Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672998
Textile 
Kunst. 
Schlussbemerkungen. 
517 
Die blaue Farbe von den Wänden des nördlichen Flügels der Propyläen, 
die Faraday bestimmt konstatirt, ist nicht dem Inne rn, sondern dem Aeu s- 
seren dieses Gebäudes entnommen, welches Hettner hätte wissen können, 
wenn er nicht zu flüchtig durch die Pinakothek links von den Propyläen hin- 
durch geeilt Wäre (Seite 79 seiner Reiseskizzen); er hätte sich dann über- 
zeugt dass die Beschaffenheit der inneren Wände dieses Raumes die Annahme 
als seien sie jemals bemalt gewesen von vorneherein nicht aufkommen lässt; 
ausserdem weiss ich aus Donaldson's eigenen mündlichen Mittheilungen und 
dem was er in den transactions of the institute of brittish Architects darüber 
veröffentlichte dass die fraglichen IParben von dem Aeusseren der Propyläen 
herrühren. 
Die äusseren Wände dieses wcissmarmornen Gebäudes also hatten nach 
Faradafs Analyse blaue Farbe auf sich; derselbe Chemiker konstatirt 
auch die Existenz von wohlriechendem Harze und Eisen in den Krusten, 
die von den Säulen des Theseustempels abgenommen worden. Somit werden 
meine Wahrnehmungen Punkt fiir Punkt durch diese Experimente bestätigt, 
trotz der wegwerfenden Phrase womit Kugler diess zurückweist, „als lohnte 
es sich nicht der Mühe ernsthaft darüber weiter zu sprechen." 
Ich habe nämlich wiederholt erklärt dass mehrere distinkte Prinzipe der 
Färbung an den griechischen Marmortempelu hervortreten. Alles Struktive 
ist der allgemeinen Masse nach, analog dem Nackten der Statuen, mit einer 
ßucpü, einer harzigen vegetabilischen durchscheinenden Farbe, dünn über- 
zogen, oder vielmehr geheizt; auf dieser allgemeinen Lasur wurden dann die 
Ornamente der Glieder und Flächen enkaustisch mit dicken Farbenkrusten 
aufgesetzt, welches Verfahren kein eigentliches Malen, sondern mehr ein 
Emailliren mit Wachspasten gewesen sein muss. Die Wände, oder doch 
wenigstens Theile der Wände, waren in dieser zweiten Manier behandelt, wo- 
bei das Blau wohl am häufigsten vorkam. Ich wenigstens fand dasselbe Blau, 
(das grünlich helle) was in den Gründen der Friese etc. vorkommt, an der 
einen Ante des Opist-hodom des Theseustempels, und zwar in so guter Erhal- 
tung und in solcher Menge dass ein Irren hierüber ganz unmöglich ist. 
Ich bin versichert, hätte sich Herr Hettner eine Leiter verschafft, um die von 
mir bezeichnete Stelle zu untersuchen, er hätte den Fleck nach 20 Jahren, 
die seit der Zeit meines Aufenthaltes in Athen vergingen, noch wieder gefunden. 
 Herr Donaldson fand das Gleiche an der iiusseren Cella des Propyläen- 
fiiigels. Dass aber die Mauerfiächen eintönig blau waren ist darum durchaus 
nicht anzunehmen, noch meines Wissens von irgend Jemand behauptet wor- 
den, vielmehr waren wahrscheinlich gewisse Theile, vornehmlich die grossen 
Platten an 'den Füssen der Mauern, anders und zwar dunkler gehalten. Auch 
mögen die Wände Felder in verschiedenen Farben und einen {besonderen 
Fries gehabt haben, nicht selten auch äusserlich mit gemalten Darstellungen 
verziert gewesen sein. Was die struktiven Theile betrifft so mögen sie 
bald heller bald dunkler gewesen sein , aber niemals ganz weiss. 
Ich fand, wie gesagt, dort warmes Gelbroth, mastyxartig durchscheinend, 
womit das Urtheil des berühmten Chemikers  der wohlriechendes Harz 
und organische Substanzen fand. vollkommen übereinstimmt. Auch wissen 
wir von den Alten dass man sich zu ähnlichen Zwecken des Safrans,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.