Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672780
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Viertes 
Hauptstück. 
Hauptstückes und besonders in dem Hauptstücke Keramik Eini- 
ges folgen. Die Technik des Ueberziehens der weissen und bun- 
ten Marmorarbeiten sowie der Mörtelüberzüge blieb bei den Rö- 
mern unverändert, nur niusste die Anwendung derselben in 
der Römerzeit durch die Einführung der polylithen Dekoration 
einige Modiiicationen erleiden, auf die bereits hingedeutet wor- 
den ist. 
S0 hatte zu Augustus Zeiten die antike indogermanische Bau- 
kunst eine neue Phasis ihrer Geschichte betreten, indem zuerst 
das konstruktive und stoffliche Element mit vollem Bewusstsein 
seiner Bedeutung in sie aufgenommen wurde. Diese struktive 
Richtung, verbunden mit der Massenhaftigkeit und Weiträumig- 
keit, Welche der römische Baustil besonders mit Hülfe des Bogens 
sowie des nunmehr bereits mit grösster Kühnheit und technischer 
Sicherheit gehandhabten Kreuzgewölbes und der Kuppel erstrebte, 
verbunden endlich mit jener Eigenschaft des römischen Werkes 
sich jeder Umgebung zu fügen, in die Natur einzugehen und 
doch zugleich sie zu beherrschen, sich ihr mikrokosmisch gegen- 
über zu stellen, macht den römischen Baustil zu dem architek- 
tonischen Ausdrucke des grossartig materiellen weltlichen und 
zugleich weltbeherrschenden Kaiserthurnes! 
Verfalls. 
Die Römer im 
Wir berühren nun noch in aller Kürze den Ausgang und das 
letzte Regen dieses Kaisergedankens vor seinem Verscheiden, so- 
weit sich diese Todeszuckungen in dem Verfalle der Baukunst 
verrathen,  natürlich von dem Standpunkte aus betrachtet, der 
uns hier speziell beschäftigt. 
Dieser Zeitpunkt ist dadurch charakteristisch, dass das struk- 
tiv-lithotomische Element, das zur Zeit der Blüthe des 
Kaiserthums mit dem antik-hellenischen fo rmal-tektonis chen 
Elemente vermählt und innig verbunden erscheint, sich von letz- 
terem trennt. Bei diesem Zersetzungsprozesse entwickelt sich 
das struktive Element einseitig immer mehr als Massenbau,
        

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