Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672568
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Viertes Hauptstück. 
Diess sind zunächst und vor allem die alten gräko-italische Kunst- 
traditionen, man möchte sie eben so wohl die indogermanischerl 
nennen, das Gemeingut der Griechen und der Völker die nach 
Italien zogen, v or ihrer nationalen Trennung, Traditionen, welche 
die Italer länger und gleichsam buchstäblicher festhielten, welche 
dagegen die feiner organisirten Griechen, (unter zuerst günsti- 
geren Verhältnissen und' mancherlei Einflüssen von Seiten anderer 
mehr oder weniger verwandter Völker, mit denen sie in Berüh- 
rung traten  zum Theil früher und freier weiterbildeten, zum 
Theil, wie den Bogen; fallen liessen. Beide verwandte Stämme 
hatten dieselben technischen Grundsätze und Methoden des Klei- 
dens, der Töpferei, des Metallarbeitens, des Zimmerns und des 
Steinkonstruirens; die häuslichen Einrichtungen waren ursprüng- 
lich dieselben, dessgleichen viele architektonische Grundformen 
und Kunstsymbole, die schon vor der Volkstrennung ihren Ab- 
schluss erlangt hatten. Daher kommt es dass es für uns schwierig 
ist im Einzelnen bestimmt zu entscheiden 0b gewisse römische 
Motive, die auch griechisch sind, der alten gemeinsamen Tradition 
angehören oder von Hellas eingeführt wurden, nachdem dieses 
seine Kolonien nach Italien und anderen Westländern abgesetzt 
und einen bedeutenden Handelsverkehr mit diesen eröffnet hatte. 
Manche Anzeichen lassen aber vermuthen dass in den meisten 
fraglichen Fällen die erstere Annahme das Wahre enthalte, und 
dass die hetrurischen und römischen Modiiicationeix gewisser auch 
bei den Griechen üblichen Formen die älteren Typen dieser 
letzteren darstellen. 1 Auf anderen Gebieten, z. B. auf dem der 
Mythologie und der Sagengeschichte, mag das Gleiche der Fall sein. 
Ausser diesen altitalischen Kunsttraditionen und dem frühen 
Uebergewichte das hellenische Bildung über den Geschmack der 
italischen Völker gewonnen hatte sind als dritter Faktor der 
den Baustil der späteren Weltbeherrschenden Roma entstehen 
half die unmittelbaren ägypto-asiatischen Einwirkungen auf Sitte, 
Lebensweise und Kunst der Römer, kurz vor und während ihrer 
Universalherrschaft, zu bezeichnen;  unmittelbar nur im Gegen- 
satze zu den auch mehr oder weniger orientalisirenden Stammes- 
überlieferungen, denn vermittelt waren diese Einflüsse schon 
durch die griechischen Fürsten, welche bei ihren Städtegründungen 
1 In 
Stile der 
dem 2teu Theile der Schrift, der das Allgemeinen-e in Beziehung auf 
Baukunst enthält, wird die Durchführung dieser Bemerkung folgen,
        

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