Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672590
Kunst. 
Textile 
Römer. 
Die 
Frühe 
Zeit. 
483 
das Kernsschema von dem Kunstschema am wenigsten trennen 
lässt, die absolut kernhaft und konstruktiv ist,  und dennoch 
gehört er hierher, nämlich als durchbrochene Wand oder 
vielmehr als Vvanddurchbrechung, als welche er auch allein 
nur von den Italern architektonisch aufgefasst wurde, denn die 
Gewölbe des alten Italien sind, wo immer sie auftreten, nur fort- 
laufende Bögen, gleichsam Durchbrechungen einer Mauer von 
ausnehmender Dicke. Das eigentliche Gewölbe ist erst eine Er- 
findung der Kaiserzeit und entbehrt selbst nach seiner Einführung 
bei den Römern die Eigenschaften einer selbständigen Kunst- 
form, bleibt ohne eigene Struktursymbolik und nichts weiter als 
eine gebogene Decke, eine Ueberspannung des Raumes. 
Wir sprechen also hier nur von dem Bogen in Verbindung 
mit der Mauer, die er durchsetzt. In dieser Verbindung hat er, 
wo immer er architektonisch, nicht als blosse Konstruktion 
und technisches Mittel, auftritt, nichts zu schaffen mit dem Dach- 
werke oder dem Etagengebälke, sondern ist nichts als Durch- 
brechung eines Raumesabschlusses, einer Wand, die, wie wir wissen, 
in allen alten Baustilen der Idee nach unabhängig von der Be- 
dachung blieb, die nichts zu tragen sondern nur zu umschliessen 
hat, die nur in diesem Sinne architektonisch wirkt, deren ganze 
ornamentale Symbolik auch nur auf diese Bestimmung anspielt. 
Ferner hatte nach denselben alten gemeinsamen Bauiiber- 
lieferungen eben so wohl bei den Italern wie bei den Griechen 
von jeher das stützende Element, die Säule mit ihrem Epistyl, 
die Funktion des Dachaufnehmens zu vollfüllen, war ihnen zu- 
folge ein mit einem Dache versehenes oder Stockwerke bildendes 
Haus mit Bogenöfifnnngen, dem jene tragenden und stützenden 
Glieder fehlen, ein architektonisches Ünding. 
Hieraus folgt dass die Verbindung der beiden Bestandtheile 
des Arkadenbaues eben so alt sein muss wie die Einführung des 
Bogens in die italische Architektur, nämlich in den eigentlichen 
monumentalen Hausbau. Das Gegentheil annehmen und in dieser 
Kombination eine späte willkürliche rein dekorative Erfindung 
sehen heisst den Geist der alten indogermanischen Bauprinzipien 
verkennen. Auch für den der diese alten Baugrundsätze oder 
Herkommen nicht kennt oder unberücksichtigt lässt, aber archi- 
tektonischen Sinn hat und nur diesem folgt, macht eine Bogen-- 
facade. ohne Säulen oder Pilaster, wie z. B. der Palast Pitti,
        

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