Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672918
'l'exti1e 
Kunst. 
Schlussbemerkungen. 
519 
will, nämlich sie beweist erstens dass weisse naturfarbige Marlnorstatuen eine 
Seltenheit waren, und zweitens dass der Opisthodom, also die. Aussenwand, des 
Tempels der Diana zu Ephesus nicht weiss war, weil das Marmorbild nur dann 
so auffällig blenden konnte, wenn es sich von dunklem Grunde abhob. Meinte 
der Tempeldiener die Weisse des Tempels und nicht die des Bildes, wie 
Ulrichs und Kugler wollen, so konnte er seine Warnung füglich früher äus- 
sern und brauchte sie nicht erst an die Besichtigung des Opisthodoms zu 
knüpfen; ausserdem ist in dem betreffenden Kapitel des Pliuius von M armor- 
statuen und nicht von dem Tempel der Diana die Rede. Die hoiiärtig ab- 
weisende Art wie Kugler der seiner eigenen entgegengesetzten Auffassung des 
Sinnes dieser mindestens zweideutigen Stelle begegnet, ist wieder ganz in 
seinem Stile. 
Nun doch noch einige Worte über die Siphnier und deren weissen Markt; 
wir beide, Hittord und ich, sollen den Punkt, um den es sich hiebei allein 
handelt, trotz der ausdrücklichen Hinweisung auf ihn seiten Kuglers, nicht be- 
merkt haben,  wir haben ihn sehr wohl bemerkt, aber nicht zugegeben, 
nämlich dass, „wo parischer Stein (edler weisser Marmor) zur Ausstattung 
eines Gebäudes verwandt wird, da die Erscheinung des letzteren, wenig- 
stens in der Hauptmasse, weiss sein soll:  denn gerade das Gegentheil da- 
von beweist diese Stelle, und Kugler mag sich winden wie ein Aal, er kommt 
aus der Reuse nicht heraus die er sich selber stellte. 
Uebrigens habe ich bei meinem früheren Begegnen Kuglers wegen dieser 
Stelle Herodots nicht entschieden behauptet: "man müsse wie statt des rothen 
Heroldes einen weissen so statt der weissen Gebäude deren in rother Farbe als das 
Gereirnte bezeichnen," vielmehr mich wegen der Gewagtheit dieser Consequenz 
bei meinen Lesern entschuldigt. Diess nur um zu zeigen wie es nicht gentil 
sei, bedingcndc und motivirende Worte des Autors bei Citirung seines Textes 
wegzulassen. 
Kugler findet meine Einwürfe gegen seine Auslegung des herodotischen 
vielbesprochenen Textes hübsch, nur gehe ich dabei von einer ganz willkür- 
lichen Voraussetzung aus und somit falle meine "glückliche Conjektur" über 
den Haufen. Eine traditionelle Gewohnheit die Herolde weiss zu sehen habe 
bei den Alten gar nicht existirt; ich brauche nur an die "bekannte" Stelle 
in der Lysistrata' des Aristophanes, die auch Plutarch im Kimon citire, er- 
innert zu werden;  und nun legt er mir die betredende "bekannte" Stelle 
nach Droysens Uebersetzung vor, die gerade in dem Punkte warum es sich 
handelt ungenau und willkürlich ist; denn in dem Originale ist von gar kei- 
nem Heroldsmantel sondern von einem rothen Kriegsgewande und dessen 
polychromem Contraste mit der Blässe des als Schutzflehender auf dem 
Altare sitzenden Feldherrn Perikleidas die Rede. Diese Stelle ist so zu 
sagen die Travestie der anderen herodotischen, mit ähnlichen, nur komischen, 
Gegensätzen, und desshalb zur Erläuterung und Bestätigung meiner Auffassung 
1 Lysistrata 1065. 
Ei'z', ni lanrßvsg (11196; yzizg 15,145; tpäwonar.) 
d'un iirif 31' 52.3611 66'590 Hsgmlsiöozg 1mm? 
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