Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672776
Textile Kunst. 
Römer als Welteroberer. 
Die 
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als auf die eigentlichen Farben dieser circumlitio, deren Ueber- 
reste ohnediess nicht hinreichen um das ganze System der 
Polychromie welches bei diesem Monumente in Anwendung 
kam wieder herzustellen. Wo immer man irgend ein antikes 
Werk aus weissem Marmor, sei es Skulptur oder Architektur, 
das noch einigennassen äusserlich seine Integrität behielt, etwas 
näher untersucht, findet man Spuren desselben resinösen Üeber- 
zuges, dessen Vorhandensein sich unmöglich überall aus zufälligen 
Ursachen erklären lässt. Dieser Ueberzug ist an einigen Stellen, 
namentlich an dem Nackten der Figuren und an den Haupt- 
ilächen der konstruktiven architektonischen Theile, nämlich an den 
Säulenschäften, an den Architraven und an der hängenden Platte, 
transparent und ohne messbare Dicke; an den Gewändern jedoch, 
an gewissen ornamentirten Theilen, sowie an den Wandilächen, 
ist er opak, (welche Opacität in gewissen Fällen durch Zusatz von 
Gyps oder Kalk, in anderen durch den der Fritte oder sonstiger 
opaker Farbstoffe zu der Wachsmasse erreicht wurde) und ziem- 
lich dick, gleichsam ernailartig, aufgetragen. Bei dem Nackten und 
überhaupt bei allen Theilen wo die Weisse des Marmors wirken 
sollte wurde diese dennoch vorher durch eine Beize (ßoecpii) ge- 
brochen und nach Umständen gefärbt, worauf hernach der farb- 
lose Wachsüberzug erfolgte, nach dem von Vitruv (VII. cpt. 9.) 
angegebenen Prozesse, welcher Autor deutlich zu verstehen gibt 
dass nur das Nackte der Marmorstatuen (also nicht die Beklei- 
dung) auf diese Weise behandelt wurde. Diese Kausis, dieser 
durchsichtige Wachsüberzug, ist wohl zu unterscheiden von der 
dicken enkaustischcn mosaikartigen Malerei, in welche die cir- 
cumlitio im Ornamentalen überging und wovon sich, nach meinem 
am Theseustempel und an den Figuren des Parthenon angestell- 
ten Beobachtungen wiederum die ganz opake kalkhaltige Malerei 
der Gewänder jener Figuren unterscheidet. Die Vergoldung 
wurde auf eine rothe Bolusmordente oder auf Goldocker gelegt 
und hernach nochmals mit Hülfe der Enkausis fixirt und gegen 
die Einflüsse des Wetters geschützt. Diess sind in kurzer Angabe 
die Resultate meiner Beobachtungen bezüglich dieses materiellen 
Theiles der Frage über Polychromie auf weissem Marmor bei den 
Alten, die mit den darauf hinweisenden Stellen der alten Schrift- 
steller vollkommen übereinstimmen. Ueber andere dieselbe Frage 
betreffende Punkte wird noch in dem Schlussparagraphen dieses
        

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