Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1042689
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Brun, Elisabeth Louise le. 
trotzdem dass er die fortgesetzte Gunst des Königs besass, auf die Länge so betrübte, 
dass er in eine entkräftende Krankheit verfiel, der er in seinem 71. Jahre erlag, 
Le Brun beherrschte die französische Malerei seiner Zeit ebenso despotisch wie 
sein König Ludwig XIV. den Staat. Er War ein an Erfindungen fruchtbares und im 
Componiren meist glückliches Talent, besass eine reiche Phantasie, die leichteste 
Darstellungsgabe, eine, mit Ausnahme der etwas kurzen Proportionen, meist correkte 
Zeichnung und in seiner ersten Zeit eine tüchtige Farbe. Aber seine Gemälde ent- 
behren der Feinheit und Tiefe des innern Gefühls und der individualisirenden Durch- 
bildung, wie der künstlerischen Gemessenheit und Klarheit; statt naiver Entfal- 
tung der Eigenthümlichkeit verrathen sie ein prunkhaft-es, bewusstes Darlegen der 
errungenen Meisterschaft und an die Stelle der unendlichen Mannigfaltigkeit der 
Gemüthsbewegungen, tritt bei ihm eine beschränkte Zahl Stereotyp wiederkehrender 
Geberden, so dass er häufig in Einförmigkeit, Leere, Emphase, Deklarnation und thea- 
tralische Uebertreibung verfällt, ganz entsprechend dem pomphaften Scheinwesen 
seiner Zeit am Hofe des vierzehnten Ludwigs. Sein Colorit ist in späteren Bildern 
bunt, schwer und unharmonisch, mangelhaft in der Luftperspektive und von geringem 
Impasto. Von le Brun und seiner zahlreichen Schule ging die tiefe Entartung der 
französischen Malerei aus, der Uebergang zu einer hohlen theatralischen Manier, 
welcher als der letzte Verfall der modernen Kunst zu betrachten ist.  Die bedeu- 
tendsten seiner Schülcr waren: sein Bruder Gabriel (geb. 1625), Claude Audran, 
Verdier, Houasse, Vernansal, Viviani, le Fevre, Joseph Vivien und 
Charles de la Fosse.  Beinahe alle seine Werke wurden gestochen und zwar 
in zum Theil heute noch nicht übertroffenen Leistungen von Meistern ersten Ranges 
in der Kupferstecherkunst, einem Edelinck, Nanteuil, Benoit und Gerard 
Audran u.s.w. Le Brun hat aber auch selbst geistreich in Kupfer radirt. Man 
kennt von ihm 7 Blätter, nämlich 4 Blätter, die vier Tageszeiten durch Faunen und 
Satyrfamilien dargestellt; ferner das Jesuskind; den heil. Johannes; den heil. Karl. 
Sie sind bezeichnet: C. L. B. C. P. R. (cum privilegio regis) oder C. le B. 
Ausserhalb Frankreich sieht man wenig Gemälde von le Brun. doch besitzt das 
Berliner Museum von ihm das berühmte (auch von Göthe besprochene) Jabachsche 
Familienbild, von einer geistvollen Auüassung, individuellen Durchbildung und meister- 
haften Haltung, die an van Dyck erinnern. In der Dresdner Gallerie sieht man 
eine heil. Familie; in der Pinakothek zu München: das Bildniss der Herzogin de 1a 
Valliere als heilige Magdalena und den Evangelisten Johannes auf der Insel Pathmos, 
und in der Gallerie des Belvedere zu Wien: die Himmelfahrt Christi. Das Louvre zu 
Paris enthält 26 Bilder, worunter, ausser den bereits genannten, als die besten be- 
zeichnet werden: des Künstlers eigenes Bildniss in jüugern Jahren; Maria mit dem 
schlafenden Christuskinde und Johannes; die büssende Magdalena; die Allsgiessung 
des heil. Geistes; das Porträt des Malers Alphonse Dufresnoy; Alexander be- 
sucht mit dem Hephästion die Familie des Darius; die Schlacht am Grßllißlls; die 
Schlacht von Arbela; der Einzug Alexanders in Babylon; der verwundete König 
Porus vor Alexander gebracht.  Charles le Brun hatte auch noch einen andern 
Bruder, der Maler war. Nicolas le Brun, geb. 1615, gest. 1660, malte Land- 
schaften.  
Brun, Elisabeth Louise 18, geborene Vigäe, geb. zu Paris 1755, gest. ebendaselbst 
1842, die Tochter eines Porträtmalers, der sie in ihrem 12. Jahre als Waise hinter- 
liess, empfing den ersten Unterricht in der Malerei, wozu sie schon frühe grosse An- 
lagen zeigte, durch Briard, einen Inittelmässigen Maler, machte aber später unter 
der Leitung von Doyen, Grenze und Joseph Vernet, die sich ihrer annahmen, 
so rasche Fortschritte, dass sie schon in ihrem 15. Jahre ein treffliches Porträt malte, 
1783 durch ein Bild des Friedens, der den Ueberlluss zurückführt (im Louvre zu Paris), 
Mitglied der Akademie wurde und bald in der älteren französischen Malerschule eine 
ehrenvolle Stelle einnahiu. Als schöne, liebenswürdige und geistreiche Frau des 
Bilderhändlers Le Brun, den Sie frühe schon geheirathet, bildete sie einen der 
interessantesten Mittelpunkte des höheren geistigen Lebens in Paris, allein der
        

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