Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672632
Textile 
Kunst. 
Römer. 
Die 
Zeit. 
Frühe 
487 
wenigstens der mittleren Säulenzwischenweite eine Arkade in der 
Cellawand entsprach, etwa in derWeise wie an dem Pantheon: 
(Siehe auf Farbendruck Tab. XIII die Darstellung eines tuskani- 
sehen Tempels.) 
Von den tuskanisch-römischen Tempeln des republikanischen 
Rom gibt uns Vitruv ein ziemlich genaues Schema, das in 
struktiver Beziehung an anderer Stelle zu besprechen sein wird. 
Ausserdem haben wir einige Nachrichten über den nach den Vor- 
schriften der tuskanischen Augurcn gebauten Tempel des Jupiter 
Capitolinils und über den der Ceres , der schon mit Wer- 
ken griechischer Künstler, des Damophilos und des Gorgasas, 
die zugleich Plastiker und Maler waren, ausgestattet war. Wir 
entnehmen aus diesen Mittheilungen dass zu den Tempeln dieser 
altitalischen Gattung das Holz, das Ziegelgemäuer, die Terra- 
kottal und die Mörtelbekleidung zusammenwirkten. So ver- 
schiedenartige Stoffe machten eine harmonisirende Decke noth- 
wendig. Wahrscheinlich war alles Holzwerk, waren vor allem 
die weitgespannten hölzernen Architrave, mit Antepagmenten von 
Terrakotta bekleidet, gleich wie an den älteren Tempeln zu Meta- 
pont und sonst in Grossgriechenland und in Sicilien, von denen 
schon oben die Rede war. Da nun aber die Terrakotten, von 
denen es sicher ist dass sie die Hauptzierden des Aeusseren 
dieser Tempel bildeten, niemals ohne polychromen Stucküberzug 
vorkommen (wo er fehlt, ist er nur abgefallen) und gedacht wer- 
den dürfen, so folgt mit Zuverlässigkeit, dass der ganze Tempel 
in reichem farbigem und metallischem Schmucke glänzte. Die 
Vorliebe für Goldschmuck war wahrscheinlich von Altersher in 
dem Geschmacke der italischen Völker, dem sie auch beständig 
getreu geblieben sind; wodurch sie sich von den Hellenen der 
guten Zeit unterschieden, die sich dieses höchsten Reichthumes 
nur mit grösster Mässigung bedienten, und ihn für die höchsten 
Kunstwirkungen reservirten. Welche Wirkung hätte der gold- 
schimmernde Zeus des Phidias gemacht, wenn der ganze Tempel 
vergoldet gewesen wäre?  
Das eigentlich nationale Mauerwerk war bei den Italern, wie 
bei den Innerasiaten und bei den Griechen, das opus lateritium, 
d. h. das Mauerwerk aus ungebrannten Ziegeln, das man sich 
' Die Stelle der Thonzierden 
Bronzewerke ersetzt. 
wurde 
verwandten 
durch die technisch 
auch
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.