Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672530
Textile Kunst. 
Verdrängung der Wandmalerei durch die Tufelmalerei. 
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Technik hinüberstreifen, aber nothwendig hier schon Wenigstens 
flüchtig zu berühren sind. Zunächst also drittens die Benutzung 
der Quaderfugen zu architektonisch-dekorativen Zwecken. Wir 
finden sie nirgend, bis zu der Zeit herab die uns jetzt beschäf- 
tigt, weder im ägyptischen noch im asiatischen noch auch im 
griechischen Stile anders als an dem Unterbaue des Werkes her- 
vortretend, letzteres selbst, das auf jenem aufgestellte eigentliche 
Kunstgebilde, das Agalma, wenn schon in solidestem Steine mit 
der grössten Regelmässigkeit und Sorgfalt vollendet, das Isodom 
der Griechen war das höchste was die Lithotomie in dieser 
Beziehung erreichte, blieb immer der Form und dem äusseren 
Erscheinen nach unabhängig von dem Quaderwerke, das gerade 
desshalb die rnöglichste Vollendung in der Bearbeitung und der 
Zusammenfügung erhielt damit es als Element der Form nicht 
erschiene und aus demselben Grunde desshalb noch ausserdem mit 
Stuck und Farbe überkleidet wurde. Wo wurde nun das der 
hellenischen, die Emancipation der Kunstform von dem Machwerke 
und der Materie erstrebenden, Tektonik zuwiderlaufende Ornament 
der umränderten und naturfarbigen Quader zuerst zur Dekoration 
der Tempelwände benützt, wo entstand diese Neuerung, die zu- 
sammen mit der Erhebung des Bogens zur Kunstform, die nach- 
haltigste Revolution in der Baukunst hervorrief? 
Die ersten Beispiele und Anzeichen davon sind wieder asia- 
tisch, und wahrscheinlich erst aus der alexandrinischen oder dia- 
dochischen Zeit. Zunächst der Tempel des Jupiter zu Kyzikos, 
dessen durchsichtiger Quaderputz 1 die mit Gold umränderten 
1 Lapis, verkürzt für lapis quadratus, steht in der Kunstspraehe der römi- 
schen Konstrukteure dem Marmor gegenüber und bezeichnet den gewöhnlichen 
Haustein, der bei Kunstbauten stets mit Stuck und Farbe bekleidet wurde. 
Beispiele Plin. H. N. XXXVI. 6. Fuit tamen inter lapidem et marmur diiferentia 
iam apnd Homerum.  
lbid. Primum ut arbitror versicolores istas maculas Chiorum lapidiciuae 
ostenderunt cum exstruerent muros; faoeto in id M. Ciceronis sale: omnibus 
enim ostentabant ut maguiücum. Multo inquit magis mirarer si Tiburtino 
lapide fecissetis. Et Herkules non fuisset picturae ullus, non modo tantus 
honos, in aliqua. marmorum autoritate.  
Vitruv. II. cp. 8. E marmore seu lapidibus quadratis. 
1d. II. 8. Cum ergo tam magna potentia reges non contempserint lateri- 
tiorllm parietum Strllßturas quibus et vectigalibus et praeda saepius licitum 
fuerat non modo caementitio aut quadrato sed etiam marmoreo habere etc.
        

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