Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1042017
Giov. 
Berniui , 
Lorenzo. 
133 
In der Architektur erscheint Bernini als der unbestrittene Hauptrepräsentant des 
sogenannten Barnckstyls, jener Ausschweifung des architektonischen Geschmacks, 
der die antiken Säulenordnungen, Gebälke, Giebel u. s. w., mit fremden und aben- 
thenerlichen Formen, geschwungenen und gebrochenen Linien vermischt und über- 
laden, mit der grössten Willkühr auf dekorationsmässige Weise verwendete. Ob- 
gleich dieser Styl einer Seheinarchitektur, in welcher, bei einer unverkennbaren 
Hohlheit des Gefühls, oft eine eigenthümliche Grossheit des Sinns zum Vorschein 
kommt, mit seiner sonstigen Kunstweise ganz im Einklang stand, so befleissigte er 
sich in seinen vielen Bauten doch meistens einer grösseren Einfachheit und Mässigung 
als seine Zeitgenossen und Nachfolger, ja er legte in manchen derselben recht deut- 
liche Beweise seines ausgezeichneten Talent-es an den Tag.  
Unter den ersten Sculpturen, die Bernini in Rom öffentlich ausst-ellte, befanden 
sich: der heil. Laurentius auf dem Rost; die Gruppe des Aeneas, der den Anchises 
trägt; David, im Begriff den Stein gegen den Riesen zu schleudern, wobei er in 
dem Kopf des Helden sich selbst porträtirto, und die erste seiner grösseren Arbeiten, 
womit ihn sein Hauptgönner, Papst Urban VIIL, der ihn auch in den Ritterstand er- 
hob , beauftragte, war das kolossale gegen 90 Fuss hohe bronzene Tabernakel über 
der Gruft des heil. Petrus in der Peterskirche zu Rom, ein imponirendes, aber aifek- 
tirtes Dekorationswerk, zu dem das Material aus der Decke der Vorhalle des Pantheons 
genommen wurde und wofür Bernini vom Besteller 22,500 Scudi (circa 48,000 Gulden 
rhein.) und noch ein ausserordentliches Donativ von 10,000 Scudi erhielt. Hierauf 
versah er die vier Kuppelpfeiler der Peterskirche mit Nischen, in welche Statuen zu 
stehen kamen, von denen indessen nur eine, der heil. Longinus, von seiner Hand 
herrührt. Im Jahr 1629, nach C. Maderno's Tod zum Baumeister der Peterskirche 
ernannt, begann er den Bau der Glockenthürme zu beiden Seiten der F acade, die 
indessen wegen schlechter Fundamentirung während des Baues wieder abgetragen 
werden mussten. Sein Hauptbauwerk besteht indessen in den (zwar erst 1667 an- 
gelegten) mächtigen Säulengängen, welche den Platz vor der Peterskirche ein- 
schliessen und einen prächtigen und grossartigen Eindruck gewähren. Andere Archi- 
tekturen, welche man von ihm rühmt, sind: der Palast Barberini, an welchem man 
besonders das Erdgeschoss und die Treppe bewundert; der Pal. Bracciano; die kleine 
Kirche S. Andrea  für das Noviziat der Jesuiten errichtet, auf dem Quirinal zu Rom; 
die Scala Regia des vatikanischen Palastes und verschiedene kleinere Kirchen, Ka- 
pellen in Rom und dessen Umgebung. Ferner führte er die Grabmäler Urban VIII. 
und Alexander VII. in der Peterskirche; die Kathedra des h. Petrus mit den vier 
Kirchenlehrern im Chor von St. Peter, und den Hauptbrunnen auf der Piazza Navcna 
aus, Zn seinen vQrZüg-lichstgn Sculpturarbeiten zählt man, ausser den angeführten 
und einer grossen Anzahl treiflicher Büsten: den Raub der Proserpina H" (in der Villa 
Ludovisi); die Reiterstatue Konstantin des Grossen (in der Vorhalle der Peterskirche); 
die Verzückung der heil. Therese  eine Gruppe, in welcher die Heilige in hyste- 
rischer Ohnmacht, mit gebrochenem Blick, auf einer Wolkenmasse liegend, ihre 
Glieder streckt, während ein lüsterner Engel mit dem Pfeil (hier dem Sinnbild der 
göttlichen Liebe) auf sie zielt (in der Kirche S. Maria della Vittoria); die selige 
Lodovica Albertoni, die zu seinen schönsten Arbeiten gehört (in S. Francesco a Ripa); 
die Statue des Kardinals Belarino (in der Kirche al Gesii); die heil. Bibiana (in der 
Kirche dieser Heiligen); den Triton (auf der Piazza Barberini); den heil. Sebastian 
(in S. Sebastiano); die Wahrheit; Habakuk, vom Engel an den Haaren erfasst; 
Daniel in der Löwengrube; den heil. Hieronymus und Maria Magdalena (für die 
Kapelle Chigi im Dome zu Siena). Von den Engelsüguren auf der Ballustrade der 
Engelsbrückß, die ganz zärtlich mit den Marterwerkzeugen kokettiren, ist nur der 
Engel mit der Kreuzinschrift von ihm, die anderen rühren von seinen Schülern her. 
Eine Reiterstatue von ihm, Ludwig XIV., vorstellend, wie er den Berg des Ruhmes 
Abgebildet in den D enkmälern der Kunst. 
Ebendaselbst. Tnf. 92 , Fig. 2. 
Ebendaselbst. Taf. 92 , Fig. 3. 
der Kunstgesch. 
Atlas zu Kuglers Handb. 
Taf. 91,
        

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