Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668113
'l'extile 
Kunst. 
Die 
Decke 
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Es sind Fälle denkbar, in Welchen die Symmetrie keinen Aus- 
druck haben darf, während die Proportionalität und aufwärts ge- 
richtete Gliederung allein formenbestimmend wirkt. Diese Fälle 
treten ein, wo Decken oder Bekleidungen nicht aus glatten Flächen 
bestehen, sondern faltenreiche Draperieen (aulaea) bilden. Es darf 
schon in ihrem allgemeinen Zuschnitte nichts liegen, welches dem 
proportionalen Verhalten der Theile unter sich und zu dem Ganzen, 
das durch sie verhüllt oder bekleidet Wird, entgegenwirken könnte. 
Die Falten müssen sich dem Organismus anschmiegen, seine Eigen- 
schaften hervorheben, seine formellen Mängel und Unentschieden- 
heiten verhüllen und korrigiren. 
Ueber 
das 
Fläche Figurirte. 
auf der 
Es war in dem Vorhergegangenen nur hauptsächlich auf das 
Allgemein-Formelle Rücksicht genommen worden, es bleibt noch 
übrig, nachzuweisen, wie die Gesetze der Symmetrie und Propor- 
tion bei aufrechten Wandflächen und herabhängenden Vorhängen 
sieh geltend machen in Rücksicht auf dasjenige, Welches auf diesen 
Bekleidungsflächen dargestellt oder figurirt wird. 
Der Grundsatz der Fläehenornamentation wurde schon 
oben als aus der formalen Grundidee der Flache als solcher her- 
vorgehend und ihr entsprechend nachgewiesen. Er folgert sich 
aber zugleich aus der Einheitlichkeit desjenigen, Welches durch 
die Bekleidung als Inbegriffliches und Ganzes gefasst wird und 
sich als solches nicht ungestört kund geben kann, wenn die Orna- 
mentation der umfassenden Flächen diesen die Eigenschaft des 
kontinuirlichen räumlichen Abschliessens und Umfassens schein- 
bar raubt. 
Das richtige Verhältniss des Umfassenden zu dem Umfassten 
muss sich ausserdem noch dadurch kund geben, dass dieses in 
seiner Wirkung, d. h. in allen seinen formalen Eigenschaften, so- 
wie in seinem Coldrite durch jenes kräftigst gehoben und getragen 
werde und auf ihm, gleichsam wie auf einem passend gewählten 
Hintergrunde, sich als Hauptsujet unverkennbar darthue. Dieses 
Ziel Wird aber wieder durch ganz dieselben Eigenschaften der 
Ornamentation erreicht, die sich aus dem formalen Begriffe der 
Fläche als solcher a priori entwickeln lassen und gleichzeitig der
        

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