Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672645
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Viertes Hauptstück. 
unzertrennlich von dem dasselbe schützenden Stueküberzuge zu 
denken hat. Hierüber gibt das 2te Buch des Vitruv die zuver- 
lässigsten Daten, die auch durch Plinius bestätigt werden, der sie 
entweder von ersterem entlehnte oder mit ihm aus Einer Quelle 
schöpfte. Nach diesen Nachrichten waren zu Athen sogar Stadt- 
mauern, sowie die Zellenwände des olympischen Zeustempels, opus 
lateritium, das also zu der Zeit der Pisistratiden noch für Pracht- 
gebäude und zur Befestigung angewandt wurde. Auch zu Rom 
war es noch in später Kaiserzeit in häufigem Gebrauche und 
wurde es Wegen seiner Solidität anderem Maucrwerke vorgezogen, 
Wahrscheinlich führten Italer schon nach asiatischem Vorbilde 
ihre Bögen in diesem Materiale aus und finden die Antepag- 
mente oder Arehivolten aus dieser Stotfanwendung noch natür- 
lichere Erklärung.  Nur zu Wallmauern, Wasserwerken und 
Substruktionen wandte man die Saxa quadrata oder die lapides 
quadratos, die Quadersteine an, jedoch eigentlich nur, wie in 
dem Abschnitte über Steinschnitt gezeigt werden wird, nach eben- 
falls asiatischem Vorbilde, zu der lnkrustirung eines aus minder 
festem Stoffe bestehenden Kernes. Zu diesem Kerne bediente 
man sich der caementa oder Bruchsteine, die mit der materia, 
dem Mörtel, vermischt, das Füllwerk zwischen den Quaderwänden 
bilden. Die eigentliche Backsteinkonstruktion (aus gebrannten 
Ziegeln) inag erst zu sullanischer Zeit gegen das Ende der 
Republik Eingang gefunden haben und war noch zu Vitruvs 
Zeit selten. 
Der Marmor wurde in früherer Zeit weder von den Etruskern 
(die ihren lunensischen Stein] kannten, aber nicht baulich be- 
nützten) noch von den Römern und den übrigen Völkern Mittel- 
italiens gebraucht, sondern man bediente sich für Steinkonstruktio- 
nen vorzugsweise der verschiedenen leicht verarbeitbaren und den 
Kalk gut aufnehmenden Tuffsteine und Kalksinter; in Rom dient 
dazu zuerst der grüngraue albanische Peperin, hernach der tibur- 
tinische Kalksinter Cllravertin). Diese sekundären Stoffe blieben, 
wenigstens in der eigentlichen Baukunst, (deren Werke von den 
grossen Nutzwerken, wie wir öfters gezeigt haben, überall im 
Alterthume durchaus getrennt gedacht wurden,) niemals ohne ihre 
expolitio, d. h. ohne ihre Bekleidung mit Stuck, was, an sich 
' Man findet, wahrscheinlich sehr alte, Strausseheier und anderv 
Gegenstände aus lnnensischem Marlnor in hetrnrischen Gräbern. 
kleinere
        

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