Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672947
522 
Viertes Hauptstück. 
sehr gefehlt. -Eine Stele, ein Zeichen aus der Ferne (617942), wurde vielleicht 
nach alter Ueberlieferung von weissem Steine errichtet und weiss gelassen; 
auch steht vielleicht diess Weiss der Stelen mit dem Hekatekult im Zusam- 
menhang, deren Statue nach Plinius ebenfalls weiss war;  Udoch ist es dieser 
pindarischen Phrase gegenüber auffällig dass gerade Stelen bekanntlich die 
einzigen griechischen Monumente sind an denen sich unbestrittene Spuren 
nicht nur von Gemälden sondern auch des Roth, womit die Hauptiiächen des 
Steines überzogen waren, erhieltenß  Auch auf buntfarbigen Vasen kommen 
rosenfarbige Stelen vor. 2 
Die von Ulrichs urgirten Stellen aus römis chen Dichtern könnte ich füg- 
lich ganz übersehen, da schon im Texte gezeigt worden ist, wie der polylithe 
Stil den weissen Marmor als solchen zulässt; jedoch würde sich diess schwer- 
lich aus dem 8ten Buche des Virgil beweisen lassen, wo der Dichter den aus 
Silber, Gold etc. getriebenen Schild des Aeneas des Breiten beschreibt, und 
uns" unter anderen darauf befindlichen Caelaturen (wie die Porticus des 
Kapitals aus Gold, die silberne Gans und die gleichfalls aus demselben 
Metalle gemachten Gallier mit goldenem Haar und goldgestreiften Röcken) 
auch die schneeige Schwelle des palatinischen strahlenden Apoll verführt. 
Diese Schwelle (pars pro toto) bezieht sich wahrscheinlich nur und allein auf 
die berühmten Elfenbeinthiiren, die August in den Tempel des palatinischen 
Apollo stiftete. Uebrigens sind Eigenschaften wie candor, splendor, nitor, 
welche dem weissen Marmor und dem Mörtelstuck von Dichtern und Prosaisten 
beigegeben werden, keineswegs solche, die mit der weissen Farbe der genann- 
ten StoEe verschwinden, wie folgende Stellen des Vitruv unter vielen andern, 
unumstösslich darlegen: 
(Vitruv. VIII. 3.]    . sed et bacillorum subactionibus fundata soliditate 
marmorisque candore {irme levigato, coloribus cum politionibus 
inductis, nitidius expriment splendores. 
(Vitruv. VII. 7. sub fine)    . quibus inductis et diligenti tectorum fri- 
catione levigatis colorum ratio habeatur ut in his perlucentes ex- 
primant splendores .  . .  
Hier sei es getattet, noch schliesslich auf ein glänzendes Bild aus 
Ovids Metamorphosen hinzuweisen, von dem ich nicht weiss, ob es schon 
mit unserem Gegenstands in Bezug gesetzt werden ist. In Metam. X. 591 
heisst es nämlich von der im raschen Wettlaufe erhitzten Atalanta: 
. . .  Cursus facit ipse decorem. 
Aura. refert oblata. citis talaria plantis 
Tergaque jactantur crines per eburnea, quaeque 
Poplitibus suberant picto genualia. limbo; 
Inque puellari corpus candore ruborem 
Traxerat. haud aliter, quam cum super atria velum 
Candida purpureum simulatas inficit umbras. 
v 
1 Schon Fauvel hat dergleichen beschrieben 
Vorkommen. Kunstblatt Nr. 59 des Jahrg. 1838. 
2 38-0111 Rochette peint. antiques sub (ine. 
Rosa 
und 
bestätigt 
deren
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.