Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672745
498 
Hauptstück. 
Viertes 
Man sieht hier den Gegensatz der alten griechischen Poly- 
chromie, die den Stein als Stück Mauer nicht hervortreten lassen 
will, die ihn desshalb durch Malerei verhüllt, wi-iihrend hier gerade 
das Umgekehrte erzweckt, der Stein durch Malerei und andere 
Mittel geflissentlich in seiner Materie und in seiner struktiven 
Thätigkeit als Füllung und sogar als Quader hervorgehoben und 
ausgezeichnet wird.  
Auch ohne diese sehr interessanten aber stets missverstandenen 
Nachrichten würden die Monumente aus der Zeit wie römische Bau- 
weise die überall herrschende geworden war über die wichtigen Ver- 
änderungen in der Dekoration, von denenijene Nachrichten sprechen 
und die das Prinzip des Bauens im Allgemeinen sehr nahe berühren, 
keine Zweifel gestatten. An allen Tempeln und sonstigen Monu- 
menten römischer Kaiserzeit tritt der Quaderschnitt und die scharf 
markirte winkelrecht vertiefte Steinfuge uns als wichtigstes dekora- 
tives Element entgegen, das sogar, (zwar im Anfang nur zufällig 
bei unfertig gelassenen Bauwerken, wie an dem Amphitheater zu 
Verona,) sich auf das eigentliche Säulengerüst und die Gebalke 
ausdehnt, Während bei früh-italischen und griechischen Tempeln 
aus guter Zeit das Mauerwerk oder gar das Gefüge der Quader 
an den Säulen und Gebälken nirgend erscheint und architek- 
tonisch wirkt. Zugleich bemerken wir an allen mit Quadraturen 
verzierten Wänden zu Pompeji, wo sie äusserlich und innerlich 
derartig dekorirt vorkommen, eine gerade hier besonders lebhafte 
Polychromie, bestehend in der Nachahmung bunt mit einan- 
der abwechselnder Marmorquader sowie in der farbigen Aus- 
zeichnung der Fugen. Wir dürfen überzeugt sein, dass ehemals 
die Tempel die jetzt als Ruinen farblos sind, mit Einschluss der 
Tempel und Monumente aus weissem Marmor, an den betreffen- 
den Stellen eben so farbig dekorirt waren.' 
Der weisse Marmor durfte nach der neuen polylithen 
römischen Baukunst als weisses Element des poly- 
lithen Systemes in seiner Naturfarbe bleiben. Diese 
veränderte sich aber schon durch die auch von den Römern für 
alle Marmorsorten beibehaltene Circumlitio, und ausserdem war 
der weisse Marmor als solcher nicht mehr hoch geachtet, (wie 
aus des Plinius Mittheilungen über den Säulenluxus der Römer 
1 Hierzu gehört der Farbendruck Tab. XV, die Dekoration eines pompsia. 
mischen Atrium vorstellend. 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.