Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1672353
Textile Kunst. 
Vollendeter Stil. 
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farbigen Terrakotten womit die Balken und sonstigen Theile der 
metapontischen Tempel geschmückt waren. 
Dazu kommen vollständig erhaltne roth bestückte Grab- 
facaden in Lykien, von denen einige im britischen Museum auf- 
gestellt sind, und häufige Spuren von Farben auf den aus Tuff- 
stein gehauenen und mit Mörtel überzogenen Gräbern Hetruriens. 
Auch geschieht bei den Autoren des Färbens der Wände und 
des Quadersteines häufige Erwähnung. Ich übergebe die schon 
zu oft besprochenen grünen und rothen Gerichtshöfe Athens 
und andere bekannte Stellen über alte Malerei und farbige 
Dekoration der Wände, die in den oben angeführten Schriften 
ausführlich discutirt worden sind und erwähne nur eine meines 
Wissens noch nicht berücksichtigte Stelle des Lukian, die auf das 
Alter und die allgemeine Verbreitung der Polychromie steinerner 
Wände hinweist: „Die Menschen," heisst es in den Amores, „er- 
bauten Häuser und erlernten unvermerkt die damit zusammen- 
hangenden Künste: Statt der einfach farblosen Gewänder wurden 
letztere auf das schönste bunt gestickt, für die schlechten Woh- 
nungen erfand man hohe Paläste und prachtvolle Steinbauten, 
und die nackten formlosen Wände wurden mit schönen gemuster- 
ten Farbentünchen bedecktf" 
Hier verdient auch die auffallende Nachricht des Vitruv über 
den Palast des Königes Mausolus in Halikarnassus Erwähnung, 
dessen Ornatus in prokonnisischem Marmor ausgeführt war, dessen 
Mauern aber aus (ungebrannten) Ziegeln bestanden, die auf eine 
Weise abgeputzt waren, dass sie die Durchsichtigkeit des Glases 
zu haben schienen. Man ist genöthigt anzunehmen, dieser Putz 
sei eine Glasur gewesen. Auf durchsichtigen Putz deutet auch 
die bekannte Nachricht des Plinius über den kyzikenischen 
Tempel, die er unter anderen Mirabilien der Baukunst mittheilt: 
Der Künstler habe im Innern dieses Baues, der einen elfen- 
beinernen Zeus und einen marmornen Apollon, der ersteren be- 
bekränzt, enthalten sollte, zwischen alle Fugen der geputzten 
(mit Stuck überzogenen) Quadermauer, 2 goldene Fäden gelegt. 
So scheinen die haarfeinen Goldfäden durch die Wandmalerei 
1 Lucian. Amores 34. und yvpuzüv roixwv äpopqaiuv süavßäar. ßoeqaocig 
xgmpärmr uozräygoztpoev. 
2 Politi lapidis,  Lapis ist in der technischen Sprache immer der Hau- 
stein im Gegensatz zum Marmor.
        

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