Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1042573
Breughel , 
Pieter, 
der ältere. 
189 
liner Museum, im Louvre zu Paris). In denjenigen seiner landschaftlichen Gemälde, 
in welchen er den Beschauer mehr auf eine schlichte Weise in die lokalen Verhält- 
nisse der Heimath einführt, in verschiedenen Waldlandschaften, von denen einzelne 
schon eine nlinder üppige Vegetation entfalten, zeigt er bereits eine freicre Behand- 
lung. (Derartige Bilder im Berliner Museum, in der Pinakothek zu München, in der 
Gallerie zu Dresden.) Ausserdem hat Jan Breughel auch Blumen, Früchte, Thiere 
und andere dem Stillleben angehörige Dinge in zierlicher Vollendung gemalt und 
solche Darstellungen in eigenthümlicher Weise zu grösseren Compositionen verbun- 
den. In der Pinakothek zu München sieht man einen grossen Blumenkranz, in dessen 
Mitte eine Madonna mit dem Kinde (von Rubens) gemalt ist. Ein ähnliches Bild 
befindet sich im Louvre zu Paris. Andere Darstellungen dieser Art: das Reich der 
Flora, das Reich des Vulcans u. a. m. besitzt die Gallerie von Sanssouci in namhafter 
Anzahl. 
Breughel hat eine ungeheure Menge von Bildern hervorgebracht. Die ersten 
öffentlichen Gallerien der Niederlande , Deutschlands, Frankreichs , Englands, sogar 
Italiens besitzen mehrzählige Darstellungen von ihm,  in keiner bedeutenderen 
Sammlung wird man seinen Namen vermissen. Unter seine Schüler und Nachahmer, 
die seinen Styl zum Tlicil bis spät in die Zeiten Ituysdaels hinein festhielten , sind 
Jacob Fouquiers, Peter Gyzens oder Geysels und F. van Kessel zu nennen. 
 Ausser den Anfangsbuchstaben seines Namens findet man auf seinen Bildern zu- 
weilen nebiges Zeichen. _Breughels Gemälde wurden durch den Kupferstich mannig- 
fach vervielfältigt (in Heine cke n's Dictionnaire des artistes findet sich ein Verzeich- 
niss der nach ihm gestochenen Blätter) und ihm selbst werden vier radirte Land- 
schaften zugeschrieben. Sein Bildniss wurde öfters gestochen, darunter in eigen- 
händiger Ritdirung von van Dyck.. 
Literatur. Imme rz eel, De Levens en Werken der Hell. en Vlaam. Kunstscliilders u. s. w. Amsterdam 18-12. 
lBreughel, Pieter," der ältere, zum Unterschiede von seinem Sohne gleichen 
Namens der Bauern-Breughel genannt, geb. um 1510 in einem Dorfe in der Nähe 
von Breda, gest. zu Brüssel um 1570, erlernte die Kunst bei P. Koeck van Aelst, 
dessen Tochter er später heirathete, hielt sich dann einige Zeit bei Hieronymus 
Keck auf und bereiste hierauf Frankreich und Italien. Nach seiner im Jahr 1551 
erfolgten Rückkehr liess er sich erst in Antwerpen, später in Brüssel nieder. Er 
malte Historien- und Genrebilder, welch letztere übrigens die Mehrzahl seiner Ge- 
mälde bilden. In seinen historischen Bildern, unter denen man als Hauptwerke auf- 
zählt: seinen Thunnbau zu Babel, die Schlacht der Israelit-en gegen die Philister, 
die Kreuzausführung Christi mit unzähligen Figuren, in der Gallerie des Belvedere 
zu WVien (alle drei mit der Jahrszahl 15G3);. die Versuchung Christi, für welche 
Breughel seine in den Alpen gemachten Studien benützte; die Predigt des Johannes, 
in der Pinakothek zu München; die angeklagte Ehebrecherin (1558); die Berg- 
predigt, in der Dresdner Gallerie; den Kindermord in einer "Winterlandschaft, in der 
Sallllnlllng des Landauerbrüderhauses zu Nürnberg; die Kreuztragung (1561); die- 
Bekßhfllllg Saul's, befolgt er die derb phantastische Richtung der älteren holländi- 
schen Schule, des Lucas von Leyden. Seine Genrebilder stellen meistens Scenen 
aus dem Bauernleben, zu dessen Studium er als Bauer verkleidet mit einem Freunde 
die umliegenden Dörfer, Kirchweihen, Kneipen u. s.w. besuchte, dar. Sie sind eben- 
falls als eine Fortsetzung ähnlicher Bestrebungen der alten Holländer zu betrachten 
und verrathen weder Intelligenz in der Composition, noch Geist in den einzelnen 
Gestalten, auch wimmeln sie von gemeinen Intentionen und das ziemlich harte und 
bunte Colorit trägt noch dazu bei, dass das Unzusammenhängende und Unruhige der 
Composition auch in der Gesammtwirkung wiederkehrt; doch sind sie nicht ohne 
mannigfache lebendige Motive und originelle energisch aufgefasste Bewegungen. 
Ein grosses Bild dieser Art im Berliner Museum stellt den Reigentanz eines unge- 
fugexi Bauernvolks dar, ein wüstes, liederliches Bild; ein anderes ähnliches, eine Prü- 
gelei zwischen gemeinem Pilgervolk und krüppelhaften Bettlern, ebendaselbst; in der 
Dresdner Gallerie sieht man: eine Schlägerei zwischen Bauern, welche sich beim
        

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