Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1041789
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Begey" 
Behaim , Hans Wilhelm. 
die bei der grossen Entschiedenheit der Contraste so wohl thuende Harmonie der 
Composition und Färbung und die liebevolle Ausführung aus; dagegen verräth sein 
1848 ausgeführtes Bild: Adam und Eva den erschlagenen Abeherblickend (im Besitz 
des Königs von Preussen), zwar eine vortreffliche sorgfältige Arbeit, allein die 
geistige Bedeutsamkeit des Moments, die Erscheinung des ersten Todten vor den 
Augen def ersten Lebenden, kommt darin nicht zu einer tiefern, durchgreifenden 
Wirkung. 
Im Uebrigen zeigen sich in allen seinen Bildern, im Lyrischen, Idyllischen und 
Elegischen, worin er eine so hohe Anmuth entfaltet, wie im Historischen und Kirch- 
liehen, worin er eine grossartige Stylistik entwickelt und in welch letzterer Richtung 
er eine, sich von der conventionell qnittelalterlichen lossagende, dem Bewusstsein der 
modernen Zeit mehr genügende Auffassung erstrebt, ein denkender Geist, ordnender 
Verstand und lebhafter, tiefpoetischer Sinn, meistens in gleichmässiger Stärke ver- 
treten, eine immer wieder überraschend neue Wendungen ersinnende Eründungs- 
gabe und eine ausgezeichnete Vollendung der Technik, insbesondere eine eigen- 
thümliche Zartheit der Carnation.   
Ausser den genannten Bildern sind von Begas noch bekannt: ein Kreuztragen- 
der Christus (Kirchenbild zu Sorgen bei Frankfurt a. d.  Christus am Kreuz (für 
die Kreuzkapelle zu Sagan gemalt); Christus am Oelberg (in der Hauptkirche zu 
Wolgart, an der Ostsee), ein Bild von hoher Vollendung in Farbe und Helldunkel; 
Christus mit dem Zinsgroschen (im Privatbesitz zu Paris) und des Herrn Verrath. 
Ferner mehrere dem Genreartigen und Romantischen angehörige Darstellungen: ein 
mittelalterlicher Herrscher, den in seinen letzten Stunden ein Sänger mit der Laute 
zu erheitern sucht (für das städtische Museum in Königsberg gemalt); Mädchen im 
Schatten einer Eiche ruhend, ein gemüthliches Gedicht voll geheimen Zaubers; die 
Mohrenwäsche und die Winzerfamilie.  
Eine ganz besondere Meisterschaft entfaltete Begas auch im Porträtfach. Seine 
Bildnisse zeichnen sich bei aller gewissenhaften Treue und Naturwahrheit durch die 
grossartige stylvolle Gesammtauiiassung, durch die Virtuosität des Vortrags, der 
keine Mühe des Schaffens bemerkbar macht und die fein berechnete malerische 
Wirkung aus. Besonders gcrühmt Wurden seiner Zeit die Porträts mehrerer fürst- 
licher Personen, z. B. der jetzigen Königin von Bayern, sodann das, im Jahr 1841 
zum zweitenmal gemalte, von Thorwaldsen, das beste, welches von diesem Meister 
vorhanden ist, namentlich aber des Künstlers eigenes (im Jahr 1852 gemaltes) Por- 
trät. Unter den für die königl. Sammlung von "Bildnissen der 'in Kunst und Wissen- 
schaft hervorragenden Männer in Berlin, sind von seiner Hand die ausgezeichneten 
Porträts von: Alex. v. Humboldt, Schelling, Ritter, L. v. Buch, Meyerbeer, Corne- 
lius, Rauch, Direktor Schadow u. s. w. 
Begas erhielt vom König v. Preussen den rothen Adlerorden HI. Klasse und 
die grosse Medaille Ifür Kunst und Wissenschaft, vom König der Belgier den Leo- 
poldsorden. 
Seine beiden Söhne , Reinhold und Oscar, Widmen sich ebenfalls der Kunst, 
jener der Bildhauerei, dieser der Malerei und zwar mit einem Erfolge, der den jungen 
Künstlern eine bedeutende Zukunft vorhersagt, wie sich aus den Arbeiten des erste. 
ren, z. B. einer Gruppe: Hagar und Ismael, und einer Kreuzabnalmie, einem aus- 
gezeichneten Bilde des letzteren, schliessen lässt. 
Begeyn, Abraham, auch Begyn geschrieben, geb. 1650 im Haag, gest. 1697, 
ein treiflicher Landschafts-, Architektur- und Thiermaler, im Geschmack Berg- 
hem's, der, vom Churfürsten von Brandenburg 1690 nach Berlin berufen, dort 
verschiedene Ansichten von Palästen mit vieler Geschicklichkeit ausführte. Man 
rühmt an seinen Bildern, von denen das Museum in Berlin zwei "besitzt, gutes Colorit 
und richtige Zeichnung. Er radirte auch in Kupfer einige Landschaften mit Vieh. 
Behaim, Hans Wilhelm, der ältere, gest. 1538, ein Baumeister in Nürnberg, 
der, mitten in den Bestrebimgen der neu auftauchenden Kunstperiode der Renaissance, 
den mittelalterlichen Geist noch zu fesseln suchte, und dessen Bauten sich durch eine
        

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