Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672574
TextHe 
Knn St. 
Die 
RÜ m 01'. 
Zeit. 
Frühe 
481 
in Asien und Aegypten bereits vor den Römern dieselben bar- 
barischen Elemente der Baukunst im gräko-italisehen Sinne ver- 
arbeitet hatten. Aber die Art Raumespoesie die sich ausdrückt 
durch das Zusammenstellen vieler architektonisch geordneter und 
geschmückter Raumeseinheiten zu einer einzigen Gesammtwirkung 
nach vorher berechnetem Plane blieb immer die schwache Seite 
der griechischen, ihrer Natur nach mikrokosmischen, d. h. indivi- 
duelles Sein erstrebenden, Baukunst, und war diejenige die sich 
zuletzt bei ihr entwickelte. Auf grossartigc Gesammtanlagen ge- 
richteten Sinn zeigten erst die asiatisch-hcllenischcn Stätdteerbauer, 
entschieden hierin vom Oriente beeinflusst; so entstanden Per-ga- 
mos, Sardes und Halikarnassos nach assyrisehen Vorbildern. 
Hippodamos, der Architekt des Peiraios, von Thurioi und Rhodos 
war asiatischer Grieche (aus Milet). Ein anderer Städtepläne- 
entwerfer Meton wird von Aristophanes persiflirt.  Der Name 
Dinokrates jedoch, der des Hofarchitelaten Alexanders, verdunkelt 
alle sonst bekannten Namen von Städtcbaumeistern. Unter Dino- 
krates sind Kleomenes, Olynthios, Ereteus, Heron und Epithermos 
die Architekten der Stadt Alexandria, die der Makedonier zur 
Weltstadt bestimmt hatte. Hier nahm die Baukunst zuerst die 
grossen Raumesdispositionen, der ägyptischen Tempelpaläste, und 
vor allen die Form der Basilika, in sich auf, auch den Bogen, den 
aber die griechische Kunst, der Kolossalarchitektur überhaupt 
nicht günstig, nicht in seiner wahren Bedeutung erfasste. Es ent- 
standen Serapeen, (Tempel mit weiten Vorwerken, gleichsam Sinn- 
bilder des hellenisirten Aegyptem) Museen, Gymnasien, Bäder 
und dergL, nach den grossartigen Vorbildern der ägyptischen 
Monumente. 
Nicht viel geringer und mehr asiatisch war die Grösse der 
Anlagen von Antiochia, und vieler Residenzen und Städte die in 
jener unternehmenden Zeit wie durch Zauber entstanden sind. Sie 
alle Wurden das Erbtheil ROIIIS, das berufen war, und den Stoff 
dazu hatte, den Weltgedanken Alexanders zur Wahrheit zu 
machen und ihm zugleich den ächten architektonischen Ausdruck 
zu verleihen. Die Römer, in ihren treuverwahrten indogermani- 
sehen Kunsttraditionen noch halb asiatisch, fanden sich dort in 
den östlichen Provinzen mehr heimisch als die Griechen, und 
lösten die Aufgabe der Verschmelzung asiatischdigyptischer und 
Sßmver. 61
        

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