Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1042701
202 
Bruni. 
und kühnsten Werke der Baukunst in Ansehen bleiben Wird. Es ist die Ueber- 
Wölbung des achteckigen Chorraums des Domes von Florenz. Lange Zeit hatte man 
an der Möglichkeit der Ausführung gezweifelt, Brunnellischi aber, der sich schon in 
Rom vielfach damit beschäftigt, und Zeichnungen und Modelle dazu gemacht hatte, 
vermochte es, in einer grossen Versammlung von Baumeistern aller Länder, die zu 
diesem Behufe im Jahr 1420 in Florenz zusammen gekommen War, dieselbe nachzu- 
weisen und bewerkstelligte dieselbe auch, nachdem er im Jahr 1423 Dombaumeister 
geworden War, vermittelst einer doppelten achtseitigen Kuppelf" S0 sehr aber auch 
dieses Riesenwerk die Thätigkeit des Künstlers in Anspruch nehmen mochte, Brunel- 
leschi führte in der Zwischenzeit nichtsdestoweniger noch mehrere prachtvolle Bauten 
zu Florenz aus. So sind  ausser verschiedenen nach seinen Modellen errichteten 
Vesten , Brücken und Dämmen in Mantua, Mailand und Pisa, des Hafens von Pesaro, 
der Abtei der regulirten Chorherrn zu Fiesole, verschiedenen Pflvatgebäuden zu Florenz, 
der Loggia dei Jnnocenti, einer Kapelle im Klosterhof von S. Croce und der Kirche degli 
Angeli  namentlich die Kirchen S. Lorenzo und S. Spirito zu Florenz, beides Basi- 
liken, sein Werk. An der ersteren hatte er jedoch nur ein schon begonnenes Ge- 
bäude umzugestaltcn, die zweite , ganz nach seinem Plane aufgeführt, ist vielleicht 
eine der regelmässigsten und consequentesten Kirchenbauten, die jemals ausge- 
führt wurden. Ausscrdem erbaute er den Palast Pitti zu Florenz, ein kolossales, 
aus ungeheuren Bossagcn ausgeführtes , in seiner Einfachheit höchst grossartig wir- 
kendes Gebäude, dessen burgartiger Charakter für geraume Zeit der Typus der 
iiorentinischen Paläste wurde. (Der Oberbau des Palastes und der Hof desselben 
kamen abe1' erst später durch Amm an ati zur Vollendung.) Brunelleschi starb 1446 
und Ward in S. Maria del iiore begraben , woselbst man auch noch seine von seinem 
Schüler Bnggiano nach der Natur in Marmor ausgeführte Büste sieht. Im Jahr 
1830 sind dem Erbauer und dem Vollender des Doms von Florenz, Arnolfo und 
Brunelleschi, kolossale Statuen in Nischen an der Aussenseite der Kirche von der 
Hand des Bildhauers Pampaloni gesetzt worden, die zu den besten TVerken der 
neuern italienischen Sculpt-ur gehören.  
Brunelleschi gilt für den Begründer der modernen Architektur, der sogenannten 
Renaissance, weil er der erste war, der die italienische Baukunst auf den Principien 
der antiken wieder herzustellen bemüht War, indem er deren Formen und Construk- 
tionen mit Geist und Geschmack und nicht ohne Zuthat von eigener Erlindung auf 
moderne Anforderungen anwandte. Doch hielt er sich in mehreren seiner Kirchen- 
bauten immer noch an den rundbogigen Basilikenstyl, nur mit grösserer Reinheit der 
Formen, wie er auch in dem gleichzeitig von ihm begründeten Styl des iiorentinischen 
Häuserbauls seine Vorliebe für das rundbogige System beurkundet, obgleich die 
wesentlichen Gesetze und Verhältnisse desselben von der antiken römischen Bau- 
weise genommen sind.  Seine Bildnerarbciten zeigen, der Richtung des Donatello 
ähnlich, viel Studium der Form und auch Nachahmung der Antike. Das von ihm 
in jenem erwähnten Wettstreit gefertigte Relief befindet sich unter den Bronzen der 
Gallerie degli Uiiizi zu Florenz. 
Brunelleschi bildete mehrere Schüler: Ln ca Fan celli, Domenico del Lago, 
Gieremia von Cremona, Simone, Antonio und Niccolo aus Florenz, Antonio 
Manetti und Andreino von S. Gimignano. 
Literatur. Moreni, Vitß lli FÜiPPO di Ser Brunellesco. Florenz 1312-  Vasari, Leben der aus- 
gezeiclmetsten Maler, Bildhauer und Baumeister.  Burkhardt, der Cicerone. 
Bruni, Fidele, ein ausgezeichneter russischer Maler, der sich eine Reihe von Jahren 
in Rom aufhielt und 1844 nach Petersburg zurückkehrte. Zu seinen grösseren Ge- 
mälden, welche viel Beifall fanden, gehören: die für die Kathedrale zu Kasan ge- 
malte Erscheinung der h. Jungfrau in einer Kirche zu Constantinopel, nach einer 
Legende, und die eherne Schlange, Letzteres ist eines der kolossalsten Bilder, die 
je gemalt wurden, voll wahren und lebendigen Ausdrucks, trefflich in der Zeichnung 
Abgebildet in. den Denkmälern der Kunst. 
Atlas zu Kuglers Handb. 
d. Kuustgesch. 
Taf. 57,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.