Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672511
Verdrängung der Wandmalerei durch die Tafelmalerei. 
Textile Kunst. 
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von denen einiges Kostbare sich erhielt, sind wahre Wunder an 
Schönheit und technischer Vollendung. 
Eng verknüpft mit dem Gemmenluxus war das Email, eine 
Art Inkrustation mit künstlichen aus Glastiuss imitirten Edel- 
steinen und zugleich eine Art enkaustischer Malerei, wahrschein- 
lich die wahre, ursprüngliche, deren Beziehung zu der Wachs- 
enkausis in dem nächsten Hauptstücke über Keramik, wo einige 
hier noch unberührt gebliebene technische Fragen aufgenommen 
werden, nachzuweisen ist. 
Das Email wurde schon an dem Dache des Prachtwagens 
Alexanders angewandt, es fehlte gewiss selten, wo Gold oder 
anderes Metall zu architektonischen Zwecken und zu Geräthen 
in Anwendung kam und ersetzte die noch von Phidias gebrauchte 
einfache Malerei auf Goldgrund, wenn gleich diese selbst schon 
eine Tochter des orientalischen Email war. 
Es wurde oben (unter Aegypten) gezeigt dass diese Technik 
des Emaillirens den Aegyptern schon sehr trüh und in allen 
ihren Proceduren bekannt war. Dennoch wird behauptet sie 
sei das Eigenthum und das Geheimniss der Barbaren des Westens 
geblieben, da kein alter Schriftsteller sie beschreibe oder auf 
ihr Vorkommen bei den Griechen und den italischen Völkern hin- 
weise, und ein Autor des 3. Jahrhunderts (Philostratus) sie als das 
Eigenthum der Völker des westlichen Oceans bezeichne, in deren 
ehemaligen Wohnsitzen in der That auch die bedeutendsten Funde 
emaillirtei- Gegenstände antiken Stiles gemacht wurden. 1  
Aber woher auch die Gallier und Kelten diese Kunst entlehnt-en, 
ob sie sie vom Orient mitbrachten oder von den Phönikiern er- 
lernten, sicher bleibt der Orient der Erfinder auch dieser An- 
wendung des Glasflusses, und dass wenigstens eine Art von Einail- 
liren auch in Griechenland und in Italien zum Theil früh geübt 
wurde, beweisen kleine metallische Gegenstände des Luxus und 
des Zierraths ächt griechischen Stiles mit eingeschmolzenen Glas- 
tlüssen, deren das borbonische Museum zu Neapel, der Louvre 
und das britische Museum mehrere enthalten, und die auch sonst 
in den Sammlungen nicht selten sind. 
Als verwandt sind hier noch die musivischen Zierden und 
1 Philostratus Icon. I. cp. XXVIII. Derselbe Schriftsteller 
auch von farbigen Metallreliefs in Indien. In vita Apollonii. 
spricht 
aber
        

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