Ermordung des 
Holofernes.  In den Stichkappen und den darunter beündlichen Bö en über den 
Fenstern sind die Vorfahren der heil. Jungfrau, deren Reihenfolge aff den Erlöser 
hinüber leitet, dargestellt. Da von denSelbe-n aber in der heil. Schrift zumeist nichts 
erwähnt wird , sie also hier nur in Beziehung auf ihren göttlichen Abkömmling exi- 
stiren, so konnten sie auch nicht, mit Hindeutung auf einzelne Persönlichkeiten, auf 
besondere Handlungen und Verhältnisse dargestellt werden. ltlichelaneelo fasstc Sie 
daher in den schönsten Familiengruppen zusammen, in denen sich eibn ruhiges ge- 
sammeltes Harren in die Zukunft ausspricht. Er wusste aber diese Zustände zu den 
mannigfaltigsten Motiven, oft sogar höchsten Ranges zu benützgn, und-Solcher G9- 
Stalt eine Reihenfolge verschiedener Scenen des Familienlebens in eigenthümlicher 
Abgeschlossenheit und grossartig schöner Auffassung darzustellen. Sie gehören eben- 
fallf lllüMichelangelos edelsten Compositionen und enthalten einzelne Beispiele einer 
Inmgkelt und Zartheit, die man sonst selten in seinen Werken findet.  Endlich 
gewahrt man in den Dreieckfeldel-n des gewölbten Randes die Gestalten der Propheten 
11ml Slbynell, als die Verkündiger dCS ETIÖSHS, jene für die Juden, diese für die 
HeldeIL Auch Sie, der Dimension nach die grössten Figuren der Decke, gehören zu 
d?" WuPdeTbßTSten Gestalten, welche die neuere Kunst hervorgebracht hat. Sie sind 
saümlthßh Sitzend dargestellt, von Genien begleitet, meist mit Büchern oder Schrift- 
äzrlt: bzscänffäggt, lauter in ernste Betrachtung, in Hingebung an die göttliche Offen- 
wöhnläheß delr s! MISSÄOD versunkene, W11 höherer Inspiration erfüllte, über das Ge. 
hemgem Schauelenlscdhghen Natur erhabene Wesen, deren Anblick das Gemüt-h mit. 
sie sichi d F n ewunderung erfüllt: Ihre Gestalt und ihre Pewegung, wle 
n en ormen selbst und lll den Linien und Massen der Gewander darstellen,
        

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