Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1041779
Begarelli, Lodovico 
Begas. 
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für die berühmten Malereien der Kuppel im Dom zu Parma ausgeführt haben soll, 
und mit denen derselbe in Verbindung mit der von ihm überhaupt befolgten Richtung 
in der Sculptur soviel Einfluss auf die Malerei seiner Zeitgenossen, insbesondere 
in Beziehung auf die Kunst der Verkürzungen ausübte. Dabei aber zeigen sie soviel 
Wahrheit und Natur, ein solch edles und tiefes Gefühl. und einen so lebhaften Schön- 
heitssinn, eine Sicherheit der Technik und Zartheit der Ausführung, dass sie in 
Wahrheit alle Bewunderung verdienen, und die Worte motiviren, welche Vasari 
dem Michelangelo in den Mund legt, der, nachdem er mehrere Figuren von Bega- 
relli in gebranntem Thon gesehen und gehört, dass derselbe nicht in Marmor arbeiten 
könne, ausgerufen haben soll: "Wehe den Antiken, wenn diese Erde Marmor würde!" 
Begarelli, LOClOViGO, Neffe und Schüler desVorigen, gest. 1540, erreichte in 
seinen Arbeiten, von denen sich nur Weniges im Privatbesitz erhalten hat, eine 
gleich hohe Geschicklichkeit wie sein Oheim, so dass man Mühe haben soll, die 
Werke beider von einander unterscheiden zu können. 
Begas, Karl, geb. 1794 zu Heinsberg bei Aachen, gest. 1854 als Hofmaler und 
Professor an der k. Akademie zu Berlin, einer der treiflichsten Meister der Gegen- 
wart, bildete sein frühreifes Talent für die Malerei von 1812 an im Atelier des Baron 
Gros zu Paris aus und erregte schon durch seine ersten grösseren Bilder: Hiob von 
seinen Freunden betrauert (1816 vom verstorbenen König von Preussen erkauft), 
Christus am Oelberg (1818 für die Garnisonskirche zu Berlin vollendet, lith. von 
K. Mittag), und die Ausgiessung des heil. Geistes (1820 für den Dom von Berlin 
gemalt), von denen ihm das erstere einen Jahresgehalt zu ferneren Studien in Paris, 
das letztere eine dreijährige Pension zu einer Reise nach Italien erwarb, grosse Er- 
wartungen, die er auch nachher und zwar zunächst durch seine in Rom 1823 gemalte 
Taufe Christi (in der Garnisonskirche zu Potsdam), sowie ein Porträt Thorwald- 
sens, und, 1824 ins Vaterland zurückgekehrt, durch eine grosse Anzahl geschicht- 
licher, biblischhistorischerund genreartiger Bilder und Porträts, die sämmtlich zu den 
bedeutendsten Leistungen der modernen Malerei in der von ihm befolgten Richtung 
gezählt werden, glänzend rechtfertigte. 
So sah man von ihm 1826: den jungen Tobias mit dem Engel (gest. v. Berger); 
1827: die Auferstehung Christi (lith. v. K. Fischer), ein 19 Fuss hohes Altarbild, 
von grosser Meisterschaft der Technik, besonders in der Farbe (in der Friedrichs- 
werdefschen Kirche zu Berlin); 1831: die Bergpredigt (im Privatbesitz zu Berlin), 
ein vom sanftesten und mildesten Geist der Andacht durchhauchtes Gemälde; 1834: 
die Aussetzung Mosis. (im Besitz desrheinisch-westphälischen Kunstvereins), eine an- 
muthvolle sinnige Composition, und die Mädchen am Berge, eine höchst liebens- 
würdige Idylle nach Uhland; 1835: die Loreley (gest. v. Mandel), ein überaus 
reizvolles und tiefsinniges Mährchenbild, so schön im Gedanken, so grossartig in der 
Composition und ergreifend im Ausdruck, wie von hoher Vollendung in Zeichnung 
und Farbe; 1836: Kaiser Heinrich IV. im Burghofe zu Canossa, ein Meisterwerk, 
doch mehr lyrischen als historischen Charakters, von treffender und sinniger Charak- 
teristik, Anmuth und Leben und einer äusserst poetischen, malerischen Haltung (auf 
der Burg Rheineck am Rhein). IIII Jahr 1837 _malte Begas für die Kirche zu 
Krumoels in Schlesien eine Verklärung Christi, an der man die Würde und Feierlich- 
keit in der Handlung, die Grossartigkeit des Styls, die schöne Anordnung, die zauber- 
hafte Lichtwirkung und die Freiheit und Leichtigkeit der Farbenbehandlung rühmt. 
Ein anderes interessantes Gemälde von ihm, das bald darauf entstand, war: Christus, 
den Untergang Jerusalems weissagend (auf dem Schlosse Bellevue zu Berlin; lith. 
V- Schwüle), ein Situationsbild, in welchem an die Stelle der dramatischen Handlung 
eine, durch ein bedeutendes Moment hervorgerufene Stimmung tritt, welche die treff- 
lich charakterisirten Gestalten in würdevollem Ernste gemeinsam verknüpft, und das 
durch seine eben sowohl erwogene, als ungezwungene Composition, und die lebendige 
Frische der Darstellung. ungemein anspricht. Sein 1842 für die Kirche zu Landsberg 
an der Warte gemaltes Altargemälde: Christus, die Mühseligen und Beladenen zu 
Sich rufend, zeichnet sich durch die edleAuffassung, scharfe Charakterzeichnung und
        

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