Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1041730
Beccafumi. 
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der Kirche S. Spirito); endlich um 1530 in der Casa Agostini: die Fresken an der 
Decke und den Wänden eines Saals, mit verschiedenen Darstellungen aus der antiken 
Welt; die Deckengemälde im Saal des Concistorio dei Signori, die strenge Uebung 
der Gerechtigkeit bei den Römern in vielen Bildern versinnlichend, ein Werk von 
grossem Reichthum der Ideen; für S. Francesco: eine Tafel in Oel, Christus in der 
Vorhölle (gest. v. Ph. Tommassin, G. Traballesi, Ag. Costa. und P. Jede); für die 
Kapelle in S. Bernardino: ein Temperagemälde, Madonna mit vielen Heiligen und 
an die Wände in Gemeinschaft mit Sodoma zwei Bilder in Fresco. YVährend dieser 
Malereien widmete er überdiess einen Theil seiner Zeit der Ausführung jener eigen- 
thümlichen Darstellungen auf dem Fussboden des Domes zu Siena, welche Bilder 
aus dem alten Testament enthalten, mosaikartig aus hellerem und dunklerem Marmor 
zusammengesetzt, mit niello-artigen Schattenstrichen versehen sind und zu Becca- 
fumfs interessantesten Arbeiten gehören. (Die Ca-rtons dazu befinden sich in der 
Akademie zu Siena, einzelne Darstellungen daraus haben Andr. Andreani und 
Hugo da. (larpi in Holz geschnitten.) Von dem Herzog Doria nach Genua berufen, 
malte er in dessen Palast neben Perin del Vaga und Pordenone ein Freskobild, 
kehrte aber, vom Heimweh ergrilfen, bald wieder über Pisa nach Hause zurück, 
führte hier zwei Darstellungen aus dem Leben des Moses und die vier Evangelisten 
für die Pisaner Domkirclie (noch jetzt daselbst) aus, malte auch später selbst dort 
noch eine Madonna mit dem Kinde und vielen Heiligen, ein Bild, das indessen nicht 
zu seinen besten Arbeiten gehörte. Seine letzten Malereien Waren: eine im Jahr 1544 
für die Nonnen von S.Paolo zu Siena in Oel gemalte Geburt der Maria und die YVand- 
gemälde der Chornische des Doms daselbst, die Himmelfahrt Christi und darunter 
Maria mit den Aposteln. Die spätere Zeit seines Lebens beschäftigte er sich beinahe 
ausschliesslich mit Sculpturarbeiten, von denen wir aber nur die 1551 von ilnn in 
Erz gegossenen höchst anmuthigen 8 Engelsgestalten an den, dem Hochaltar zu- 
nächst stehenden Säulen des Doms zu Siena kennen.  Ausser den angeführten Bildern 
sieht man noch von ihm: Maria mit dem Kinde und dem kleinen Johannes im Museum 
zu Berlin; sein eigenes Porträt in der Sammlung des Herzogs von Grafton zu 
London; eine heilige Familie , Rundbild in der Pinakothek zu München; Christus 
am Oelberg, (zugeschrieben) im Louvre zu Paris; eine Frauengestalt von höchster 
Schönheit, in der Gallerie Borghese zu Rom; die h. h. Petrus und Paulus in der Tauf- 
kirche S. Johannes und eine Verkündigung Mariä in der Kapelle von S. Spirito zu Siena. 
Beccafumi soll auch in Holz geschnitten haben, und man nennt als von seiner 
Hand herrührend: 10 Darstellungen aus der Alchymie und einige Apostelfiguren. 
Dass er in Kupfer radirt und dass namentlich die unter dem Namen: Deukalion 
(nach dem Bild in der Casa Agostino in Siena), der entweihte Parnass u. s.w. bekann- 
ten Blätter ihn zum Urheber haben, in welcher Beziehung ihm nebiges Monogramm 
beigelegt wird, ist jedoch nicht ganz erwiesen. Dagegen haben verschiedene Künst- HEE 
1er Blätter in Helldunkel nach seinen Werken ausgeführt. 
Beccafumi" gehört unter die Meister, in deren Werken sich die sienesische Kunst 
auf die Höhe der Zeit, jener grossartigen Periode ihrer schönsten Entfaltung im 16. 
JilillThllndert in Italien, schwang, in denen die Strenge der alten Sieneser Schule sich 
in Zartheit und edle einfache Anmuth, die frühere liebenswürdige Einfalt in Schön- 
heit und Adel auflöste. Er entfaltet in seinen Bildern einen grossen Reichthum an 
Gedanken, eine geistreiche Anordnung und glückliche räumliche Vortheilung, einen 
zarten und innigen Ausdruck, Kühnheit und Lebendigkeit der Zeichnung, ein, wenn 
auch nicht besonders wahres, doch durch seine Heiterkeit eine angenehme Wirkung 
auf das Auge hervorbringendes, äusserst dauerhaftes Colorit und einen ernsten Styl der 
Darstellung. Leider hielt er sich in seinen späteren Bildern mehr nur an die äusserlich 
Schöne FOTIII der Florentiner, namentlich in manieristischer Nachahmung des Michel-  
angelo, und wurde daher, wo er stark und kräftig sein will, schwer und plump, 
nachlässig in den Extremitäten und in den Köpfen unschön, ja bisweilen roh. 
 Iaiißfßlllf- Delle Valle, Lettere Sanesi.  Vösilri, Leben der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer 
und Bflulfßßlstär-  Lanli, Geschichte der Malerei in Italien. -Museo Fioreutino, woselbst auch sein 
Porträt H11 Stich.
        

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