Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672807
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Viertes Hauptstück. 
Verstecken des Kostbareren durcheweniger Kostbares, wurde von 
ihm nachgeäfft; Plinius führt an dass unter Nerds Herrschaft 
erfunden wurde den Schildpatt, womit die Möbel furnirt waren, 
so zu bemalen dass er aussah wie Holz.  Der Missbrauch des 
Glases zu dekorativen Zwecken wurde bald nach August, (schon 
zu Cicerols Zeit hatte die Glasfabrikation in Rom Eingang ge- 
funden,) auf das Aeusserste übertrieben; eben so der emblema- 
tische Schmuck geschnittener Halbedelsteine von bedeutender 
Grösse, ciselirten Silbers, skulptirten Elfenbeines u. s. W. Ausser 
den Nachrichten der Schriftsteller, die sich mit einer gewissen 
Vorliebe über diesen Luxus des Breiteren auslassen, fehlt es nicht 
an Funden, die ihn bestätigen._ Der Boden Roms ist gleichsam 
übersäet mit Glasscherben, Resten von Wand- und Fussboden- 
bekleidungen aus künstlich gemustertem und skulptirtem Glase. 
Zu Veji fand man einen Fussboden aus kompactem Glase von der 
Grösse des Zimmers. Kameenartig geschliffene zweifarbige Gläser 
(nach Art der Portl-andvase) finden sich zum Theil noch mit den 
Stucküberresten der Mauer, in die sie gefügt waren. Auch fehlt 
es nicht an Bruchstücken achter Glasmalerei. Auf dem Palatin 
fand man "unter anderen Trümmern der römischen Pracht eine 
ganz mit Silberblech inkrustirte Stube, und in das Silber waren 
edle Steine eingelassen. (Bartoldi Memorie Nro. 101. 102. 118.) 
Vielleicht rührt sie aus Nele's Zeit, dessen Haus ganz mit Gold 
bekleidet und mit Gemmen und Perlmutter eingelegt war. (Such) 
Im 17. Jahrhundert fand man auf dem Aventin eine Stube deren 
Wände hinter vergoldeten Bronzeplattcn mit inkrustirten Medaillen 
verschwanden. 
Diese und andere 'l'rüm1ner antiker Wandbekleidungen be- 
stehen zum Theil aus unzersetzbaren Stoffen, wessbalb der in den 
Jahrhunderten des späteren Römerreiches herrschende Geschmack 
für polychrome Architektur und Bildnerei an ihnen deutlich und 
unleugbar hervortritt. Polychrom sind sogar die Elfenbeingetäfel 
die man, dieser Zeit angehörig, gefunden hat; polychrom sind die 
in der Hadriansvilla entdeckten Mosaikreliefs, denen andere viel 
ältere griechische, die früher erwähnt wurden, entsprechen. Sie 
legen. daher unwiderlegliehes Zeugniss ab von der bis zu dem 
Untergange der antiken Kunst fortbestehenden Herrschaft der 
Farbe in der Skulptur und in der Baukunst und sind zugleich ein 
indirektes Argument für das Alterthum dieser Herrschaft, da die
        

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