Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668184
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Hauptstück. 
Drittes 
sinnlichen Repräsentanten des Mittelpunktes und einen sichtbaren 
Gegensatz zu dem die äussere Marke des horizontalen Raumab- 
schlusses bezeichnenden Rahmen oder Saumc; er findet ihn darin, 
dass er ein Mittelfeld durch Form und Farbe aus der inditTerenten 
umrahmten Fläche besonders heraushebt und auf diese Weise einen 
Dreiklang, ein einheitliches Zusammenwirken der Theile nach den 
Gesetzen der Subordination und der Harmonie erreicht. 
Noch zusammengesetztere Verbindungen, die aus diesem in sich 
vollkommenen Dreiklange hervorgehen können und wirklich her- 
vorgerufen wurden, sind nur dann stilgerecht, wenn sie die Ein- 
heitlichkeit, die aus der kräftigen Hinweisung auf das Centrum 
(161; Beziehungen hervorgeht, nicht schwächen, sondern ver- 
stärken, welches nur durch koncentrische Anordnung der hinzu- 
kommenden Motive und dadurch erreicht wird, dass alles, was den 
Raum zwischen der Umrahmung und der herausgehobenen Mitte 
ausfüllt, mag es an sich noch so reich und künstlich geordnet sein, 
in der Gesammtwirkung sich den beiden erstgenannten Theilen 
vollkommen unterordne, gleichsam den Hintergrund und zugleich 
die Vermittlung für sie abgebe, ohne dass jedoch durch die Kon- 
traste, die dabei entstehen, das Prinzip der allgemeinen Flächen- 
einheit, dessen Aufrechthaltung namentlich bei Fussbodenverzier- 
ungen unbedingt nothwendig ist, verletzt werde. 
Also nicht mehr wie bei den Wandbekleidungen und selbst bei 
den Kleidern , Womit wir unseren Leib schützen, findet hier ein 
Wirken nach Unten und Oben (an „up and down" treatment) seine 
Anwendung, vielmehr nach ganz entgegengesetztem Prinzipe ent- 
weder ein Wirken nach allen Richtungen (an „all-0ver" treat- 
ment) oder koncentrische, radiale und aus beiden gemischte An- 
ordnung. 
Die Sache ist leicht fasslich, so lange es sich um regelmässige 
Abtheilungen, um Lineamente, Felder und Streifen, um geome- 
trische und sonstige einfache Formen, um Punkte, Kreissegmente 
und gerade Linien handelt, die in geordneter Zusammenstellung 
die Bodenfläche beleben sollen. Der gute Geschmack verwirft ein 
derartig zusammengesetztes System der Fussbodendekoration, wel- 
ches die Augen zu sehr auf die Erde herabzieht, eine Richtung 
dieses Sinnes, die dem erhabenen Ebenbilde Gottes auf Erden 
nicht gebührt. Er spricht sich noch entschiedener gegen ein 
solches System aus, wenn nicht durch den Reiz und den Kunst-
        

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