Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1042763
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Buonacorsi. 
Florenz, erlernte die Anfangsgründe der Kunst bei einem mittelmässigen Maler, 
Andrea de' Ceri, ging hierauf in die Schule des Ridolfo Ghirlandajo, in der 
er bedeutende Fortschritte machte, und begab sich später mit dem liorentinischen 
Maler Vaga, der ihn als Gehülfe annahm und von dem er den Beinamen Perino 
del Vaga erhielt, nach Rom, wo er von Raphael unter seine Schüler aufgenommen 
wurde und mit Giovanni da Udine in den Logen des Vatikan's nach des Meisters 
Zeichnungen Stuccaturarbeiten, Grottesken (gest. v. Santo Bartoli), die (nunmehr 
zu Grund gegangenen) Bilder aus der heil. Schrift in Bronzefarbe unter den Fenstern 
und drei Darstellungen aus dem neuen Testament ausführte. Gemeinschaftlich mit 
Giovanni da Udine übernahm er auch die Ausschmückung des Saals dell" apparta- 
mento Borgia im Vatikan. Er verzierte ihn mit den Bildern der Planeten (wahr- 
scheinlich nach den Zeichnungen RaphaePs), mit Stuccaturen, Grottesken und Orna- 
menten. Da er sich durch diese Arbeiten grossen Ruf erwarb, wurde er mit Be- 
stellungen überhäuft. So schmückte er viele Häuser, Säle, Loggien, Höfe und Gärten 
mit mythologischen Darstellungen, Scenen aus der römischen Geschichte und Poesie, 
ebenso mehrere Kirchen und Kapellen mit Fresken aus der biblischen Geschichte. In 
der Kirche S. Minerva malte er: eine Kreuzabnahme; in S.Marcello: verschiedene Hei- 
ligen, von trefflichen Kindergruppen umgeben, und die Erschaffung der Eva; in 
S. Trinita dei Monti: Propheten und Scenen aus dem Leben der Maria. Nach der 
Plünderung Ronfs (1527), wobei Pierino zum Gefangenen gemacht worden war, be- 
gab er sich nach Genua,' wo ihm die ganze Dekoration des Palastes Doria, über- 
tragen wurde, die er in ähnlicher Weise durchführte, wie Giuli_o Romano die der 
mantuanischen Paläste. Er übernahm sowohl die äussere Verzierung in Marmorbildern, 
wie die innere mit Stuccaturen, Vergoldungen, Grottesken, Ornamenten und ins- 
besondere mit Gemälden. In diesen stellte er die Helden des Hauses Doria, Scenen 
aus der Mythologie, aus der römischen Geschichte und Poesie, Kinderscherze u. s.w. 
dar, Bilder, die in ihren schönsten Stellen an die ungcmeine Lieblichkeit und Heiter- 
keit der Farnesina erinnern und auf die Umwandlung der ältern genuesischen Maler- 
schule nach römischem Vorbild ausserordentlich grossen Einfluss ausübten. Ausserdem 
führte er noch mehrere andere Bilder und Dekorationen in Genua aus, malte dann 
für den Dom in Pisa einige Kinderengel in Fresco und eine Madonna mit mehreren 
Heiligen, die er aber unvollendet verliess (sie wurde von Sogliani vollendet und ist 
heute noch eine Zierde des Dom's) und eilte nach Rom, wo er bald entsprechende 
Arbeiten erhielt und dann eine ungeheure Thätigkeit entfaltete. Er malte in einer 
Kapelle in Santa Trinita Bilder aus der biblischen Geschichte an die Wände, verzierte 
die Sockel der Säle, in welchen Raphael die Schule von Athen, die Disputa und den 
Parnass dargestellt hatte, mit kleinen Bildern in Bronzefarbe, die auf jene Darstel- 
lungen der Philosophie, Theologie und Poesie Bezug hatten; dekorirte die Decke und 
Wände der Sala regia im Vatikan mit Stuccaturen; schmückte das frühere Tabernakel 
in der Peterskirche mit Fresken  auch fertigte er eine Menge Zeichnungen 
zu Thronhimmeln, Teppichen, Tapeten, Rahmen, Stickereien u.s. w. Doch tragen 
alle diese Werke seiner späteren Zeit, wo er mehr nach Geld als nach Ehre strebte 
und die er meistens, wie die Fresken in einigen Sälen und gTösseren Zimmern des 
Kastel S. Angele, durch seine Schüler ausführen liess, ein durchaus manieristisches 
Gepräge. Durch die Mühen seines Berufs und durch Unregelmiissigkeit im Leben und 
Lieben zerstörte Buonacorsi seine Gesundheit. Er bekam die Schwindsucht und starb 
1547 in seinem 47. Jahre.  Seine besten Schüler waren: Luzio Romano, Laz- 
zaro und Pantaleo Calvi, Girolamo Siciolante da Sermoneta und Mar- 
cello Venusti.  Perino del Vaga besass eine ungemein leichte und reiche Pro- 
duktionsgabe und seine besten Werke nähern sich mit grösserem oder geringerem 
Glück dem Raphaehschen Styl, ohne übrigens diesen Meister im Geist der Compo- 
sition, in der Anmuth, oder im Ausdruck zu erreichen. Doch gehört er jedenfallS 
nebst Giulio Romano, dessen Richtung auf antike Gegenstände er theilte, zu 
den besten Schülern Raphaels und bleibt sogar diesem näher in Darstellungen, 
wo eine dekorative Abgrenzung und Eintheilung seine Gestalten und Scenen V0? der
        

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