Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668045
Die 
Decka 
Das Bedürfniss des Schutzes, der Deckung und der Raum- 
schliessung war einer der frühesten Antriebe zu industriellem Er- 
finden. Der Mensch lernte natürliche Decken, z. B. das zottige 
Fell der Thiere, die schützende Rinde der Bäume, in ihrem Wesen 
und ihrer Bestimmung erkennen, sie zu eigenen Zwecken nach 
ihrer richtig aufgefassten natürlichen Bestimmung benutzen, sie zu- 
letzt durch künstliches Geflecht nachbilden. Der Gebrauch dieser 
Decken ist älter als die Sprache, der Begriff der Deckung, des 
Schutzes, des Abschlusses ist unauflöslieh an jene natürlichen und 
künstlichen Decken und Bekleidungen geknüpft, die somit die 
sinnlichen Zeichen für jene Begriffe geworden sind und als solche 
vielleicht das wichtigste Element in der Symbolik der Baukunst 
bilden. 
Die Bestimmung der Decke bildet einen Gegensatz zu dem, 
was das Gebinde bezweckt. Alles Abgeschlossene, Geschützte, 
Umfasste, Umhüllte, Gedeckte zeigt sich als einheitlich, als 
Collectivität,  wogegen alles Gebundene sich als Gegliedertes, 
als Pluralität kund gibt. 
Wenn die Grundform des Gebindes linearisch ist, so tritt 
bei Allem, was decken, schützen und abschliessen soll, die Fläcshe 
als Formen-Element auf. Die Eigenschaften der Fläche, nämlich 
Ausdehnung nach der Breite und Länge, Abwesenheit der dritten 
Dimension als thätiges Element der Erscheinung, endlich Begren- 
zung durch Linien (gerade, krumme oder gemischte), verbunden 
mit der oben erwähnten allgemeinen Bestimmung der Decken, als 
einheitlich Umfassendes, bilden die wichtigsten allgemeinen Mo- 
mente, die den Stil der Decke bedingen.  
Hieraus ergibt sich nun erstens, dass die Hülle oder die 
Decke sich als Fläche manifestiren müsse. Schon dem 
ganz abstracten, um den Nutzen und das Zweckmässige unbeküm-' 
merten Schönheitssinne widerstehen daher derartige Decken, welche 
die Eigenschaft, Flächen zu sein, nicht besitzen, oder bei denen 
diese Grundeigenschaft wohl gar künstlich und nur scheinbar auf- 
gehoben ist, während sie ihrer Bestimmung entsprechend der That 
nach Wirklich vollkommene Flächen sind. Noch widersinniger er-
        

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