Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672601
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Hauptstück. 
Viertes 
immer nur den Eindruck einer durchbrochenen Mauer, einer Art 
von Brücke, wie der Pont du Gard, hinter der meinetwegen ein 
Riese sich einnistete. 
Diese Kombination ist nicht nur traditionell, sie ist zugleich 
durchaus rationell und gleichsam naturnothwendig. Es ist für 
unsere Aesthetik und unsere Kunstgeschichte, die besonders für 
römische Kunst der Revision bedarff bezeichnend genug, dass 
sie inidieser italischen Verbindung der Säulenordnung mit der 
ßogemnauer "eine Dekoration zu welcher das System der helle- 
nischen Architektur seine Formen hergeben musste" oder eine 
Zweispaltigkeit, eine "Konvenienzheirath, die aus Rüeksichten 
äusserer Zwcckinäissigkeit geschlossen wurde," und dergleichen 
andere für die alte Republik schmeichelhafte Dinge erkennt, oder 
in den Säulen griechische Jungfrauen sieht, die die Römer 
als Sklavinnen wegführten, „edelgeborne zwar, die aber durch 
den gezwungenen Dienst im fremden Hause, dessen Gesetze nicht 
die ihrigen, eine Trübung ihrer ursprünglichen Anniuth und 
Heiterkeit erfahren haben." Diess alles, wenn noch so schön 
erfunden, hindert nicht mit der Behauptung hervorzutreten, dass 
durch die Verbindung der Bogenwand mit der Wandsäule die 
Aufnahme der Decke und des Dachwerkes durch die Mauer auf 
ursprüngliehere und zugleich auf rationellere Weise vermittelt 
wird als diess bei der griechischen Cellamauer der Tempel ge- 
schieht, die für das ästhetisch gebildete Auge den auf ihr ruhen- 
den Architrav von einer Ante bis zur andern ununterstützt lässt, 
was die griechischen Architekten sehr wohl fühlten und was sie zu 
allerhand schwankenden Auskunftsmitteln veranlasste, deren keines 
die Schwierigkeit oder den Widerspruch allseitig genügend löst. 
1111 allen neuen deutschen Handbüchern der Kunstgeschichte und der 
Geschichte der Baukunst schliesst sich dic cloaca maxima unmittelbar an die 
Baukunst unter Augustus, als wenn nichts dazwischen läge! Das republika- 
nische Rorn, dessen edle Bauiiherreste, wenn auch noch so selten, dennoch 
genügen um aus ihnen einen Stil zu erkennen der seine eigene hohe Be- 
rechtigung hat, der von Griechenland weit unabhängiger ist als angenommen 
wird, und in vielem, besonders in der Profilfeinhcit und Einzelndurchfiihrung 
weit über dem Stile des Augustus steht, wird beinahe gänzlich unberücksichtigt 
gelassen, Von dem ältesten erhaltenen Beispiele einer Arkadenarchitektur mit 
Halbsäulen, dem für die Entwicklnngsgeschichte dieser architektonischen Form 
so wichtigen 'l'ahularium, (von Q. Lutatius Catulus im Jahr R. 676 erbaut), 
wie von den Tempeln zu Cora. und von den anderen wenigen Ueberresten aus 
der republikanischen Zeit ist in keinem der erwähnten Ilandhücher die Rede_
        

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