Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672885
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Viertes 
Hauptstück. 
genannten, der gothischen Pfeilerkirche im Allgemeinen zu machen- 
den, Vorwurfes bedacht war.' 
Der polychromen Pracht der Wände und der Gewölbe ent- 
sprach in jener schmuckliebenden orientalisirenden Zeit der gleich- 
falls polychrome meistens aus glasirten oder eingelegten Ziegeln 
mosaikartig zusammengemusterte Fussboden. Das geometrische 
Gesetz, was die ganze bezeichnete Kunstrichtung beherrscht, findet 
hier die befriedigendste Anwendung und es zeigt sich an den 
gothischcn Mosaikfussböden eine Logik der Disposition und des 
Stiles, den man an den antik-römischen Fussböden sehr häuiig 
vermisst. Es wird sich in dem Hauptstücke Keramik Gelegen- 
heit bieten, darauf zurückzukommen. 
Das östliche Reich behält in seiner geistigen Erstarrung die 
'l"raditi0nen des späten Römerthumes mit geringen Abänderungen 
bei, so dass sich unser an sich so weites Thema nicht wohl ohne 
unvermeidliche Wiederholungen schon berührter Dinge durch das 
Mittelalter dieses Reiches bis zu dessen Untergang verfolgen liesse. 
Dasselbe gilt im Ganzen auch von dem eigentlichen Osten, 
wo uralte Erscheinungen in erneuerter Form immer wieder her- 
vortreten und sich die altchaldäische Tradition der Wand- und 
Strukturbekleidung fortwährend erhalten hat. 
Doch zeigen sich in den verschiedenen Verzweigungen des 
arabischen Baustiles (sowie auch in Byzanz) merkwürdige theilg 
Verbindungen theils Conflikte zwischen dem Prinzipe der poly- 
chromen und polylithen Verhüllung der Konstruktion und dem 
entgegengesetzten, der Benützung, ja des stets barbarischen 
Missbrauches, konstruktiver Formen zu spielend dekorativen 
Zwecken, Sonderheiten des Stiles die sich auf verschiedene Weise, 
je nach den Zeiten und den Einzelnrichtungen der stamm- und 
glaubensverwandten Völker des Orients, anders modificirten. 
Hierauf des Weiteren zurückzukommen wird sich in den fol- 
genden Hauptstücken Gelegenheit bieten. 
Vergl. 
den 
Artikel 
Chapelle 
in 
dem 
Diction. 
d'Arch. 
VOU 
Viollet-le-Duc.
        

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