Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672722
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Hauptstück. 
Viertes 
arm und miserabel eingerichtet wenn seine Wände nicht von 
mächtigen und kostbaren Marmorfiillungen strahlen; wenn nicht 
alexandrinischer Marmor mit numidischen Tafeln kontrastirt; 1 
wenn nicht die kunstvolle und nach Art der Malerei in Farben 
wechselnde Circumlitio (der Wachsüberzug der auch bei buntem 
Marmor niemals fehlte) überall die Marmorfelder bunt umsäumt; 
wenn nicht die Decke hinter Spiegelglas unsichtbar wird. 
Dieser Passus, ausserdem dass er uns einen Beweis von der 
zu Senekafs Zeit selbst unter den Mittelklassen herrschenden Ver- 
schwendung in der Richtung der polylithen Wanddekoration gibt, 
ist besonders wichtig auch desshalb weil er zeigt dass die cir- 
cumlitio, die nichts anderes als diejenige Art von Glasur sein 
kann die man allen marmornen Kunstprodukten, sowohl Statuen 
wie Architekturtheilen, nach antikem Herkommen zu geben pflegte, 
zu polychromer Dekoration benützt ward, indem man sie abtonte 
und an gewissen Stellen buntfarbig variirte. 2 Ich erkenne in die- 
sem Satze die kürzeste und doch genaue Beschreibung derjenigen 
Procedur, die sich noch so deutlich in ihren Spuren an den 
Marmortempeln Athens und an vielen Statuen erkennen lässt 
Hier mit einigen Auslegern an Mosaikverbrärnungen zu denken, er- 
laubt nicht die bestimmte Bedeutung des Wortes circumlinire, mit 
einer deckenden (zunächst flüssigen) Substanz ganz überziehenß 
Zu Plinius Zeit hatte man schon bedeutende Fortschritte in 
dieser neuen Dekorationstechnik gemacht;  er gibt die Ge- 
schichte der Einführung des Marmors in Rom.  Das erste Bei- 
spiel gab der Redner L. Crassus, der für sein Haus auf dem Pa- 
latinus sechs kleine nur zwölf Fuss hohe Säulen von dem Hymettus 
bezog. Ihm folgte M. Scaurus, der während seiner Aedilität 
360 Säulen zur Scenenausschmückung seines provisorischen Thea- 
ters herbeiholte. Er verwandte später die schönsten und grössten 
derselben um das Atrium und das Peristyl seines Hauses auf dem 
Palatin damit zu schmücken. 
Die ersten Marmorbekleidungen der Wände führte Mamurra, 
der praefectus fabrorum des J. Caesar in Gallien, in seinem Hause 
.1 Nisi alexandrina marmora Numidicis crnstis distincta sunt: Senec. epist. 
86, 5. Ich glaube nicht dass hier Seneca schon an das künstliche Marmoriren 
der Platten gedacht habe, dessen Plinius erwähnt. 
2 Operosa et in modum picturae variata circumlitio. 
3 Horaz sagt: Musco circumlita saxa.
        

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