Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1041857
Giovanni. 
Bellini , 
117 
jüngere Bruder des Gentile, war der Hauptmeister der venetianischen Schule in 
der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, deren Eigenthümlichkeit in der freieren 
Auffassung kirchlicher Aufgaben, dem Streben nach Naturwahrheit der Darstel- 
lung in allen Theilen und rein sinnlicher Schönheit der Färbung, welche durch 
die rasche Verbreitung der durch Antonello von Messina. in Venedig einge- 
führten Oelmalerei bedeutend gefördert wurde, bestand. Er wurde im Jahr 1426 
zu Venedig geboren und erhielt seinen ersten Unterricht in der Kunst durch seinen 
Vater Giacomo, zog aber zugleich Beispiel und Lehre seines Schwager-s, des Andrg 
Man te gna, zu Rath. Fleiss und Ausdauer entwickelten seine glücklichen Anlagen 
in raschem Fortschritt, so dass ihn sein Vater schon in früher Jugend zur Ausführung 
mehrerer gemeinschaftlich mit seinem Bruder Giovanni unternommenen Bilder ver- 
wenden konnte, durch die er sich, nebst verschiedenen anderen selbstständigen 
Werken, besonders treiflichen Bildnissen und kirchlichen Gemälden, in Verhältniss- 
massig sehr kurzer Zeit einen so geachteten Namen erwarb, dass ihm, gleichwie 
seinem Bruder, ein Theil der grossen historischen Darstellungen im Rathsaale des 
Palazzo Ducale seiner Vaterstadt übertragen wurde. Er widmete dieser Arbeit, fünf 
iigurenreichen Gemälden aus der venet-ianischen Geschichte , die seiner Zeit ungemein 
bewundert wurden, aber in dem Brand von 1577 leider zu Grunde giengen, zwölf 
Jahre seines Lebens, malte aber dazwischen noch viele andere Bilder, namentlich 
eine solch grosse Menge von Porträts , dass durch ihn eigentlich erst die Bild- 
nissmalerei zu Venedig recht in Gebrauch kam. Sein Ruf wuchs indessen nach jeder 
neuen künstlerischen Hervorbringung und er wurde bis an sein Lebensende so sehr 
mit Aufträgen überhäuft, dass er nicht alle ausführen konnte, wie er u. A. einmal 
(im Jahr 1505) das kunstliebende Fürstenpaar Francesco und Isabclla von Gonzaga, 
das, während es Perugino, Mantegna und Lor. Costa in seinem Palast zu 
Mantua beschäftigte, auch von Bellini einige Gemälde zu besitzen wünschte, nicht 
anders als durch die Uebersendung einer kleinen Geburt des Heilandes (presepio) 
und das Versprechen, ihnen später einmal ein grösseres Bild von "poetischer Er- 
iindung" auszuführen, befriedigen konnte. Trotz diesen vielseitigen Beschäftigungen 
nimmt man in seinen Bildern den immerwährend Höheres erreichenden Stufengang 
seiner Entwicklung wahr, sieht, wie er, anfänglich selbst noch streng und trocken, 
erst nu1' bestrebt war, den venetianischen Styl grösser und edler zu halten, allmälig 
aber in der Schönheit der Zeichnung, Behandlung und Färbung reissende Fortschritte 
machte, bis endlich, angeregt durch die staunenerregenden Leistungen seiner eigenen 
Schüler, Giorgione und Tizian, ein ganz neuer Schwung in seine Darstellungs- 
weise kam, seine Gestalten beseelter, die Formen runder und gewählter und die 
Gewandungen geschmackvoller wurden, die Farbe in tieferer Gluth und die Com- 
Position freier und grossartiger erschien, so dass gerade die letzten Werke seines 
vorgerückten Alters, zum Theil aus seinen achtziger Jahren, namentlich es sind, die 
den venetianischen Styl des XVI. Jahrhunderts, jene glänzendste Entfaltung und 
Blüthe der von ihm eingeschlagenen Richtung, auf die würdigste Weise einleiteten. 
Wie hoch übrigens Bellini in der Achtung seiner Zeitgenossen gest-anden, mag schon 
aus dem Umstande hervorgehen, dass, während in damaliger Zeit kontraktlich alle 
Einzelheiten eines Kunstwerks zwischen Bestellern und Künstlern festgesetzt wurden, 
und letztere allen Wünschen und Beschwerden der ersteren Rechnung tragen mussten, 
Giovanni erwiesenermassen sich nie über Anordnung und Ausführung seiner Bilder 
irgend etwas vorschreiben liess. Ein anderes rühmendes Zeugniss hat ihm überdiess 
der erste deutsche Maler seiner Zeit, Albr. Dürer, ausgestellt, der im Jahr 1506 
aus Venedig an seinen Freund W. Pirckheimer u. A. von "Sammbellinus" schrieb: 
"Vlld sagen mir dy lewt alle, wy es so ein frumer Man sey, daz Ich Im gleich günstig 
Pin. Er ist ser alt vnd ist noch der pest Im gemell" (und ist doch der Beste in 
der Malerei). 
Hßßhgeßßhfßf lmd geehrt von seinen Landsleuten und Mitbürgern, welche ihm 
das Maklerarnt in der Kaufhalle der Deutschen, ein mit einem ziemlich hohen Gehalt 
verbundenes Ehrenamt, welches der Rath immer dem besten Maler verlieh, über-
        

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