Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672734
Textile 
Kunst. 
als 
Römer 
Die 
Welteroberer. 
497 
auf dem mons Coelius aus. M. Catulus erstreckte diesen Luxus 
zuerst auf den Fussboden, er legte in seinem Hause Schwellen 
aus numidischem Steine. Die Theaterscene des Scaurus War unten 
mit Marmorkrusten belegt, der Tempel des Jupiter Tenans auf 
dem Kapitole das erste, oder eins der ersten, Gebäude die aus vollen 
Marmorquadern nach griechischer Konstruktion ausgeführt Wurden. 
Aber das Wichtigste was'Plinius über diesen Gegenstand 
gibt ist seine Klage über den Verfall der Malerei, dass sie gänz- 
lich von den Marmorn, d. h. V01] der polylithen Wanddekoration, 
aus dem Felde geschlagen sei:1  
"Jetzt tritt schon das Gold dafür an die Stelle und statt der Be- 
kleidungen der iVände mit Marmortafeln aus dem Vollen, schneidet 
man sie aus und fügt sie in Verzahnungen (Echankrüren) so an- 
einander, dass auf den Platten allerhand Gegenstände und Thiere 
abgebildet erscheinen. Schon sind die viereckigen Füllungen aus 
Marmor und die in die Wohnzimmer versetzten Felswände nicht 
mehr Mode, wir fingen an das Gestein zu malen? Diese Er- 
findung wurde unter dem Kaiser Klaudius gemacht; aber unter 
Nero wurden die nicht vorhandenen Adern und Drüsen mit bun- 
tem Gesteine in das Marmorgetäfel eingelegt, der numidische 
Marmor erhielt Purpuradern, der synnadische solche, die der ver- 
feinerte Hofgeschmack gerade wünschte. So wird der mangel- 
haften Natur des Gesteines nachgeholfen und hört der Luxus 
niemals auf dafür zu sorgen, dass bei Feuerbrünsten so vieles als 
möglich zu Grunde gehe."  
' Es ist unbegreiflich, dass Gegner der Polyßhromie, Wie Kügler und an- 
dere, diese und die oben angeführte Stelle des Seneea citiren konnten, damit 
sie zu Gunsten ihrer Meinung zeugten! 
9 Es handelt sich nicht um eine Bemalung des Gesteins, sondern um das 
Darstellen desselben durch Malerei. Ich vermuthe sogar, dass hier lapis für 
lapis quadratus stehe und der Satz so zu übersetzen sei: "Vlfir fingen an die 
Wände mit gemaltem Quaderwerke zu dekoriren," welche wichtige Neuerung 
jener Zeit in der Dekoration der Wände wohl der Mühe werth war notirt zu 
werden. Doch ist es wohl möglich dass Plinius nur das einfache Malen derjeni- 
gen falschen Adern und Drüsen auf Marmor gemeint habe wofür unter Nero 
das kostbare Mittel des Einlegens mit hartem Gesteine in den Marmor erfunden 
ward. Der Passus spricht weder nach der einen noch nach der anderen Ueber- 
setzung gegen die Polychromie auf Marmor, so wenig wie der vorher citirte 
aus Senecaüs Briefen, sondern vielmehr in beiden Fällen deutlich zu Gunsten 
meiner Auffassung der Polychromie. 
Semper.
        

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