Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1667806
Erstes 
Haupttück. 
aus nacheinander Europa überschwcminten. Alle trugen die Re- 
miniseenzen früherer kultivirtercr Zustände mit hinüber. Am 
wenigsten verwischt zeigen sie sich bei jenen indo-germanischen 
Stämmen, welche den Süden Europas zuerst bevölkerten, den 
Japygicrn, Etruskern und Gräkoitalern. Im Norden und Westen 
stehen die Finnen an der Grenze der Geschichte. Sie gehörten 
einer in sich sehr harmonisch entwickelten Kulturform an, ob- 
schon diese über die Erfindung der Erzwaffen und Erzgeräthe 
hinausreicht. Vielleicht auch hatten sie den Gebrauch des Erzes 
wieder vergessen, wie dieses von den Neuseeländern behauptet 
wird , deren Geschicklickeit im Holzschnitzen und dem Asiatischen 
verwandtes Kunstgebahren allerdings die Möglichkeit zulässig 
macht, dass sie auf der metalllosen neuen Heimath den Gebrauch 
des Metalles nothgedrungen aufgaben. Das reiche Idiom der 
Finnen und die noch jetzt lebenden Ueberrcstc einer sehr aus- 
gebildeten Dichtkunst bei ihnen geben Beweise dafür, dass ihr 
Zustand ein vcrwilderter sein konnte, aber gewiss kein ursprüng- 
lich wilder war. 
Ihnen folgten die Kelten, die sie an die äussersten Marken 
Europas drängten, wo sie aus dem ackerbauenden Zustande in 
den des Jäger- und Fischerlebens zurüekverfielen. Die Kelten 
kannten den Gebrauch des Erzes und wussten dasselbe zu ge- 
winnen. Auch sie waren die friedlosen Ausstösslinge eines socia- 
len Körpers, dessen ursprüngliche gesellschaftliche Formen auf 
der Wanderung sich nur bruchstücksweise erhielten. Ihnen folg- 
ten die eisenkundigen Germanen und machten sie dienstbar. Auch 
diese germanischen Horden, ohne nationalen Zusammenhang, doch 
durch gemeinsame Sprache verbunden, waren von der Gesellschaft 
ausgestossene Heimathlose und wahrscheinlich durch langes Um- 
herziehen mehr als ihre Vorgänger verwildert. 1 Finnen, Kelten, 
Germanen, Skandinavier, Slaven, alle haben Reminiscenzen frü- 
herer Bildung und diesen entsprechende Traditionen der Baukunst 
mit sich in den Westen hinüber getragen, die bei der Neugestal- 
tung der Gesellschaft nach dem Vcrfalle des Römerthumes als 
thätige Elemente der neuen Gesellschaftsform und der aus ihr 
hervorgehenden neuen Kunst mitwirkten, ein Umstand, der, wie 
1 Ein Volk von Ackerbau 
keine Urzuständo aufzuweisen, 
nur Verwilderung. 
und Viehzucht treibenden Hinterwäldlern hat 
sondern wie jene nordamerikanischen Ansiedler
        

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