Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672796
Kunst. 
Textile 
Die 
Römer 
Verfalle. 
503 
in welcher Richtung selbst die spatrömische Baukunst noch 
Grossartiges hervorbringt, das formal-tektonische Element da,- 
gegen verkümmert zusehend und kehrt immer entschiedener 
zurück zu dem asiatischen Bekleidungsrnaterialismus. Dieselben 
glänzenden buntgestickten Hüllen, Welche gleichsam die Windeln 
der antiken Kunst waren, sollten auch die Grabtücher sein, worein 
sich ihre Mumie verpuppte. Wie sehr gleicht der Tepnichreich- 
thum, die Verschwendung edler Metalle, womit die Mauern und 
Strukturen aller Art beblecht sind,_die J uwelierarbeit und Email- 
leursgeschicklichkeit, vergeudet für Wände, Decken und Fuss- 
höden, das Getäfel der Räume mit Jaspis und Elfenbein, mit Glas 
und Bernstein, die Mosaikmalerei und sonstiger Bekleidungs- 
schmuck, für den das asiatisirende alternde Rom seine geraubten 
Schätze preisgibt, wie sehr gleicht alles dieses der barbarischen 
Pracht der zugleich rohen und raffinirtexi chaldäisch-assyrischen 
inkrustirten Erdvs-iinde! 
Ein grosser Theil des Luxus der späten Kaiserzeit war schon 
den Diadochen nichts Neues, und unter Nero, ja schon unter 
Augustus, in Rom eingeführt, aber er Wusste sich Wenigstens noch 
einigermassen innerhalb der Schranken des allgemeinen archi- 
tektonischen Gesetzes zu bewegen, und der Kostbarkeit der 
Stoffe entsprach noch die Kunst die ihre Verarbeitung über- 
nahm, obschon der Rückschritt, den letztere bereits unter den 
Ptolemäern gemacht hatte, ausdrücklich bei der Beschreibung 
des durch seine unglaubliche Pracht berühmten ptolemaischen 
grossen Nilschiifes (des Talamegos) mit Bedauern erwähnt wird. 
Des Rufiinus Bericht von dem ptolemäischen Serapeuni zu 
Alexandria, wonach das innere Heiligthum dreifach, zuerst mit 
Gold, dann mit Silber, zuletzt mit Erz belegt war, zeugt davon, 
wie ein tiefsinnig-religiöses Herkommen, das auch Phidias achtete 
aber zugleich künstlerisch verwerthete, unter verschrobenen Zeit- 
verhältnissen zu" plattestem Unsinn wird.  
Mit dieser asiatischen Pracht wetteiferte zu Rom schon M. Scau- 
rus bei seinem hölzernen Theater, dessen (lreistöckige Scene mit 
Marmor, Gold und Mosaik belegt war. Unerhörtes, später nicht 
mehr Erreichtes, wagte in dieser Richtung der tolle Nero in sei- 
nein goldenen Hall-SGI. Die alexandrinische Stoffverhüllung, das
        

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