Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1042038
Ben-ettini. 
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übertrug, die an plastischem Hervortreten, Kraft und Zartheit der Tinten mit jedem 
Oelgemälde wetteifern ._und für das Hauptwerk seines Lebens gelten. Nachdem er 
hiegauf mehrere andere Fresken und Oelgemälde, worunter eine Kreuzabnahme, einen 
Raub der Sabinerinnen, eine Alexandersschlacht, auch die Cartons zu den Mosaiken 
der Kuppel der Peterskirche vollendet, ging er nach Florenz, wo er für den Gl-oss- 
herzog Ferdinand II. im Pal. Pitti nach den Anleitungen des gelehrten Michelangelo 
Buonarotti des Jüngern fünf Säle mit Fresken allegorischen, mythologischen und ge- 
schichtlichen Inhalts schmückte, aber, erzürnt über eine ihm zugefügte Beleidigung, 
rasch nach Rom zurückkehrte, ohne den sechsten, ihm übertragenen Saal gemalt zu 
haben. In Rom entfaltete er nun, sowohl in Beziehung auf die grosse Menge von 
Oel- und Frescomalereien, die er ausführte, und von denen wir nur die Deckengemälde 
in der Chiesa nuova zu Rom, die Gallerie im Pal. Pamüli auf Piazza Navona mit 
Scenen aus der Aenäide nennen wollen, als auf die grosse Schule, die er bildete, 
und die Schüler, die sich um ihn schaarten, eine glänzende Wirksamkeit, durch welche 
jene manieristische Verllachung in der Kunst der Malerei eingeführt wurde, die es 
auf ein möglichst rasches und wohlfeiles Ausfüllen grosser Räume absah, daher alles 
tiefere Eingehen auf die innere Bedeutung der Aufgaben bei Seite setzte, sich dafür 
mit blendenden und gefalligen Wirkungen auf den äusseren Sinn begnügte und fast 
das ganze 18. Jahrhundert hindurch dauerte. Berrettini besass eine schöpferische 
Produktionskraft und ein sehr bedeutendes Talent, allein ohne allen Ernst und alle 
Tiefe des Geistes , wie er war, fehlt seinen Werken auch jede tiefere gedankenvolle 
Auffassung des Gegenstandes. Sein ganzes Streben ging darauf aus , durch den 
Reichthum der Composition, durch grosse Mannigfaltigkeit der Stellungen und Grup- 
pen , durch wirksame Massenkontraste, in der Anordnung, wie in der Haltung, durch 
eine gewählte Beleuchtung und blühendes Colorit einen reizenden Gesammteifekt 
hervorzubringen. Für diese Wirkungen gab er willig alle sonstigen, an ein tüchtiges 
Kunstwerk zu stellenden wesentlichen Erfordernisse preiss. Seine Compositionen sind 
meistens ohne tiefen Inhalt und dem conventionellen Effekt des Ganzen setzt er alle 
Wahrheit hintan. Um ja recht reich zu erscheinen, überladet er seine Gemälde mit 
einer grossen Anzahl gut gruppirter, aber meist müssiger Figuren und um der Gegen- 
sätze willen müssen oft die Personen der ruhigsten Handlung darauf sich wie bei 
gesteigerter Erregtheit der AKekte geberden. Seine Charaktere sind höchst ein- 
förmig, wie wenn er für jedes Geschlecht und Alter nur eine Figur imd Gesichts- 
bildung gehabt hätte, die sich in verschiedenen Ansichten und Stellungen wiederholt; 
seinen Köpfen fehlt es im Allgemeinen an Adel und die seiner Frauen haben einen 
aifektirten, lächelnden Ausdruck, der sie reizend machen soll; seine Zeichnung ist 
oberflächlich und seine Gewandung hat einen von der Natur entfernten Faltenwurf von 
ebenfalls einförmigem Charakter. In seinem Vortrag aber offenbart er eine ungemeine 
Virtuosität, die indessen selbst wieder den Mangel an gründlicher Ausführung zu 
verdecken hat. Uebrigens hat seine kühne und leichte Darstellungsweise etwas Im- 
ponirendes und Bestechendes, und es ist nicht zu verwundern, dass sie in jener Zeit 
der Abnahme der Kräfte in den italieniSßhen Zuständen überhaupt, wenn auch nißhii 
ganz in dem eigenthümlichen Charakter des Meisters, so doch im Wesentlichen seiner 
Kunstrichtung, so ausserordentlich schnell die entschiedene Oberherrschaft in ganz 
Italien bekam. Als seine besten Schüler werden genannt: Ciro Ferri, Franc. 
Romanelli, Pietro Testa, Luca Giordano, Jacques Bourguignvn n.S.W. 
Die vorzüglichsten Bilder dieses äusserst fruchtbaren Künstlers in europäischen Ka- 
binetten Sind: im Museum zu Berlin: Herkules von Liebesgöttern umgeben; in der 
Gallerie zu Dresden: ein römischer Feldherr vor den Gonsuln; Merknf mahnt den 
Aeneas, seine Abfahrt von Karthago ZU beschleunigen, und der KoPf eines alten 
Mannes; in England: in der Gemäldesammlung zu Devonshire: eine vortreffliche 
Landschaftf in der Gemäldesammlung zu Blenheim: der Raub der Sßhineiinnen, eines 
der ausgezeichnetsten Bilder des Meisters; in der Grosvenorgallerie: Hagar in der 
Wüste; in der Bildersammlung zu Corshamhouse: Maria in der Herrlichkeit von 
mehreren Heiligen verehrt; zu Florenz im Pal. Pitti; S. Maria Egiziaca; in der
        

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