Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1667886
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Hauptstück. 
Zweites 
Verbindung 
auftritt. 
mit 
der 
Tektonik 
und 
dem 
Bekleidungsprinzipe 
Unter den Stoffen, die der Mensch seinen Zwecken dienstbar 
macht, ist das Metall dasjenige, Welches alle oben aufgezählten 
Eigenschaften der Rohstoffe in sich vereinigt; es ist plastisch 
erweiehbar und erhärtuiigsfähig, es ist biegsam, zäh, 
dem Zerreissen in hohem Grade widerstehend, es ist sehr 
elastisch und von bedeutender relativer Festigkeit 
(obschon diess wegen zu grosser Elasticität und Biegsamkeit seine 
schwächste Eigenschaft ist) und daher zu Stabkonstruktioncn sehr 
nutzbar; es ist endlich fest, von sehr homogenem und dichtem 
Aggregatzustande, dem Zerdrüeken zum Theil ungeheuren 
Widerstand leistend und in Folge dieser Eigenschaften mehr als ein 
anderer Stoff geeignet, sich durch Abnehmen von Theilen der Masse 
zu gewünschter Form bearbeiten und zu festen Systemen verbinden 
zu lassen. In Folge dieser allseitigen Behandlungsfähigkeit ver- 
einigt die Metallotechnik in sich alle vier Klassen der Technik. 
Dabei schliesst sie eine Fülle von übergänglichcn technischen 
Processen in sich ein, wie sie bei keinem anderen Materiale vor- 
kommen. So führt z. B. die Malleabilität der Metalle zu dem 
wichtigen Processe des Treibens. Davon verschieden ist der 
Proeess des Schmiedens, ein Uebergang zwischen dem Ver- 
fahren, das Metall als biegsam zähe Masse und demjenigen, es 
als dichten Körper stereotomisch zu behandeln. Andere Processe 
sind das Prägen und Münzen, das Löthen, das Schweis sen, 
das Nieten, die ebenso vielen stilistischen Besonderheiten ent- 
sprechen. Dazu kommen komponirte Processe, wie das Emailliren, 
das Nielliren, das Vergolden und viele andere, die alle für sieh 
betrachtet werden müssen und in Berücksichtigung des Einflusses, 
den sie auf die bildenden Künste und auf die Baukunst im Be- 
sonderen haben, für uns sehr wichtig sind. 
Wegen dieser grossen Bedeutung der Metallotechnik in den 
Künsten und der Schwierigkeit, die sich in der Rubricirung der 
genannten und noch anderer nicht genannter Processe des Metall- 
arbeitens unter die oben aufgestellten vier allgemeinen Klassen 
darbieten möchten, Wird es nöthig sein, der Metallotechnik eine 
besondere Rubrik zu widmen.
        

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