Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672492
Textile Kunst. 
Verdrängung der Wandmalerei durch 
die Tafelmalerei. 
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asien, aus der Zeit nach Alexander. Auch die orientalische Be- 
kleidung der Tempelwände mit goldüberzogcnem Getafel {indet 
Nachahmung, so bei dem von Antiochus IV. erbauten Tempel 
des Jupiter Olympius zu Antiochia und dem Tempel des Bal 
und der Astarte zu Hierapolis, dessen Wände und Decke wie 
bei dem Tempel zu Jerusalem ganz vergoldet Waren. Dieser 
asiatische Luxus musste die eigentliche Wandmalerei verdrängen 
und auch ausserdem auf den Stil der ornamentalen und farbigen 
Ausstattung einwirken. Leider lässt sich dieser Uebergang bei 
fast gänzlichemdtlangel erhaltener Monumente aus dieser Zeit an 
letzteren nicht mehr verfolgen. Doch Weiss man dass der plastische 
Schmuck des zumeist korinthischen Baues oft in vergoldetem Me- 
talle angeheftet wurde, dass somit, gleichmässig mit dem Inneren, 
auch äusserlich der Mctallglanz und die reiche Pracht den be- 
scheidneren Schmuck der Farbe verdrängten. ' 
2. Eng verknüpft mit der metallischen Ausstattung ist der 
gleichfalls orientalische polylithe Schmuck, d. i. die Polychro- 
mie mit Versatzstücken (pieces de rapport, appliques) aus bunt- 
farbigem Marmor und noch edleren Steinarten. 
Asien und Aegypten sind das Vaterland der edlen und halb- 
edlen Steine, für welche schon im frühen Alterthume eine sehr 
grosse Vorliebe auch unter den Griechen und den italischen Völ- 
kern herrschte. Doch scheint das Schleifen und Schneiden dieser 
harten und kostbaren Stoffe lange Zeit das Privilegium der Aegypter 
und der Asiaten geblieben zu sein, die ihre geschnittenen Steine 
als Handelsartikel nach Europa brachten, woher sich das alleinige 
Voriinden ägyptischer, phönikischer und assyrischer Gemmenl und 
Intaglien in den älteren Gräbern der Etrusker und Griechen er- 
klärt. Diese Intaglien dienten als Petschaft und zu Schmuck- 
gegenständen. Die ersten eigenen Versuche der Etrusker und 
Griechen in der Stein- und Stempelschncidekunst waren rohe 
Nachahmungen der asiatischen Vorbilder, und erst in der grossen 
Zeit der Kunstreife gelangte auch diese Kunst zu einigem An- 
sehn, obschon sie sich eigentlich erst einbürgerte und ihre höchste 
Vollkommenheit erreichte kurz vor der Zeit Alexanders, dessen 
Steinschneider Pyrgoteles in dieser peniblen Kunst den höchsten 
Ruhm erreichte, der auch eigentlich nur allein unter allen seinen 
Kunstgenossen von den Autoren genannt wird. Doch blieb diese 
Semper. ß()
        

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